Per App-Support soll die Carrera-Bahn smart werden

© Gregor Gruber

Slotcar
05/03/2015

Carrera 132 Race Party: Wieder Kind sein mit App-Support

Carrera will seine Rennbahnen per App smart machen. Die futurezone hat das 450 Euro teure Carrera Digital 132 Race Party-Set getestet.

von Gregor Gruber

Einige vor den 2000er-Jahren Geborenen werden sofort nostalgisch, wenn sie die markanten, schwarzen Schienen mit den silbernen Fahrspuren sehen. Andere fragen sich was die Faszination Slotcar-Racing wohl ausmacht, da sie als Kind nicht in den Genuss einer eigenen Carrera-Bahn gekommen sind.

Wer sich wieder als Kind fühlen oder verpasste Kindheitserinnerungen nachholen will, bekommt mit dem Carrera Digital 132 Race Party-Set ein Paket, das die aktuellen Carrera-Technologien vereint. Dazu gehört auch eine Bluetooth-Schnittstelle und die passende App. Die futurezone hat das Race Party-Set getestet.

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Nichts für Frauen und Kinder

Carrera macht mit dem Foto auf der Verpackung deutlich, für wen das 450 Euro teure Set gedacht ist: Die kaufkräftige, männliche Zielgruppe im Alter zwischen 30 und 40 Jahren. Frauen und Kinder sind bei der Race Party wohl unerwünscht. Zumindest die Altersempfehlung auf der Verpackung mit 8+ legt nahe, dass auch jüngere und ältere Rennbegeisterte beider Geschlechter Carrera spielen dürfen.

Egal welcher Altersgruppe oder welchem Geschlecht man sich zugehörig fühlt: Die Beschreibung ist nur rudimentär und die Grafiken zum Streckenaufbau nicht immer aussagekräftig. Gerade für Carrera-Neulinge aber auch Nutzer, die nur das alte, analoge System kennen, wäre eine ausführlichere Beschreibung mit besseren Bildern sinnvoll.

Lieferumfang

Das 450 Euro teure Set besteht aus Standard-Geraden und -Kurven, um eine Strecke mit acht Metern Länge zu bauen. Die sechs Leitplanken in den verschiedenen Längen sind praktisch, da sie tatsächlich weite Ausritte aus der Strecke vermeiden können. Die Rennwagen hinterlassen Schrammen in Lackfarbe auf den Leitplanken, was für einen authentischen Used-Look sorgt. Auch Stützen sind enthalten, um Steilkurven oder eine Überführung zu bauen.

Die drei Autos im Maßstab 1:32 sind detailliert und sehen fast zu gut aus, um sie mit Karacho aus der Kurve fetzen zu lassen. Im Test haben sich schon nach wenigen Runden Seitenspiegel und Heckspoiler bei den Crashes gelöst. Immerhin sind im Lieferumfang ein paar Ersatzspiegel inkludiert, falls mal einer verloren geht. Ein nettes Detail sind die leuchtenden Scheinwerfer und Bremslichter, die auf Wunsch auch per Controller abgeschaltet werden können.

Neben drei kabellosen Controllern mit Akkus und Ladestation sind noch das Appconnect-Bluetooth-Modul und ein Pokal in der Form eines goldfarbenen Controllers enthalten. Im Gegensatz zu den liebevoll modellierten Autos ist der Plastik-Pokal nicht besonders ansehnlich.

Ausbaufähig

Da eine Party mit nur drei Teilnehmer etwas traurig ist, muss man noch in den Ausbau des Sets investieren, um mehr Personen gleichzeitig zu bespaßen. Das Carrera-Digital-132-System unterstützt bis zu sechs Spieler. Es reicht nicht nur zusätzliche Autos zu kaufen. Denn es ist nicht möglich das Smartphone per Appconnect als Controller zu nutzen, auch wenn es wünschenswert gewesen wäre. Aktuelle Automodelle gibt es ab 60 Euro, ein Wireless Controller kostet 55 Euro.

Wenn man schon dabei ist, sollte man auch gleich ein Schienen-Set mit Weichen (es passen die 124-Schienen, ab 48 Euro) bestellen. Denn beim 132-System kann durch das Gedrückt halten der vorderen Taste am Controller die Spur bei Weichen gewechselt werden.

Je mehr Schienenteile dazu kommen, desto höher ist die Gefahr, dass am Ende die Länge nicht passt, die Strecke zu sehr unter Spannung steht und deshalb unschöne Lücken entstehen, die die Autos bremsen können. Wer das verhindern will, kann noch extra kurze Schienenteile dazukaufen.

