© Gregor Gruber

Movie to go
05/09/2012

Digiboo: Film-Download-Automat im Test

Das Start-up Digiboo stellt Download-Automaten in Flughäfen auf, über die Passagiere Filme mieten oder kaufen können – vorausgesetzt, sie haben einen USB-Stick bei der Hand. Die futurezone hat das Angebot im Flughafen von Seattle getestet.

von Gregor Gruber

Mittlerweile wird so ziemlich alles in Automaten angeboten. Während die "Getragene-Höschen"-Automaten in Japan nur wenig Nutzen für Reisende haben, machen die Automaten der Elektronikhandelskette Best Buy an Flughäfen in den USA schon mehr Sinn. Sie enthalten etwa iPods und Kopfhörer. Mit einem iPod ohne Inhalte wird der Flug aber nicht unterhaltsamer. Diesem Problem nimmt sich Digiboo an und bietet Filme in digitalen Kiosken an. Das Start-up hat derzeit an drei Flughäfen in den USA - Seattle, Portland und Minneapolis  - ein Pilotprojekt laufen. Die Testphase läuft noch bis Ende Mai. Danach soll das System angepasst und in weiteren Flughäfen aufgestellt werden. Digiboos Ziel ist, pro Monat 100 Automaten auszuliefern, bis die ganze USA versorgt ist.

Filme auf USB-Sticks laden
Über den Digiboo-Automaten können Kunden mehr als 700 Filme mieten oder kaufen. Digiboo bietet ein paar Vorteile gegenüber Flughafen-Geschäften, die DVDs verkaufen. Die Auswahl ist größer und man kann sie nicht nur kaufen, sondern auch günstig ausborgen. Da die Filme auf USB-Sticks gespeichert werden, kann man sie auch auf Ultrabooks oder Netbooks anschauen, die über kein DVD-Laufwerk verfügen. Und der Automat hat immer geöffnet, während man bei Spätflügen am Flughafen schon mal vor verschlossenen Ladentüren steht. Die futurezone hat Digiboo am Flughafen in Seattle getestet.

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Bedienung
Der Automat ist recht unscheinbar zwischen kostenpflichtigen Internet-Terminals versteckt - wenn man nicht aktiv danach sucht, ist er leicht zu übersehen. Das Terminal wird über einen Touchscreen bedient. Etwas nervig ist, dass bereits nach 30 Sekunden eine Timeout-Warnung kommt. Berührt man in diesem Zeitraum nicht den Touchscreen, wird der Einkauf abgebrochen.

Auswahl
Die über 700 Filme sind in mehrere Kategorien unterteilt. Am interessantesten sind natürlich die „New Arrivals". Die Filme entsprechen dem, was man auch bei On-Demand Board-Entertainment-Systemen im Flugzeug (nach dem Test wurde mit British Airways geflogen) zu sehen bekommt. Das gilt natürlich nur für Fluglinien mit so einem System. Das sollte zwar mittlerweile in allen Klassen bei Langstreckenflügen der Fall sein, einige Linien, wie Austrian und Airberlin, verzichten darauf.

Unter den 700 Filmen finden sich auch einige ausländische, die Sprache ist jedoch immer Englisch. Eine zweite Tonspur wird nicht angeboten. Im Sortiment befinden sich auch Klassiker, wie „Vom Winde verweht", „Superman" 1 bis 4 und „Mortal Kombat" 1 und 2. Es kann auch nach Schauspielern gesucht werden. Trailer oder Vorschauen zu den Filmen werden nicht angeboten.

Preisunterschiede nach Alter des Films gibt es nicht: Ausborgen kostet 3,99 US-Dollar, Kaufen 14,99 US-Dollar. Dazu kommt noch die Steuer, die je nach Bundesstaat etwa zwischen 8 und 11 Prozent beträgt . Ein geborgter Film kann 48 Stunden lang auf einem Gerät abgespielt werden – vor dem ersten Starten ist er 30 Tage lang gültig. Ein gekaufter Film kann auf bis zu fünf Geräten wiedergegeben werden.

