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25.11.2013

Dead Rising 3 im Test: Zombies bis zum Horizont

Der Xbox One Launchtitel ist einer der grafisch unspektakulärsten, zeigt aber dennoch, was in der Next-Gen-Konsole steckt: unzählige Untote.

Mit Dead Rising 3 (ab 18 Jahren, 65 Euro) ist ein Exklusiv-Titel zum Xbox One Launch verfügbar, mit dem wahrscheinlich nicht viele gerechnet haben. Der Vorgänger erschien 2010 für PS3, Xbox 360 und PC und traf aufgrund des hohen Schwierigkeitsgrades und konstanten Zeitlimits nicht jedermanns Geschmack – obwohl das Gameplay und Setting voll im Zombie-Zeitgeist lag.

Dead Rising 3 macht vieles, wenn nicht sogar fast alles, besser. Und trotz der vielen Klamauk-Elemente ist es eines der besten Zombie-Videospiele, weil es den Grundgedanken der Untoten-Apokalypse perfekt umsetzt: viele, viele, viele Zombies.

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Zombie-Stau am Highway

Der Spieler schlüpft in die Rolle von Nick Ramos, der mit ein paar anderen Menschen versucht aus Los Perdidos zu flüchten. Die fiktive Stadt, die von Los Angeles inspiriert wurde, steht unter Quarantäne, da eine Zombieseuche ausgebrochen ist.

Im Gegensatz zu anderen Zombiespielen sind es hier aber nicht nur ein, zwei oder zehn Zombies, die die Straßen bevölkern, sondern Hunderte. Klettert man auf das Dach eines Lkw am Highway, sieht man einen regelrechten Zombiestau, soweit die Straße reicht. Und dabei handelt es sich nicht um animierte Hintergründe, sondern Horden, die aus einzelnen Zombies gebildet sind.

Aber nicht nur am Highway, auch in den Straßenzügen gibt es immer wieder Engstellen, an denen sich so viele Zombies angesammelt haben, dass Nick kaum bis gar nicht durchlaufen könnte, ohne in Berührung mit einem Untoten zu kommen.

Mitten durch

Aber warum durchlaufen, wenn man durchfahren kann? In der Stadt finden sich immer wieder Vehikel, in die man einsteigen kann, bzw. sogar muss, um das Meer von Zombies zu durchqueren. Neben Motorrädern, Pkw und Vans steht etwa auch eine Dampfwalze zur Verfügung.

Trotz des Arcade-lastigen Gameplays haben die Fahrzeuge verschiedene Vor- und Nachteile. Eine Dampfwalze kommt zwar problemlos durch die Masse von untotem Fleisch, ist aber so langsam, dass sich viele Zombies seitlich anhängen und versuchen Nick zu fassen zu kriegen. Ein Sportwagen ist schnell, bleibt aber leichter in der rottenden Menge stecken.

Im späteren Spielverlauf kann man Pläne freischalten und finden, mit denen zwei Fahrzeuge kombiniert werden können. So entsteht etwa ein Dampfwalzen-Motorrad mit Flammenwerfer oder ein Gabelstapler der Zombies aufspießt und Feuerwerksraketen verschießt.

Hacken, schießen, sprengen

Das Durch- und Überfahren von Zombies ist nur der halbe Überlebungskampf. Die meiste Zeit ist Nick zu Fuß unterwegs. Dafür steht ihm ein riesiges Arsenal von Waffen zur Verfügung – von Kleiderhaken und Kartonkisten bis zu Computer-Tastaturen und Teddy-Bären.

Natürlich findet man auch brauchbarere Waffen, die überall in der Stadt verstreut sind, wie Äxte, Schwerter, Kettensägen und die üblichen Schusswaffen. Die wirklich guten Waffen müssen aus zwei Gegenständen kombiniert werden. Ein Motorrad-Motor und ein Boxhandschuh ergibt etwa einen Super-Handschuh, mit dem man Ryus Uppercut aus Street Fighter, samt „Shoryuken!“-Ausruf, machen kann. Neben völlig abgedrehten Kreationen, wie Roboter-Katzen und Maschinengewehr-Stofftiere, gibt es dann auch noch traditionelles, wie eine Armbrust mit explodierenden Pfeilen oder ein Feuerschwert.