Das 132-System beherrscht auch Boxenstopps und einstellbaren Tankinhalt für die Fahrzeuge. Die optional erhältliche Box kostet 85 Euro. Will man also zu sechst um die Wette fahren und alle Funktionen des digitalen 132-Systems nutzen, muss man, inklusive des Party-Sets, über 900 Euro investieren.

Instabile App

Die App ermöglicht es die Rolle als Rennleitung und als Fahrer einzunehmen – in naher Zukunft. Die Fahrer-Funktion ist noch nicht freigeschaltet. Als Rennleitung kann man die Geschwindigkeit und Bremskraft der einzelnen oder aller Fahrzeuge in zehn Stufen einstellen, sowie die Treibstoff-Funktion einstellen. Das ist um einiges bequemer als über die Basis-Station, deren visuelle Anzeigefähigkeiten auf fünf rote Lamperl beschränkt sind. Je höher die eingestellte Geschwindigkeit, desto gefühlvoller muss man mit dem Daumenknopf am Controller Gas geben.

Die App (getestet auf einem Android-Tablet und –Smartphone) ist instabil und stürzt oft ab – oft schon beim Auswählen des Rennleitungs-Profil, aber gelegentlich auch bei allen anderen was man in der App macht. Rennen ließen sich manchmal gar nicht starten, bis die App neu gestartet wurde. Wird das Smartphone oder Tablet kurz für etwas anderes verwendet, schließt sich die App automatisch. Ist die App geschlossen, sind auch alle zuvor getätigten Einstellungen verloren.

Hat man es einmal geschafft mit der App ein Rennen zu starten, auf Wunsch auch mit nervigen Renn-Atmosphäre-Hintergrundgeräuschen, werden die Rundenzeiten der Teilnehmer angezeigt. Nach einigen, unausweichlichen Crashes, kommt die App beim Rundenzählen durcheinander. Im Test hatte jeder der drei Teilnehmer schon über 15 Runden zurückgelegt, laut App war das auf sechs Runden eingestellte Rennen aber noch nicht beendet.

Im Trainingsmodus kann man versuchen möglichst schnelle Rundenzeiten hinzulegen. Man sieht aber immer nur die aktuelle Rundenzeit und kann nicht im Nachhinein die gefahrenen Rundenzeiten ansehen.

Spaß mit Zwangspausen

Egal ob mit oder ohne App: Carrerabahn-fahren macht immer noch Spaß. Auch das vorige Konzeptionieren und Aufbauen der Strecke ist unterhaltsam, abgesehen von dem Ärger, wenn sich der Traum-Track um ein paar Zentimeter Schienenlänge nicht ausgeht. Wenn man sich schon das digitale 132-System gönnt, sollte man unbedingt auch Weichenteile dazukaufen. Die so möglichen Überholmanöver sorgen für mehr Spannung, Chaos, Crashes und die damit verbundene Belustigung.

Ein Spaßkiller sind allerdings die Zwangspausen. Crashes und das Neuaufsetzen der Autos auf die Strecke lassen manchmal die Steuerung streiken. Das Auto fährt dann von alleine oder ein Controller steuert mehrere Autos gleichzeitig.

Im futurezone-Test war es üblicherweise alle drei bis fünf Minuten so weit, dass nach einem Crash die Steuerung eines Fahrers nicht mehr reagierte. In diesem Fall hilft es nur das Rennen vorzeitig zu beenden und alle Autos und Controller noch einmal neu zu verbinden. Das ist zwar in einer halben Minute erledigt, lästig ist es aber trotzdem.

Fazit

Bei fast jeder schönen Kindheitserinnerung an Carrera schwingt auch ein wenig der Frust mit, wenn Teile verbogen waren, die Schienen nicht ganz zusammengepasst haben oder die Steuerung nicht mehr reagierte. Leider lassen sich diese Probleme auch nicht mit der digitalen Version und einem 450 Euro teuren Party-Set nicht gänzlich beheben. Auch die App ist zum derzeitigen Zeitpunkt nur mäßig sinnvoll nutzbar und frustriert durch die vielen Abstürze.

Aufgrund des hohen Preises des Sets und der optionalen Ausbauteile erwartet man sich eigentlich, dass alles so funktioniert wie es sollte. Wenn das Rennen mal läuft macht es wirklich Spaß. Im futurezone-Test sorgte es quer durch alle Altersklassen und Geschlechter für Begeisterung – bis zu dem Moment, als zum vierten oder fünften Mal innerhalb von 20 Minuten die Autos neu mit den Controllern verbunden werden mussten.