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Ledon-Chef "Energiesparlampen sind tickende Zeitbomben".

Foto: dpa-Zentralbild/Jan Woitas
Das Glühbirnen-Verbot der EU hat viele verärgert. Die von der Industrie als Alternative vermarktete Energiesparlampe wird bis heute als Übel empfunden. Als Ausweg aus der Misere gelten LED-Lampen, die zugleich Strom sparen und gutes Licht produzieren sollen. Warum LED das Licht der Zukunft ist, viele Kunden sich mit der neuen Technologie aber noch schwer tun, verrät Ledon-Geschäftsführer Detlef Mikulsky im futurezone-Interview.

futurezone: Das Aus der klassischen Glühbirne sorgt immer noch für Empörung, die Energiesparlampe bleibt unbeliebt. Was hat die Industrie falsch gemacht?
Mikulsky: Hier sind mehrere Dinge zusammengekommen. Ein Verbot erzeugt natürlicherweise eine Abwehrbewegung. Die Hersteller wiederum haben das Verbot genutzt, um die 30 Jahre alte Energiesparlampe zu promoten. Was dabei übersehen wurde: Viele Verbraucher wollten die Energiesparlampe vorher nicht und bleiben auch jetzt skeptisch.

Ist die Energiesparlampe tatsächlich so schlecht wie ihr Ruf?
Wenn es um Lichtqualität, um gutes Licht geht, hat die Energiesparlampe einfach Defizite. Natürlich gibt es bessere und schlechtere Produkte auf dem Markt, das Grundproblem bleibt aber, dass die Lampe kein kontinuierliches Lichtspektrum erzeugen kann. Gewisse Farbanteile – vor allem im gelbroten Bereich - fallen komplett weg, was Gegenstände für das menschliche Auge unnatürlich erscheinen lässt.

Was machen LED-Lampen besser?
Abgesehen von der Lichtqualität und der noch besseren Energieeffizienz sind gute LED-Lampen weitaus flexibler, was die Farbtemperatur und ihre Dimmbarkeit betrifft. Optimalerweise sollte der Konsument nach dem Tausch seiner Glühbirne mit einer LED-Lampe gar nicht merken, dass er gewechselt hat. Dazu kommt, dass Energiesparlampen durch ihren Quecksilberanteil tickende Zeitbomben sind. Dieses Problem fällt bei LED-Beleuchtung ebenfalls weg.

Einige LED-Lampen erzeugen aber ebenfalls ein subjektiv kühleres Licht als die gute alte Glühbirne.
Für LED-Beleuchtung werden blaue LEDs verwendet, die mittels einer Phosphor-Mischung das etwas kühl wirkende blau-weiße Licht abgeben, das wir von Taschenlampen kennen. Um das Gelb-Rot-Defizit im Farbspektrum auszugleichen und das Licht von Glühbirnen möglichst perfekt zu imitieren, sind in Ledon-Lampen zusätzlich zwei rote LED-Plättchen verbaut. Glühlampen-artiges Licht zu erzeugen und gleichzeitig die Energieeffizienz aufrecht zu erhalten ist noch immer die Königsklasse.

Sind Kunden nach der Energiesparlampen-Misere jetzt überhaupt schon wieder für eine neue Technologie bereit?
Es ist in der Tat so, dass Konsumenten LED normalerweise nicht mit der klassischen Glühlampen-Form in Verbindung bringen und diese sogenannten LED-Retrofitlampen leider oft mit den Energiesparlampen verwechseln. Da ist noch viel Aufklärungsarbeit notwendig und leider gibt es auch auf dem LED-Markt einige minderwertige Produkte, die den Endverbraucher ebenfalls verunsichern.

Ledon wurde erst 2009 als Tochterfirma der Dornbirner Zumtobel AG ins Leben gerufen. Wie schwierig ist es, sich auf dem Consumer-Markt neben Traditionsmarken wie Philips und Osram zu behaupten?
In den ersten beiden Jahren ging es darum, ein entsprechendes Portfolio anbieten zu können und den Vertrieb aufzubauen. Unser Vorteil gegenüber den etablierten  Anbietern ist, dass wir uns ausschließlich auf den LED-Markt konzentrieren, während andere Hersteller durch ihren jahrelangen Fokus auf die Energiesparlampe erst einmal ihre Bestände in diesem Bereich abbauen müssen. Wir können daher viel flexibler agieren und müssen folglich auch keine andere Technologie schönreden.