Die Zombies werden mit Kombinationen aus der X- (leichter Schlag) und Y-Taste (schwerer Schlag) bekämpft. Je nach Waffe und Angriff werden sie horizontal oder vertikal geteilt, verlieren Köpfe oder Beine, werden ihnen Teile aus dem Torso rausgeprügelt, explodieren oder verbrennen.

Upgrades

Auch wenn man seine Lieblingswaffen gefunden hat, macht es immer Spaß neu gefundene Utensilien zu testen. Außerdem muss man wechseln, da die Waffen nur eine begrenzte Haltbarkeit haben und relativ schnell kaputt werden.

Damit Waffen länger halten, kann man Fähigkeiten verbessern. Getötete Zombies, Sammelgegenstände und erfüllte Missionen bringen Punkte. Punkte ergeben ein Level Up und ein Level Up wiederum Aufrüstpunkte, die in Fähigkeiten investiert werden. Dazu gehören Nahkampf, Gesundheit, Gewandtheit, Intelligenz und das Freischalten von neuen Bauplänen für Fahrzeuge und Waffen.

Schwierigkeitsgrad

Dead Rising 3 in zwar einfacher als der Vorgänger, aber kein Spaziergang. Einzelne Gegner sind meist kein Problem – eine Horde schon. Besonders wenn es im Spiel Nacht wird, da die Zombies dann stärker und gefährlicher sind (und rot leuchtende Augen haben).

Man kann sich zwar todesmutig in das Meer der Zombies stürzen und ordentlich Schaden anrichten. Doch die Untoten sind geduldig: Sie sterben zwar schnell, aber kommen langsam immer wieder nach – man kann ein Gebiet nicht Zombiefrei machen. Irgendwann geht dann die Waffe kaputt und die Gesundheit zu neige, denn im Kampf in der Menge steckt man immer wieder den ein oder anderen Schlag und Biss ein.

Dann wird es hektisch, weil man die Flucht ergreifen muss und nur mit Händen und Füßen versucht sich den Weg zu einem verbeulten Taxi durchzuschlagen, um damit abzuhauen. Selbst wenn man erwischt wird, ist es keine so große Tragödie, da man diesmal zu jedem Zeitpunkt speichern kann und es automatische Speicherpunkte gibt. Wem das zu einfach ist, der kann sich an dem Albtraum-Modus mit höherem Schwierigkeitsgrad und Speichern nur an bestimmten Punkten versuchen.

Das aus dem Vorgänger bekannte ständige Zeitlimit zum drohendem Game Over wurde verworfen. Lediglich für das Erreichen von Überlebenden und den Psychos gibt es Zeitlimits – diese sind aber großzügig ausgelegt und die Missionen optional. Im Albtraum-Modus sieht das anders aus: Hier wird gegen Zombies und die Zeit gekämpft.

Klein aber fein

Die Größe von Los Perdidos kann nicht mal annähernd mit der Städtegrößen der GTA-Reihe mithalten. Um das Durchqueren künstlich in die Länge zu ziehen, gibt es immer wieder Straßenblockaden, die umfahren werden müssen.

Ärgerlich ist, dass es keine Turn-by-Turn Navigation zum Ziel gibt und die Karte ungenau und schwer zu lesen ist. Das Problem hat man auch zu Fuß. Die Karte unterscheidet nicht nach Ebenen und die Platzierung der Icons, etwa für einen Sammelgegenstand oder einen neuen Bauplan, ist so ungenau, dass man nicht erkennt, ob das Item im Haus ist oder am Dach des Nachbargebäudes.

Trotz der kleinen Stadt gibt es immer wieder was zu entdecken, da es etliche begehbare Gebäude gibt. So kommt man in eine Polizeiwache, Waffengeschäfte, zu Autohändlern, Restaurants, eine Box-Trainingshalle und andere Orte, die zwar nichts mit der Hauptstory zu tun haben, aber einfach da sind. Dann kommt man etwa an einem umgestürzten Gefängnisbus vorbei, rund um den passenderweise Sträflings-Zombies sind.

Zwischen Heulsuse und Wahnsinn

Dead Rising 3 hat eine gespaltene Persönlichkeit. In Zwischensequenzen ist Nick der freundliche Held, der fast losheult, weil er einen Menschen getötet hat – nachdem er im Einführungskapitel etwa 1000 Zombies plattgemacht hat. Im nächsten Moment führt man einen der fünf optionale Boss-Kämpfe gegen einen der absurden Psychos, während man Strapse mit Cowboy-Stiefeln und einen Ritterhelm trägt.

