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03/08/2020

A1 Xplore TV im Test: Wer mehr als fernsieht, zahlt

Das neue TV-Angebot von A1 ist modern, komfortabel und plattformübergreifend, aber nicht sehr spendabel.

von David Kotrba

Österreichs größter Internet-Provider hat am vergangenen Montag sein neues Fernsehangebot präsentiert. Früher als A1 TV bekannt, nennt es sich nun A1 Xplore TV. In Design und Handhabung soll das klassische Fernsehen damit näher an immer beliebtere Streaming-Dienste wie Netflix oder Amazon Prime heranrücken, die Filme und Serien auf Abruf anbieten. Wir haben getestet, ob das Angebot tatsächlich so komfortabel und zeitgemäß ist, wie es A1 behauptet.

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Plug and Play

Xplore TV kann man sowohl durch eine gewohnte Set-Top-Box am Fernseher als auch per App auf Smartphones und Tablets oder per Webbrowser am Computer benutzen. Jemand, der zuvor bereits A1 TV benutzt hat, sollte keine Probleme mit der Selbstinstallation haben. Box und Zubehör werden in einem übersichtlichen Paket geliefert. Per "Plug and Play" verbindet man Box mit Internet-Router und Fernseher und kann loslegen.

Mit der Fernbedienung durchläuft man einen kurzen Set-up-Vorgang. Dabei stellt man u.a. ein, welche TV-Sender man gerne zu "View Control" hinzufügen will. Die Funktion gab es bereits bei A1 TV. Sie erlaubt es, Sendungen bis zu sieben Tage nach ihrer Ausstrahlung auf Abruf anzusehen. A1 bekam deswegen erst kürzlich Probleme mit Pro7 und Sat1. Die deutschen Sender sind nun nicht mehr dabei.

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Vermischte Inhalte

Hat man das Set-up abgeschlossen, erscheint der Startbildschirm von Xplore TV. In der Mitte läuft der zuletzt angesehene Fernsehsender, links und rechts gibt es diverse Menüpunkte und beim Runterscrollen erscheinen nach Kategorien sortierte Leisten an Vorschaubildern für TV-Sendungen sowie Filme und Serien zum Kaufen und Mieten. Hier liegt der grundlegende Unterschied zum bisherigen A1-TV-Erlebnis. Früher waren TV-Programm und "On Demand"-Inhalte klar getrennt, heute tauchen sie gemeinsam auf. Was bezahlpflichtig ist, erkennt man auf den ersten Blick nur anhand eines kleinen Ticket-Symbols.

Reihenweise bekommt man nun also Kategorien wie "derzeit beliebt", "das könnte Ihnen gefallen" (aufgrund bisheriger Vorlieben), "Quotenhits im TV" oder "Highlights in der Videothek" dargeboten. Wer das klassische Fernseherlebnis bevorzugt, kann das Menü "Live TV" aufrufen. Neu bei Xplore TV ist, dass es keine getrennten Kanäle mehr für TV-Sender in normaler oder in HD-Auflösung gibt. Ist ein Kanal in HD verfügbar, wird automatisch auf die bessere Auflösung umgeschaltet. Wer einen UHD- bzw. 4K-Fernseher besitzt, erhält bei Xplore TV sogar eine Hand voll dazu passender UHD-Kanäle.

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Ungenießbare Favoriten

Die Navigation durch Sender und Menüs funktioniert beim neuen TV-Angebot von A1 schneller und flüssiger als beim Vorgänger. TV-Sendungen, Serienfolgen und Filme können nun zu einer persönlichen Favoritenliste hinzugefügt werden. Unter dem Punkt "Meine Inhalte" findet man sie wieder.

Leicht irritierend: Nur weil man Inhalte zu den Favoriten hinzufügt, heißt das nicht, dass man sie auch ansehen kann. Bei TV-Sendungen muss man schon selbst darauf achten, ob man den jeweiligen Kanal bei "View Control" ausgewählt hat und seine Inhalte somit auch nachträglich ansehen kann. Explizit darauf hingewiesen wird man nicht. Mit der Installation beginnt außerdem die Aufzeichnung der TV-Sendungen in "View Control" erst. Man kann also nicht sofort Sendungen konsumieren, die in den Tagen zuvor ausgestrahlt wurden.

Eingeschränkte Suche

Besonderen Wert legt Xplore TV auf die Suchfunktion. In dieser kann man nach Serien und Filmen im aktuellen Fernsehprogramm, in den per "View Control" gespeicherten TV-Inhalten oder in der Videothek suchen. Auch die Suche nach spezifischen Schauspielern wird unterstützt. Nicht gefunden werden hingegen ganze TV-Sender. Wer etwa nach dem Science-Fiction-Sender "SyFy" sucht, erhält keine brauchbaren Resultate und muss stattdessen die Senderliste durchforsten.

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Mieten und Kaufen

In der Videothek kann man Filme und Serien mieten und innerhalb von 48 Stunden ansehen. Einige Serien kann man auch vollständig kaufen. Die Kosten dafür werden einfach zum jeweiligen monatlichen Paketpreis addiert. Im Gegensatz zu Streaming-Diensten, aber auch von anderen Internet-Anbietern, gibt es bei Xplore TV keinerlei On-Demand-Inhalte, die ohne Zusatzkosten konsumierbar sind. Künftig wird es aber Aktionen geben, bei denen man Filme für lediglich einen Cent mieten kann, teilt A1 auf Anfrage mit.

