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01.07.2011

Arnova 10: Günstig-Tablet zum Abgewöhnen

In der neuen Rubrik Gadget-Zone testet die futurezone verschiedenste Geräte und Gimmicks – vom USB-Plattenspieler bis zum Metalldetektor. Den Anfang macht das Arnova 10, das mit einem Preis von 190 Euro eines der günstigsten Android-Tablets ist.

Arnova ist die chinesische Günstig-Marke des französischen Hersteller Archos. Das Arnova 10 (190 Euro) ist die Spar-Variante des Tablets Archos 101. Darum wird auch kein Geheimnis gemacht, wie der rückseitige Schriftzug „Desiged by Archos“ verrät. Der Formfaktor ist ident mit dem Archos 101. Die Verarbeitung ist, höflich ausgedrückt, dem Preis angepasst. Das Plastikgehäuse fühlt sich billig an und ist rutschig. Der Spalt zwischen den zwei Gehäusehälften an der rechten Seite kann mit den bloßen Fingern vergrößert werden, um einen Blick in die Eingeweide des Tablets zu erhaschen. Drückt man gegen die Rückseite, gibt es Bildstörungen am Display zu sehen und ein wenig Vertrauen erweckendes Knirschen ist zu hören. Auch der Rahmen direkt rund um das Display ist aus Plastik und selbst mit viel Fantasie kann die Marmorierung einem nicht Glauben machen, dass es sich dabei um gebürstetes Aluminium handelt.

Das Breitbild-Format des 10-Zoll-Tablets macht das Arnova 10 nicht gerade handlich. Zumindest das Gewicht ist mit 570 Gramm für ein Tablet durchaus annehmbar. Im Lieferumfang sind Stecker für das propietäre Ladegerät für Großbritannien und die USA inkludiert.

Arnova 10 Bilderstrecke

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Resistiver Touchscreen
Beim Arnova 10 wurde der Rotstift beim Display angesetzt. Zwar hat der 10-Zöller noch immer eine Auflösung von 1024x600 Pixel, ist aber nicht wie beim Archos 101 kapazitiv, sondern resistiv. Das heißt: träge Bedienung mit den Fingern und kein Multitouch. Dafür kann man aber mit einem Stylus (nicht enthalten) oder einen Plastik-Kugelschreiber (ohne Mine) den Touchscreen bedienen. Das ist sogar empfehlenswert, da man mit dem Finger relativ fest drücken muss, damit die Eingabe registriert wird. Auf physische Tasten an der Front wurde gänzlich verzichtet – lediglich am linken Gehäuse-Rand sind die Standby-Taste und Lautstärkenregelung untergebracht.

Die Bildqualität des Displays ist bescheiden. Bilder und Schriften sehen grieselig aus, der Betrachtungswinkel ist sehr klein und Farbintensität und Kontrast sind bestenfalls mittelmäßig.

Software
Als Betriebssystem nutzt das Arnova 10 die Android-Version 2.1. Die Tasten „Home“, „Zurück“ und „Menü“ sind als Buttons in der Status-Leiste untergebracht. Ebenfalls dort befinden sich noch Buttons für die Lautstärkenregelung, obwohl ohnehin physische Tasten dafür vorhanden sind.

Obwohl mit Android 2.1 eine veralterte Version des Smartphone-Betriebssystems installiert ist, scheint das Arnova 10 hoffnungslos damit überfordert zu sein. Es ruckelt immer: beim Scrollen auf Websites (Flash wird nicht unterstützt), beim Scrollen durch die Homescreens und beim Scrollen durch das App-Menü. Die Ladezeiten von Apps (diese ruckeln auch, sogar beim Wechseln der Seite in der E-Book-App) können, wie im Fall von Angry Birds, bis zu einer Minute betragen.

Eine Synchronisation mit dem Google-Konto ist nicht vorgesehen - weder für G-Mail, den Kontakten, oder dem Kalender. Es ist nicht einmal eine Kalender-App vorinstalliert. Um so eine zu erhalten, geht man aber nicht in den Android Market, den auch dieser fehlt. Stattdessen gibt es die „AppsLib“. Hier kommt man ganz ohne Google-Konto hinein und hat ein reduziertes Angebot an Apps, die großteils nicht für das Gerät angepasst sind. Die meisten Apps ruckeln so stark, dass Spiele unspielbar sind. Manche erfordern Multitouch, andere haben Darstellungsfehler und einige starten nicht oder verweigern die Installation.

Schmankerl am Rande: In AppsLib gibt es eine eigene Kategorie „18+ Adult Content“. Um Zugang zu erhalten, muss man sich aber auf der Arnova-Seite ein Konto erstellen. Mit diesem Konto kann man sich aber erst in die AppsLib einloggen, wenn es mit einem PayPal-Konto verknüpft ist.

Multimedia
Ein bisschen punkten kann das Arnova 10 mit seiner Funktion als Multimedia-Player. Die Lautstärke des Mono-Lautsprechers ist ausreichend und teilweise können sogar Videos in 720p (nur bis zu einer bestimmen Bitrate) ruckelfrei abgespielt werden. MP3s und Videodateien werden entweder per Drag-and-Drop auf dem 4GB internen Speicher abgelegt (von dem nur 2,4GB frei sind) oder auf einer MicroSD-Karte. Außerdem können USB-Sticks direkt am Tablet angesteckt werden, um Musik oder Videos von dort wiederzugeben. Eine YouTube-App ist nicht vorinstalliert und auch das Abspielen der Clips auf der mobilen Website des Videoportals funktioniert nicht. Wer als Ersatz eigene Videos drehen oder Fotos schießen will, kann das mit der frontseitigen VGA-Kamera.

Fazit
Man muss schon einigermaßen verzweifelt sein, um das Arnova 10 und nicht zumindest das etwa 70 Euro teurere Archos 101 zu kaufen. Das Arnova 10 bietet keinerlei Komfort, veralterte Software und nicht mal Zugang zum Android Market. Eine gewisse Existenzberechtigung hat es als Multimedia-Player. Man könnte etwa versuchen, es an der Rückseite des Vordersitzes im Auto zu montieren, um  Kinder während der Fahrt mit Serien oder Filmen zu unterhalten. Bei längeren Fahrten sollte ein Lade-Adapter für den Zigarettenanzünder dabei sein, denn nach gut vier Stunden ist der Akku leer.