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22.01.2015

Chili: "Wir wollen nicht so groß wie Netflix werden"

Der italienische Video-on-Demand-Anbieter ist ab sofort auch in Österreich verfügbar. Der Dienst sieht Österreich als Sprungbrett für den europäischen Markt.

Der österreichische Video-on-Demand-Markt ist um einen Anbieter reicher. Das italienische Unternehmen Chili ist ab sofort auch in Österreich verfügbar. Chili wurde 2012 in Italien gegründet und war bislang nur auf seinem Heimatmarkt tätig. Österreich und Polen sind nun die ersten Expansionsziele, Deutschland und Großbritannien sollen im April oder Mai folgen. Wie Flimmit versucht Chili mit dem Heimatfaktor zu punkten. "Die Big Player in Europa sind alle aus den USA. Wir glauben, dass es eine europäischen Anbieter braucht", so Stefano Parisi, Gründer und Präsident von Chili.

Zurzeit ist die Bibliothek von Chili aber noch mit Hollywood-Blockbustern gefüllt, die italienische Herkunft lässt sich nur über eine eigene Kategorie "Bella Italia" mit 61 italienischen Filmen erahnen. Das Angebot soll bis zum Ende des Jahres auf 3000 Filme sowie 2000 TV-Serien anwachsen, die Preise reichen, je nach Qualität und ob man den Film ausleiht oder kauft, von drei bis 14 Euro. Derzeit kann per Kreditkarte und PayPal bezahlt werden, in den nächsten Monaten soll auch die Zahlung per Bankkonto möglich sein. Zum Start sollen alle Inhalte vorerst nur in Deutsch oder mit Untertiteln in anderen Sprachen angeboten werden, in den nächsten Monaten soll auch der Originalton bei zahlreichen Titeln verfügbar sein.

Alle Plattformen unterstützt

Ein Video kann auf bis zu fünf verschiedenen Geräten angesehen werden, beim Ausleihen bleiben dem Benutzer 28 Tage. Hat man den Film oder die Serie das erste Mal gestartet, kann sie binnen 48 Stunden beliebig oft angesehen werden. Die Plattform kann sowohl im Browser als auch per App genutzt werden. Derzeit sind Android- und iOS-Apps in Österreich verfügbar, eine Windows-Phone-App soll schon bald folgen. Auch Googles Streaming-Stick Chromecast wird unterstützt. Smart-TV-Apps sind vorerst nur für Geräte von Samsung und Toshiba verfügbar, Apps für LG, Philips, Panasonic, Sony und HiSense sollen schon bald folgen. Zudem wird eine App in Amazons App Store für Kindle Fire-Tablets veröffentlicht.

Filme fürs Tanken

In Italien liegt man derzeit mit 20 Prozent Marktanteil sowie 400.000 Kunden auf Platz Zwei, für Österreich steckt man sich zum Start noch eher verhaltenere Ziele. "Wir wollen nicht so groß wie Netflix werden, bereits zehn Prozent wären gut", meint Parisi. "Der Markt hier steht erst am Anfang, in Österreich gibt es noch viel Potential." Vor allem die hohe Verbreitung von Smart TVs und Breitbandanschlüssen machen Österreich laut Parisi interessant.

Die besten Netflix-Alternativen im Vergleich

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In Italien fiel Chili vor allem durch Kooperationen mit Unternehmen wie Barilla, Eni oder McDonalds auf. So erhielt man beispielsweise beim Kauf von zwei Packungen Pasta oder 30 Liter Benzin einen Gutscheincode für einen Film. Ein Modell, das Parisi zufolge auch in Österreich möglich wäre. Mit Samsung ist bereits ein Bundle geplant, beim Kauf eines Tablets soll ein 100-Euro-Guthaben für Chili beigelegt werden. Zum Start von Chili erhalten Neukunden zudem einen kostenlosen Film.

Unterstützung für VAP

Scharfe Töne schlägt Parisi vor allem gegenüber illegalen Downloads an. Das Unternehmen unterstützt in Österreich den Verein für Antipiraterie (VAP) und ist in Italien Mitglied des FAPAV (Federation for the Protection of Audiovisiual and Multimedia Content), das in Italien die Interessen zahlreicher Filmstudios vertritt. Mit Angeboten wie Chili wolle man illegale Downloads verhindern und eine Alternative bieten.

Dementsprechend sind auch die Inhalte auf Chili mit einem Kopierschutz versehen, in der App und auf dem PC können sie jedoch heruntergeladen und auch ohne Internetverbindung angesehen werden. Probleme scheint es aufgrund des Kopierschutzes mit gerooteten Android-Geräten zu geben. Zudem kann man im Ausland nicht auf in Österreich gekaufte Videos zugreifen. Heruntergeladene Inhalte können weltweit konsumiert werden.

Abo eher unwahrscheinlich

Für die Zukunft will man nichts ausschließen, auch nicht die Produktion eigener Inhalte oder ein Abo-Modell. Derzeit passen diese beiden Aspekte jedoch nicht in das Geschäftsmodell von Chili, wie Parisi betont. Gegen ein Abo-Modell spreche auch das Kaufverhalten der Kunden, die aktuelle Hollywood-Filme bevorzugen würden. Flatrate-Angebote wie Netflix könnten hingegen nur ältere Inhalte bieten, zumindest in Europa. Realistischer erscheint ein möglicher Börsengang in naher Zukunft. Das Unternehmen steht derzeit im Besitz des Private-Equity-Fonds Antares sowie von Gründer Stefano Parisi. Auch 4K-Streams mit bis zu 15 Mbps sollen in den nächsten Monaten verfügbar sein, die aktuellen "HD+"-Streams in 1080i benötigen eine Bandbreite von 6,5 Mbps.