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Test Acer Chromebook 14 im Test: Hübsch aber halbgar.

Acer Chromebook 14
Acer Chromebook 14 - Foto: Gregor Gruber
Hat ein Notebook mit Chrome OS das Zeug, einen herkömmlichen Laptop zu ersetzen? Wir haben versucht, das herauszufinden.

Viele behaupten, heutzutage sei ein Laptop für die meisten Durchschnittsnutzer nicht mehr als ein "übermotorisiertes" Gerät zum Öffnen des Browsers. Denn vielmehr als einen Browser - sei es Firefox, Internet Explorer, Opera, Chrome oder Safari - würde vom Großteil der Nutzer nicht verwendet. Aus dieser Sichtweise wäre also ein Chromebook das ideale Gerät.

Eines vorweg: Ich habe noch nie ein Chromebook verwendet. Umso größer war meine Neugierde, herauszufinden ob ein Chromebook einen Windows-Laptop oder ein MacBook ersetzen kann. Der erste Eindruck war vielversprechend, das Acer Chromebook 14 fühlt sich hochwertig an und der Set-up-Prozess ist in wenigen Minuten abgeschlossen - vorausgesetzt man ist bereits im Google-Ökosystem beheimatet und nutzt hauptsächlich den Chrome-Browser. Aber dazu weiter unten - zunächst zu den technischen Details.

Ohne Lüfter & starke Akku

Angetrieben wird das lüfterlose Acer Chromebook 14 von einem Intel Celeron N3160 4-Kern-Prozessor, der mit 1,6 GHz taktet. Der matte, 14 Zoll große Full-HD-IPS-Bildschirm löst mit maximal 1920 x 1080 Pixeln auf. Der Arbeitsspeicher beträgt 4 GB, der interne Speicher 32 GB, wobei effektiv gut 24 GB übrig bleiben. Auf die Waage bringt das Chromebook 1,68 Kilogramm.

Die Akku-Kapazität beträgt laut Acer 3920 mAh. In der Praxis hat der Akku des Chromebooks Ausdauer bewiesen. Nach einer knapp dreistündigen Zugfahrt - mit dem WLAN verbunden, schreiben in Google Docs, nebenher browsen im Web sowie per Bluetooth-Verbindung Musikhören - war noch etwas mehr als 60 Prozent des Akkus übrig. Nachdem ein YouTube-Video bei voller Bildschirmhelligkeit und Full-HD-Auflösung zweieinhalb Stunden gelaufen ist, waren noch 62 Prozent übrig. Weitere eineinhalb Stunden später zeigte die Akku-Anzeige 30 Prozent.

Anschlussmäßig verfügt das Chromebook über zwei USB 3.0 Ports, einen HDMI-Anschluss sowie einer 3,5mm-Audioklinke. Kabellos kann es per Bluetooth 4.2 oder per WLAN (IEEE 802.11 a/b/g/n/ac) verknüpft werden. Einen SD-Karten-Slot zum Erweitern des knapp bemessenen internen Speichers gibt es leider nicht.

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Foto: Gregor Gruber

Matter Bildschirm

Obwohl eine Full-HD-Auflösung möglich ist, ist das Display mit einer Auflösung von 1536 mal 864 Pixeln voreingestellt. Ändert man die Einstellungen auf 1920x1080 Bildpunkte wird die Schriftart für meinen Geschmack etwas zu klein dargestellt. Vorausgesetzt man mag matte Displays, gibt es am Bildschirm kaum etwas auszusetzen. Bei schnellen Sonne-Schatten-Wechsel im Zug war das Arbeiten am Acer Chromebook ohne weiteres möglich.

Das Gehäuse des Acer Chromebook 14 besteht komplett aus Aluminium. Dadurch wirkt das 375-Euro-teuere Gerät wesentlich hochwertiger, als sein Preis es vermuten lässt. Die Tastatur hat einen guten Druckpunkt und die Tasten sind für meinen Geschmack angenehmen weit voneinander entfernt. Nur eine Hintergrundbeleuchtung der Tastatur und eventuell die Touchfähigkeit des Bildschirms habe ich vermisst.