Download
Die ausgewählten Filme werden in einer Warenkorbleiste am oberen Bildschirmrand angezeigt. Dort ist auch die total benötigte Menge an Speicherplatz angezeigt. Es wird aber nicht angezeigt, wie viel Speicher am USB-Stick frei ist, den man in den vorgesehenen Anschluss steckt. Die Filme sind nur in SD und nicht in HD-Qualität verfügbar. Dennoch hat ein 120-minütiger Film eine Größe von 1,6GB, ein 77-minütiger Zeichentrickfilm fast 900MB. Das ist zumindest etwas besser als die üblichen DVD-Rips aus dem Internet.

Die Anschlüsse sind USB 3.0. Digiboo empfiehlt Sticks mit USB 3.0 zu nehmen. Damit dauert das Herunterladen eines Film etwa 30 Sekunden. Bei USB 2.0-Sticks kann es mehrere Minuten dauern – wie es auch im futurezone-Test der Fall war.

Bevor der Download gestartet wird, muss noch gezahlt werden. Das passiert mittels Kreditkarte, als Bestätigung muss die Postleitzahl der Rechnungsanschrift eingegeben werden. Im Test begann der Download beim ersten Versuch nicht. Auch der Abbrechen-Button reagierte nicht. Nachdem das Timeout abgelaufen war, mussten die Filme neu ausgewählt und die Zahlung erneut vorgenommen werden. Immerhin wurde der zu zahlende Betrag nur einmal von der Kreditkarte abgebucht.

Aktivierung
Sind die Filme auf dem USB-Stick, können diese nicht sofort abgespielt werden. Erst muss der Digiboo-Player installiert werden. Im Grunde ist der Digiboo Player nur ein Tool, das für das Digital Rights Management benötigt wird. Als eigentlicher Player dient der Windows Media Player. Deshalb ist Digiboo auch vorerst nur für Windows-PCs, Laptops und Tablets verfügbar. Eine Version für Mac, Android und iOS soll folgen.

Nach der Installation des Players muss dieser einmalig über das Web registriert werden, damit das Gerät als Abspielgerät freigeschaltet wird. Dazu ist beim Kiosk ein eigenes Digiboo-WLAN verfügbar. Über dieses gelang die Freischaltung aber nicht. Laut Fehlercode war das Gerät bereits registriert. Das Abspielen der Filme war aber nicht möglich, weil das Gerät nicht registriert war. Auch die Hilfe im Player und der Digiboo-Website halfen nicht. Die Lösung war das Einloggen in ein anderes WLAN. Gut, dass es am Flughafen in Seattle ein kostenloses WLAN gibt. Da dies nicht auf allen Flughäfen der Fall ist, sollte Digiboo das Problem schnellstmöglich beheben. Zur Registrierung des Geräts muss noch die Kreditkartennummer eingegeben werden. Laut Digiboo wird diese nur lokal verwendet, um eine ID zu generieren. Sie wird nicht online übertragen oder gespeichert.

Filmwiedergabe
Der Digiboo-Player ist unspektakulär und dient lediglich dazu, den Film auszuwählen und zu starten. Bei Leihfilmen fehlt leider eine Anzeige, wie lange der Film noch angeschaut werden darf.

Die Wiedergabe ist ruckelfrei, auch wenn der Film von einem USB 2.0-Stick abgespielt wird. Ein Kopieren des Films auf die Festplatte zum Abspielen ist nicht vorgesehen. Das Bild ist zwar gänzlich frei von Kompressionsartefakten, die SD-Auflösung macht sich auf dem Laptop-Display aber nicht gut. Notebooks haben meist eine Auflösung von 1366x768 oder 1600x900 Pixel und im Flugzeug sitzt man aufgrund von Platzmangel recht dicht am Bildschirm. Dadurch fällt auf, dass das Video hochskaliert ist. Beim Zeichentrick-Film war dies besonders stark bemerkbar und nicht schön. Die Tonqualität (nur Stereo, kein Surround) ist ebenfalls sehr gut, dank der niedrigen Kompression.

Fazit
Das System ist unausgereift. Selbst wenn die Kinderkrankheiten behoben sind, macht es nur wenig Sinn, Filme in SD-Qualität zu mieten oder zu kaufen. Zumindest eine optional wählbare HD-Qualität in 720p wäre wünschenswert. In SD sieht es natürlich immer noch besser aus als auf den Mini-Bildschirmen in der Economy-Class im Flugzeug, aber an Bord muss man zumindest nicht extra zahlen für die Filme und bangen, ob der Notebook-Akku durchhält.