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06/26/2020

10-Sekunden-Zahnbürste: Amabrush-Kopien fluten das Netz

Derzeit tauchen Werbungen für CleanT auf. Der Hersteller behauptet, die Zahnbürste wurde von einem österreichischen Arzt entwickelt.

Die 10-Sekunden-Zahnbürste Amabrush fand ein unrühmliches Ende. Mit dem Verschwinden des österreichischen Start-ups tauchten mehrere Nachahmer auf, die ungeniert die Bauweise, Design und sogar Werbeslogans kopieren.

Diese sind seit Kurzem besonders aktiv und versuchen potentielle Kunden mit Bannerwerbung in die Falle zu locken. In Österreich und Deutschland ist das vor allem ein Produkt namens CleanT.

Amabrush-Bilder in Werbung

In den Werbungen, die über Google Ads auf Websites eingeblendet werden, ist ein Video zu sehen. Laut diesem wurde das Produkt 3 Jahre lang von einem österreichischen Zahnarzt entwickelt. Außerdem werden Bilder der Amabrush-Prototypen gezeigt. Diese wurden vermutlich von der Kickstarter-Website von Amabrush kopiert.

Es handelt sich hierbei aber nicht um einen Amabrush-Nachfolger oder Neustart. In anderen Ländern wird das gleiche Produkt etwa mit einem deutschen Zahnarzt angepriesen.

CleanT sieht Amabrush sehr ähnlich, vor allem das Mundstück. Das Handstück ist anders geformt, vermutlich um die Herstellungskosten zu senken. Auf der Website von CleanT gibt es noch Fake-Reviews.

Geklaute Slogans

Außerdem werden dieselben Slogans verwendet, wie damals bei Amabrush. Dazu gehört „Wussten Sie, dass Sie in Ihrem Leben 108 ganze Tage nur mit dem Zähneputzen verbringen?“ und „jede Zahnoberfläche wird 8x länger gebürstet und die gesamte Zahnbürstendauer ist 12x schneller.“ Natürlich ist auch „Die erste automatische Zahnbürste der Welt, die Ihre Zähne in 10 Sekunden putzt“ dabei.

Ein Impressum findet man nicht auf der Website. Eine Rücksendeadresse für Retouren und Beanstandungen wird nur auf Anfrage per Mail bekannt gegeben. Das sind 2 klare Indikatoren dafür, dass man die Finger von diesem Webshop lassen sollte.

Electricteeth.co.uk hat dieses Produkt getestet und eine klare Warnung ausgesprochen. Es reinigt die Zähne nicht und noch dazu kann es das Zahnfleisch schädigen. Es wurden bereits 29 Produkte ausgemacht, mit 29 verschiedenen Namen, die alle dieselbe Zahnbürste sind.

Während in Österreich gerade eine Google-Ad-Werbekampagne für CleanT läuft, wurde im englischsprachigen Raum das Gerät als V-White bekannt. Je nach Land und Produktnamen werden diese Geräte zwischen 7 und 100 Euro angeboten. Auch auf Amazon sind solche Zahnbürsten zu finden.

Von der Revolution in die Insolvenz

Die vermeintliche Wunderzahnbürste des Wiener Start-ups Amabrush sollte Zähne in nur 10 Sekunden reinigen und klassische Zahnbürsten ersetzen. Das Start-up sammelte auf den Plattformen Kickstarter und Indiegogo im Jahr 2017 mehr als 4 Millionen Euro ein.

Mit fast einem Jahr hinter dem Zeitplan wurden Ende 2018 erste Geräte ausgeliefert. Die Tests fielen alles andere als gut aus. Mit immer mehr ausgelieferten Exemplaren gab es auch immer mehr Kritik. Schließlich gab es Klagen und Beschwerden, ua. wegen irreführender Werbung und weil die versprochene Reinigungsleistung nicht erfüllt wurde.

Rechtfertigung

Amabrush versuchte sich zu rechtfertigen. Erst war von Startschwierigkeiten in der Produktion die Rede. Dann hieß es die User verwenden das Produkt falsch, obwohl sie es so nutzen, wie es Amabrush bei seiner Kickstarter-Kampagne beworben hatte. Dann hieß es, Amabrush war nie gedacht, die herkömmliche Zahnbürste zu ersetzen, es sei lediglich ein ergänzendes Produkt für die Zahnpflege. Auch das stimmt nicht. Auf der Kickstarter-Website ist immer noch zu lesen: „Du musst dir nie wieder die Zähne putzen!“

Anfang Juni 2019 meldete Amabrush Insolvenz an. Wegen einer im Mai eingereichten Klage sei man gezwungen gewesen, ein professionelles PR-Team und Anwälte anzuheuern. Dies hätte man finanziell nicht weiter stemmen können. Diese Aussage löste Ärger statt Mitleid aus. Schließlich gab man jetzt den Kunden die Schuld an der Pleite, weil sie Klage eingereicht hatten. Aus Kundensicht wäre die Klage nicht nötig gewesen, wenn Amabrush ein Produkt geliefert hätte, das so gut ist, wie es versprochen wurde.