Apps

Neu bei Xplore TV ist die Integration von Drittanbieter-Apps. Wer ein Konto bei Amazon Prime hat, kann den Streaming-Dienst also über die A1-Box nutzen. Das kommt vor allem jenen Menschen zugute, die noch keinen smarten Fernseher besitzen, der ohnehin selbst Apps installieren kann. Außerdem bei den Apps in Xplore TV dabei: YouTube, Flimmit sowie die ORF tvthek und die Mediatheken von ARD und BR. Laut A1 könnten künftig noch weitere Apps dazukommen. "Netflix wäre natürlich interessant", heißt es.

Baustellen

Radiosender soll man künftig ebenfalls über Xplore TV aufrufen können. Die Funktion sei "Bald verfügbar!", liest man, wenn man den entsprechenden Menüpunkt wählt. Die Mitteilung erhält man auch an anderer Stelle, etwa beim Menüpunkt "Nachrichten" in der Xplore TV App. Dort werden künftig u.a. Benachrichtigungen über neue Folgen von abonnierten Serien eintrudeln, erklärt A1.

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Familientauglich

Die Nutzung der App parallel zur Box am Fernseher funktioniert im Übrigen vorzüglich. In Mehr-Personen-Haushalten ist sie hilfreich, kann sich doch eine Person am Fernseher zum Beispiel eine Serie ansehen, während eine andere Person ein Live-Fußballmatch verfolgt. Außerdem eignet sich die App gut als Zusatzbildschirm ("Second Screen"), auf dem man Infos über eine gerade laufende Sendung aufrufen kann ohne die restliche Familie beim Zusehen am Fernseher zu stören. Will man Kinder vor bestimmten Inhalten schützen, kann man übrigens zwischen Familien- und Eltern-Profil umschalten. Was bei "Beate Uhse TV" gerade läuft, wird der Familie klarerweise nicht verraten.

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Fazit

Mit Xplore TV hat A1 sein Fernsehangebot rundum erneuert. Man navigiert darin nun entweder auf ähnliche Weise, wie man es von Streaming-Diensten kennt, oder wechselt zwischen TV-Programmen ganz klassisch wie bisher - wie man will. Vorbei sind jedenfalls die Zeiten, wo zwischen SD- und HD-Kanälen unterschieden wurde, weg ist die bisherige Barriere zwischen Fernseh- und "On Demand"-Inhalten. Die "View Control"-Funktion, die das Verpassen von Sendungen quasi unmöglich macht, ist so gut wie eh und je. Dass man Xplore TV neben dem Fernseher auf zumindest einem weiteren Gerät nutzen kann, ist für Familien praktisch.

Schade ist, dass man bei Xplore TV neben den Fernseh-Inhalten überhaupt keine Filme und Serien auf Abruf findet, die ohne Zusatzkosten verfügbar wären. Zusätzlich zahlen muss man überhaupt für eine ganze Reihe weiterer Annehmlichkeiten. Wer vom bisherigen A1 TV auf das neue Angebot umsteigt, zahlt am Ende ein wenig mehr und lebt damit ein wenig komfortabler. Wer auf den Netflix-Look und Apps von Drittanbietern verzichten kann, für den zahlt sich der Umstieg weniger aus.

Preise

A1 Xplore TV ist in mehreren Varianten verfügbar und bietet eine Reihe von aufpreispflichtigen Zusatzoptionen. Grundlegend wird zwischen den Tarifen S, M und L unterschieden. Sie beinhalten eine unterschiedliche Anzahl an Fernsehsendern (60, 140, 180), worin eine unterschiedlich große Zahl von HD-Sendern inkludiert ist (25, 80, 180). Im S-Tarif ist "View Control", also  das nachträgliche Ansehen von Fernsehsendungen für sieben Tage, nicht verfügbar, bei M und L schon. Je nach Tarif kann man zudem Sendungen unterschiedlich lange aktiv aufnehmen oder Xplore TV auf einer bestimmten Anzahl zusätzlicher Geräten nutzen. Wer alleine Xplore TV benötigt, zahlt 7,90 (S), 11,90 (M) oder 29,90 (L) Euro pro Monat. Bei allen Paketen kommen 3,90 Euro monatlich pro Xplore TV Box dazu - man kann auch mehrere mieten.

Im üblichen Fall wird man ein Kombipaket mit Internet und Xplore TV buchen. Mit dem TV-Tarif S ist man in der Kombi ab 29,90 Monat (wiederum zuzüglich 3,90 Euro für die Box) dabei. Für die Internetverbindung mit 40 Mbit/s Downloadgeschwindigkeit zahlt man momentan gleich viel wie für 20 Mbit/s. Ebenso verhält es sich für die Kombi mit dem TV-Tarif M, die es ab 34,90 Euro monatlich gibt. Zusätzlich lassen sich bestimmte Pakete, etwa mit zusätzlichen HD-Sendern oder regional spezifischen Sendern (Balkan, Türkei, Italien etc.) oder Serien (z.B. vom US-Sender ABC) buchen. Für 4,90 Euro monatlich kann man zudem einen Online-Recorder mieten, mit dem man 500 Stunden TV-Inhalte bis zu 12 Monate lang speichern kann.