Natürlich könnte man als Spieler die Fantasiewaffen ablehnen und in den Kleidergeschäften der Stadt nicht die Frauenabteilungen plündern, um eine gewisse Ernsthaftigkeit aufrecht zu erhalten, aber wo bleibt dann der Spaß? Und wie könnte man ernst bleiben, wenn man im Smoking mit einem Tennisschläger bewaffnet, brennende Bälle auf Feuerwehr-Zombies schießt?

Nicht allein

Abgesehen von den Psychos gibt es noch andere Menschen in der Stadt, die einem ans Leder wollen. Dazu gehören überforderte Soldaten und Banden, die nicht nur die Zombies sondern auch Nick angreifen. Es gibt auch freundlichere Zeitgenossen. Manche sind einfach in der Stadt verteilt und benötigen Hilfe. Besiegt man die Zombies , von denen sie bedroht werden, gibt es Bonuspunkte.

Andere Überlebende sind ein bisschen anspruchsvoller. Hat man sie gefunden, wollen sie meist, dass man bestimmte Gegenstände für die holt. Hat man das erledigt, schließen sie sich dem Spieler an und folgen ihm – auch zu Boss-Kämpfen. Um ihre Schlagkraft zu erhöhen, kann man ihnen noch Waffen in die Hand drücken.

Gegen vereinzelte Zombies sind sie noch durchaus nützlich, in Boss-Kämpfen und hektischen Situationen stehen sie jedoch oft im Weg, blockieren Zugänge oder verhindern das Aufheben von Gegenständen. Man kann die Begleiter in einem Safe House abliefern und sie bei Bedarf später wieder holen – oder einfach von den Zombies fressen lassen. Dann sind sie aber für immer weg und tauchen nicht mehr auf.

Weit mehr Sinn und Spaß macht der Coop-Modus. Nach dem Einführungs-Kapitel kann das gesamte Spiel zu zweit online gespielt werden, der Spielstand wird nahtlos mit dem Singleplayer-Modus synchronisiert. Zu zweit machen auch die kombinierten Fahrzeuge mehr Spaß, da viele davon Geschütztürme haben, die der zweite Spieler bedient.

Halb Next Gen

Die Grafik kann nicht beeindrucken wie die der Launch-Titel Ryse und Forza 5, sieht aber zumindest besser als die von Dead Rising 2 aus. Die Leistung der Xbox One wird hauptsächlich genutzt, um die Masse an Zombies darzustellen.

Gänzlich flüssig läuft das nicht. Bei großen Horden, in denen Explosionen stattfinden, kann die Framerate schon mal runtergehen. Einerseits ist das für ein einen Next-Gen-Exklusiv-Titel nicht sehr rühmlich, andererseits konnte bisher kein anderes Konsolen-Spiel so viele Gegner gleichzeitig in dieser Qualität darstellen.

Die Kinect-Unterstützung ist mäßig umgesetzt. Wird man vom Zombie gepackt, schüttelt man den Controller um ihn loszuwerden, was relativ zuverlässig funktioniert. Der Controller hat keine Bewegungssensoren, wird aber aufgrund seiner Infrarotschnittstelle von Kinect im Raum geortet.

Sprachkommandos werden nur selten erkannt und spielt man mit einer Surround-Anlage in normaler Lautstärke, werden falsche Befehle ausgeführt. Im Test wurde das Spiel mehrmals ungewollt pausiert. Die Sprache und das Controller-Schütteln lassen sich getrennt voneinander in den Einstellungen deaktivieren.

Fazit

Für Zombieholics der alten Schule hätte Dead Rising 3 ein Xbox One System Seller sein können, wenn die Performance besser wäre und eine klarere Linie zwischen Ernst und Klamauk gezogen würde. Kann man sich mit den Untoten halbwegs anfreunden und hat schon eine Xbox One gekauft oder auf der Wunschliste, stehen mit Dead Rising 3 gut 20 Stunden Zombie-Klopfen bevor.

Das Spiel macht Spaß und bietet eine gute Mischung aus Open-World-Just-for-Fun-Zombie-Chaos und Kampf-ums-Überleben-Stress. Durch den Albtraum- und Coop-Modus, sowie die vielen, sammelbaren Kombinationswaffen und Outfits, ist auch die Wiederspielbarkeit gegeben.