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09.01.2014

Das Ende der Flat-TVs

Die Zeit der flachen Bildschirme ist vorbei, künftig werden Flat-TVs zwar noch dünn, aber gebogen sein oder sich biegen lassen. "Curved" ist das neue Modewort der TV-Branche.

Es gab einmal die Röhren-Fernseher, dick und fett hatten sie einen Stammplatz in den Wohnzimmern und dort mindestens ein bis eineinhalb Kubikmeter beansprucht. Dann kamen die Flat-TVs, die anfangs noch gar nicht so flach waren und mitunter sogar 15 Zentimeter dick waren. Kaum haben wir uns an die wirklich flachen TV-Geräte gewöhnt - die dünnsten sind, rechnet man den Teil des Standfußes, integrierten Lautsprechers und der Module weg – gar nur noch wenige Millimeter dünn. An der Dicke/Dünne wird sich auch nichts ändern, doch die Zukunft gehört den Kurven, „es werden künftig die meisten Modelle gebogen sein“, sagt der TV-Chef von Samsung Österreich, Gerald Reitmayr. Nur bei den kleineren Diagonalen – 32 Zoll und darunter – machen die Kurven keinen Sinn.

Flat-TV mit Kurvenlage

„Curved“, also gebogen, ist das neue Modewort der Fernsehbranche, von Samsung über LG bis zu Hisense, Sony und TCL haben die Hersteller gebogene Modelle im Programm und auf der CES vorgestellt. Den ersten Curved gab es bereits 2013 zu sehen, nämlich auf Basis der OLED-Technologie (Organic Light Emitting Diode); diese Modelle fielen aber nicht nur ob ihres Designs, sondern auch punkto Preis auf, kosteten/kosten sie doch 7000 Euro aufwärts. Curved-Modelle auf LCD-Basis und Ultra HD, also mit vierfacher FullHD-Auflösung, sind dagegen günstiger. Ein 55-Zoll-Curved UHD wird etwa 2.500 Euro kosten – mit der Tendenz nach unten.

Auf die Krümmung kommt es an

Von der Biegung her ist man derzeit bei einem Radius von 4,2 Metern, sprich, der Flat-TV wäre der Ausschnitt eines gedachten Kreises mit 8,4 Metern Durchmesser. Man wird die Curved-Modelle vermutlich noch mehr biegen können; wie weit, das wird derzeit getestet. Erstens, ob es produktionstechnisch möglich ist und zweitens, welche Winkel für Konsumenten noch interessant und angenehm sind. Bei Curved-Modellen muss man richtig sitzen, nämlich ziemlich im Zentrum eines gedachten Kreises, von dem der TV ein Ausschnitt ist.

„Kurven machen bei großen Diagonalen Sinn“, sagt Reitmayr. Samsung Europa Marketing-Direktor Michael Zöller ergänzt: „Tatsache ist, dass ein Objekt auf einem gebogenen Screen für das Auge schärfer erscheint“. Weil der Abstand zwischen dem Auge und dem Objekt, wenn es sich etwa von der linken zur rechten Seite des Bildschirms bewegt, gleich bleibt. Tiefer in das Bild einzutauchen, könne bei Filmen genauso von Vorteil sein wie bei Spielen, wo der TV zu einer regelrechten Konsole werden kann.

Kein Kopfschwenken

„Zudem muß vor allem bei großen Bildschirmen nicht mehr der Kopf nach links oder rechts geschwenkt werden, wenn man ein TV-Bild verfolgt“, erklärt ein Techniker am Hisense-Stand. Sitzt man weiter hinten, kommt der räumliche Effekt weniger zur Geltung, der TV kann sogar kleiner erscheinen. Seitliche Sitzpositionen sind nicht mehr so optimal. Sitzt man hingegen vorne, wir der Eindruck vom Bild dreidimensionaler.

Design-Statement

„Für uns war es anfangs ein Design-Statement, mit dem wir auch ausdrücken wollen, dass wir es können“, sagt Samsung-Direktor Michael Zöller. Dass dieses Design Vorteile hat, hat man Konsumentenbefragungen zu verdanken. Umfragen in den USA und Deutschland hätten ergeben, dass 80 Prozent der Konsumenten der Meinung sind, dass ein gebogener Bildschirm ein besseres TV-Erlebnis vermittle. „Die Konsumenten, die selbst solche Geräte besitzen bzw. getestet haben, sind sogar bereit, bis zu 200 Euro mehr für das TV-Gerät zu zahlen“, so Samsung-Österreich-Chef Reitmayr.

Teure OLED-Kurven

Auch bei OLED-TVs wird man sich weiterhin auf die Kurven konzentrieren, allerdings werden sie wohl mindestens zwei Jahre etwa das Dreifache kosten wie Ultra High Definition Bildschirme. Ob sich OLED-TVs durchsetzen, ist auch eine Frage – derzeit werden die Modelle ob des hohen Preises in sehr kleinen Stückzahlen verkauft, allerdings könnten sie in etwa vier Jahren billiger werden, wenn OLED-Displays in einem Sprühverfahren gefertigt werden können.

Biegbare Flat-TVs

Da aber nicht alle Konsumenten Curved-Modelle bevorzugen werden, gibt es seit der CES auch Bended-Modelle, biegsame Flat-TVs, die auf Knopfdruck in einen Curved verwandelt werden können. Neben Samsung hat auch LG einen solchen vorgestellt und zu Veranschaulichungszwecken auf dem TV-Podest Winkel eingezeichnet. Beim LG-Bended handelte es sich aber um einen (sau)teuren OLED-TV. Innerhalb weniger Sekunden wird aus dem Flachmann ein gebogener Bildschirm. Die Bended-Funktion sei für Familien gedacht, in denen Familienmitglied A lieber gebogen fernsieht und Familienmitglied B einen geraden Flat-TV bevorzugt. Die Bended-Funktion könnte allerdings auch zu einer Standardfunktion werden – im Fernsehmodus ist der TV gebogen, im Ruhe-Modus legt er sich flach an die Wand.

Im Dauertest

Getestet werden die Bended-Modelle im übrigen wie der bekannte Ikea-Sessel im Acrylglasgehäuse, bei dem eine Maschine das Niedersetzen simuliert und den Sessel nach unten drückt. Beim Banded wird der TV laufend nach vorne und hinten gebogen.