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Kurztest
02/12/2014

BMW i3: Reichweitenangst im fahrenden Computer

Der vollelektrische BMW i3 konnte im Kurztest der futurezone durch Ausstattung und Motorenleistung überzeugen. Die Reichweitenangst wurde nicht überwunden.

von Florian Christof

Wie von der Plattform zur Förderung von Elektromobilität “Austrian Mobile Power” zu erfahren ist, sind auf Österreichs Straßen derzeit etwa 2070 rein elektrische Fahrzeuge unterwegs. Obwohl die Neuzulassungen kontinuierlich steigen, sind E-Autos noch kilometerweit vom Durchbruch entfernt. Der Fahrspaß ist aber durchaus gegeben, wie ein futurezone-Kurztest eines vollelektrischen BMW i3 zeigte, der der futurezone vom Linzer Software-Unternehmen Mindbreeze zur Verfügung gestellt wurde.

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Fahrgefühl

Da es kein wirklich wahrnehmbares Motorengeräusch gibt, muss man sich auf die Anzeige verlassen, wenn man wissen will, ob das Auto nun eingeschalten ist oder nicht. Diejenigen, die noch nie mit einem Elektrofahrzeug gefahren sind, kann dies gerade bei Stop-And-Go-Verkehr irritieren. Auch für andere Verkehrsteilnehmer ist es sehr ungewöhnlich, wenn plötzlich ein Auto, das sie gar nicht hören hinter ihnen steht oder sie von einem solchen überholt werden.

Fahrspaß

Mit einer Leistung von 125 kW und einem maximalen Drehmoment von 250 Nm braucht man kein Ampelduell zu scheuen: Von 0 auf 60 km/h schafft der BMW i3 in vier Sekunden. Das Faszinierende dabei ist die konstante Beschleunigung, die am ehesten mit einem äußerst leistungsstarken, lückenlosen Automatikgetriebe zu vergleichen ist.

Gerade im Stadtverkehr, beim Spurwechseln und vielen Haltephasen ist der Fahrspaß mit dem BMW i3 enorm. Aber auch auf Landstraßen, muss er sich nicht verstecken. Hier kann er seine Stärke vor allem bei Überholmanöver oder leichten Steigungen ausspielen. Obwohl der Aufbau recht hoch ist, kommt er selbst in engeren Kurven nicht ins Schunkeln.

Etwas gewöhnungsbedürftig ist die Brems-Rekuperation. Sobald man den Fuß vom Gaspedal – oder vielleicht besser gesagt dem Beschleunigungspedal – nimmt, rollt der i3 nicht aus, sondern bremst automatisch, um den Energie-Rücklauf zu maximieren. Selbst beim Bergabfahren, muss deshalb man etwas Gas geben, um voran zu kommen.

Reichweite

Auch wenn, wie eine Erhebung des VCÖ zeigt, nur zwei Drittel der Autofahrten kürzer als zehn Kilometer und 20 Prozent der Autofahrten kürzer als zwei Kilometer sind, wird der BMW i3 die Reichweitenangst, unter der das Image der Elektromobilität leidet, nicht entkräften können. Die Reichweite ist zwar für regelmäßiges Pendeln auf kurzen Distanzen oder im Stadtverkehr ausreichend, längere Strecken - wie etwa von Linz nach Wien (rund 180 Kilometer) - können kaum bewältigt werden. Im absolut effizientesten Modus können laut BMW maximal 190 Kilometer am Stück gefahren werden. Die mittlere Reichweite, die wohl eher der Realität entspricht, liegt demnach zwischen 130 und 160 Kilometern.

Um die Reichweite so gut wie möglich auszunützen, können drei verschiedene Fahrmodi gewählt werden. Im Eco Pro+ Modus ist bei einer Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h Schluss. Dafür lässt sich die maximale Reichweite etwas erhöhen. Beim Fahren selbst ist allerdings kein merkbarer Unterschied zwischen den verschiedenen Modi spürbar.

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Aufladen

Das Laden mit einer Haushaltssteckdose dauert etwa sechs bis acht Stunden. Die Ladedauer an der BMW-Ladestation, der so genannten BMW-Wallbox nimmt ungefähr drei bis sechs Stunden in Anspruch.