Das Touchpad ist ein solider Maus-Ersatz. Es ist ähnlich groß wie bei einem älteren Macbook Pro und lässt sich auch ähnlich angenehmen bedienen. Allerdings gleiten die Finger nicht so leicht über die Oberfläche des Touchpads, da die Beschaffenheit etwas rau ist. Vielleicht aber wird die Oberfläche des Touchpads mit der Zeit durch die Abnützung glatter.

Eingeschränkt durch Chromebook?

Natürlich fühlt man sich eingeschränkt, wenn man ein Chromebook verwendet und keine externen Programme installieren kann. Dieses Gefühl ist aber weitgehend unbegründet. Denn für die meisten Services und Anwendungen gibt es entweder Alternativen, die per Chrome-Extension im Browser erledigt werden können: etwa Pixlr zum Editieren von Fotos; Google Docs, Sheets, Slides, etc können die MS-Office-Anwendungen ohnehin weitgehend ersetzen. Und wenn nicht, kann immer noch auf eine die entsprechende Office-Online-Chrome-Extension zurückgegriffen werden; beispielsweise gibt es auch Skype als Browser-Erweiterung. Und ganz nebenbei ist das Chrome OS grafisch ansprechend gestaltet, übersichtlich und einfach zu bedienen.

Dennoch lässt mich das einengende Gefühl nicht los. Wahrscheinlich liegt es daran, dass - bis auf den Preis - ein Chromebook gegenüber einem Windows-Laptop oder einem Macbook keinerlei Vorteile bringt. Acer hat dabei im Grunde nicht viel falsch gemacht. Abseits des fehlenden Touchscreens liegen die Beschränkungen und das große Ausbaupotenzial vielmehr im Betriebssystem.

Nicht Fisch nicht Fleisch

Das Chrome OS ist eine halbgare Sache. Es scheint als könne sich Google nicht entscheiden, ob es ein mobiles Betriebssystem für Convertibles und Notebooks oder doch lieber ein klassisches Desktop-OS sein soll. Dass Android-Apps nicht nativ unterstützt werden, ist seit jeher der größte Negativ-Punkt des Chrome OS. So schafft es Chrome OS eben nicht das Beste aus den beiden Welten - Mobile und Desktop - zu vereinen; vielmehr bleiben die jeweiligen Vorzüge auf der Strecke.

Was auch nicht unerwähnt bleiben soll, ist das Locked-in-Syndrom. Wenig überraschend ist und bleibt beim Chrome OS alles im Hause Google. Viel Glück dabei, ein Chromebook parallel mit einem iPhone oder Windows-Devices zu verwenden.

Das ideale Chrome-OS-Gerät für mich wäre ein leistungsfähiges 2-in-1-Tablet-Notebook-Convertible mit Touchscreen, ähnlich dem Pixel C, dem Surface von Microsoft oder auch dem iPad Pro, mit ausgebauten Chrome OS, das dann auch Android-Apps unterstützt.

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Schade, dass das Chromebook keinen Touchscreen hat - Foto: Gregor Gruber

Fazit

Die Hardware beim Acer Chromebook 14 ist nahezu einwandfrei, welche es auch mit Windows als Betriebssystem gibt. Bis auf die fehlende Hintergrundbeleuchtung der Tastatur und einen Touchscreen gibt es kaum Optimierungspotenzial.

Was mich beim Betriebssystem stört, ist gar nicht so die fehlende Möglichkeit, Software zu installieren. Vielmehr ist es der Umstand, dass es keine Anreize gibt, ein Chromebook einem konventionellen Laptop vorzuziehen. Natürlich sind die Chromebook-Preise (in diesem Fall 375 Euro) nahezu unschlagbar, dennoch gibt es mittlerweile genügend Windows-Notebooks, die in eine vergleichbare Preisklasse fallen. Und wenn Geld nicht das Kriterium ist, gibt es als mobile Alternativen immer noch das Microsofts Surface, Android-Tables oder auch das iPad Pro. In diesem Sinne taugt ein Chromebook - wenn überhaupt - nur als Zweit-Notebook.

(futurezone) Erstellt am 22.03.2017, 06:00

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