Für Schnellladen muss das dafür nötige Zubehör erstanden werden. Eine Gleichstrom-Schnellladung bei 125 Ampere und 50kW soll bereits nach 30 Minuten eine Akkuladung von 80 Prozent erreichen. In Linz konnte dies aber weder genutzt, noch überprüft werden, da derartige Schnellladestationen noch nicht verfügbar sind.

Design

Die Beurteilung des äußeren Erscheinungsbildes liegt natürlich im Auge des Betrachters, wobei sich beim BMW i3, ob der doch eher ungewöhnlichen Optik die Geister scheiden. Das Interieur ist schlicht, aufgeräumt und auf Mindestmaß reduziert. Am Armaturenbereich gibt es lediglich ein kleines Display, das Fahrgeschwindigkeit, Reichweite und Rekuperationsleistung anzeigt und sonstige, für das Fahren notwendige Informationen liefert. Die Mittelkonsole wird von einem großen Display dominiert, das zur Navigation, für Multimediainhalte und sonstige Einstellungen dient.

OnBoard – Online

Der Routenplaner berücksichtigt und kalkuliert alle möglichen Faktoren, die sich auf die Reichweite auswirken könnten. So werden etwa nicht nur persönlicher Fahrstil, sondern auch die aktuelle Verkehrslage, Straßenbeschaffenheiten und die topografische Gegebenheit in die Navigation eingerechnet. Das extra auf Elektromobilität ausgerichtete Navigationssystem ist zwar nett, aber in der Praxis relativ irrelevant, da wohl niemand auf die Idee kommen wird, ein Ziel auf den letzten fahrbaren Kilometer genau anzupeilen.

BMW ConnectedDrive und die iRemote-App für Smartphones konnten zwar nicht getestet werden, versprechen aber besonders interaktive und nützliche Features. Die integrierte SIM-Karte ermöglicht zudem eine ständige Datenverbindung, die dem Empfang am Mobiltelefon gleichkommt. Die Kosten dafür belaufen sich auf etwa 90 Euro pro Jahr.

Die Suchlösung im Auto

Beim Test-BMW i3, der von Mindbreeze als Poolcar genutzt wird, wurde die Unternehmenssuche von Mindbreeze – die InSpire Search Appliance – direkt in die BMW-App-Infrastruktur integriert. Die Integration in die bestehende BMW-Software ConnectDrive wurde mit einer Web-App umgesetzt, die sich automatisch an die Displaygröße der Endgeräte anpasst.

So kann etwa das Navigationssystem die Adresse des nächsten Geschäftstermins von der Mindbreeze-Suchlösung übernehmen. Auch am Weg zu einem Termin, liefert die Unternehemenssuche relevante Informationen – Mails, bisherige Termine etc. – zum jeweiligen Geschäftspartner am Informationsdashboard. Der Anwender ist dabei stets durch Benutzernamen, Passwort sowie Mobiel-PIN authentifiziert. Auch die jeweiligen Berechtigungen des Anwenders werden berücksichtigt.

Fazit

Wer Elektrofahrzeuge wie den BMW i3 mit “normalen” Autos vergleicht, wird vermutlich zu einem verfälschten Schluss kommen. Das wäre wohl so, als würde man Hubschrauber mit Flugzeugen vergleichen. Damit Elektrofahrzeuge ihr Potential entfalten können, sind neue Mobiltätskonzepte nötig, die völlig andere Voraussetzungen erfüllen: Beispielsweise muss sich die Ladeinfrastruktur erst entwickeln und vor allem muss die allgemeine Intermodalität des Verkehrs – in die Elektrofahrzeuge eingebettet werden könnten – nahtlos funktionieren.

Klar ist, dass der BMW i3 inklusive umfassender Sonderausstattung mit seinem rund 50.000 Euro hohem Preis (Basispreis: 35.700 Euro) ein sehr teurer Spaß ist, den sich wohl nur eine Hand voll Idealisten leisten werden. Klar ist auch, dass Antriebs-, Akku- und Ladetechnik noch verbessert und effizienter werden müssen. Bis dahin bleibt der BMW i3 ein Konzeptauto mit Serienstatus, der das Potential moderner Elektrofahrzeugen erahnen lässt.