Ledon-Geschäftsführer Detlef Mikulsky
Ledon-Geschäftsführer Detlef Mikulsky - Foto: Ledon

Beim Prestigeprojekt LED-Ersatz für die 100-Watt-Glühbirne sind Ihnen etablierte Hersteller wie Philips und General Electric aber zuvorgekommen .
Eine Lampe mit 1700 Lumen haben wir bereits vor eineinhalb Jahren fertig gehabt, dies aber nicht angekündigt, weil sie einfach nicht bezahlbar war. Wir können heute auch eine Lampe mit 2000 Lumen machen, die etwa der heutigen 120-Watt-Glühbirne entspricht, aber welcher Verbraucher, der bisher ein Euro ausgegeben hat, wird jetzt 60 Euro und mehr bezahlen? Solche Ankündigungen sehe ich eher als Marketing-Geschichte.

Wie viel österreichisches Know-how steckt in den Ledon-Lampen? Wo wird produziert?
Die Produktion findet zu einem Großteil in Österreich statt. In Jennersdorf im Burgenland werden die LED-Module hergestellt, die Entwicklung und Qualitätssicherung ist in Dornbirn angesiedelt. Und auch die Treiber werden in Europa produziert – im englischen Spennymoor. Lediglich das Zusammenbauen der Einzelteile wird in China durchgeführt.

Kann man es sich als Konzern mit globalen Ambitionen Produktionsstätten in Österreich überhaupt leisten? Oder wird früher oder später die Produktion nicht doch auch nach Asien verlegt werden müssen?
Je höher der Automatisierungsgrad der Produktion, desto irrelevanter ist auch der Produktionsstandort. Bei arbeitsintensiven Prozessen bieten Länder wie China derzeit noch Vorteile. Aber auch das ändert sich. Die Löhne an der chinesischen Ostküste steigen, kompetente Fachleute zu finden ist dort auch nicht einfach. Einige Unternehmen sind mittlerweile daher mit ihrer Produktion aus Fernost wieder zurückgekehrt.

Warum sind leistungsstarke LED-Lampen verhältnismäßig immer noch so teuer?
Für Verbraucher, die ja quasi den Einheitspreis von Glühbirnen gewohnt sind, ist es schwierig zu verstehen, warum eine hellere Lampe jetzt viel mehr kosten soll. Mehr Licht bedeutet bei LED-Lampen aber auch mehr eingesetzte LED-Teilchen – die sogenannten „Dies“ – und damit einhergehend eine aufwändigere Elektronik und Kühlung. Die Preise werden aber sukzessive sinken, da die Dies ständig leistungsstärker werden.

LED Lampe LEDon
LED-Lampe in Glühbirnenform - Foto: TAN-WWW.BLANKRED.COM

Die Hersteller werben mit bis zu 50.000 Stunden Betriebsdauer einer einzigen Lampe. Dennoch gibt es nur zwei Jahre Garantie. Wieso eigentlich?
Einen Fernseher oder einen Mixer wollen Sie ja auch länger als zwei Jahre haben. Im privaten Haushalt kennen wir zudem den Einsatzbereich nicht. Wenn eine Lampe 24h am Tag, sieben Tage die Woche brennt, kommt man bereits in wenigen Jahren auf viele 10.000 Betriebsstunden. In sehr heißen Umgebungen wie direkt über dem Herd oder in der Sauna sollte man auf LED-Technologie eher verzichten, da die Hitzeentwicklung die Lebensdauer verkürzen kann. Bei normalem Einsatz kann man allerdings wirklich mit jahrzehntelangem Einsatz rechnen.

Das ist schwer vorstellbar.
Ja, und natürlich hatte kein Hersteller seine Lampen bereits 30 Jahre im Betrieb. Da kann man sich nur auf die unter Extrembedingungen durchgeführten Testergebnisse verlassen. Ich denke auch, dass dieser Faktor für Verbraucher nicht kaufentscheidend ist, weil die Konsumenten derartigen Angaben ohnehin wenig Glauben schenken, egal wie fundiert die Hersteller auf den Wert gekommen sind.

Welche Möglichkeiten wird LED als Leuchtmittel in Zukunft noch bieten?
Nach 130 Jahren ohne großen Änderungen befindet sich die Branche technologisch gesehen jetzt total im Umbruch, das motiviert unglaublich. Zukünftig wird viel mehr Intelligenz in die Lampen integriert werden können. Veränderungen der Farbtemperatur, die sich an die Außenbegebenheiten im Sommer und Winter anpassen, aber auch intelligente Steuerungen, die wiederum helfen Energie einzusparen, werden bald in private Haushalte einziehen.

Wird OLED in absehbarer Zeit ein Thema für Endverbraucher werden?
Bei organischen LEDs handelt es sich um eine völlig andere Technologie, die nicht für kompakte Lichtquellen, sondern für Flächenbeleuchtung interessant ist. Das Charmante an OLED ist, dass man durch die dünne Bauweise Wände und Decken zum Leuchten bringen kann, selbst Fensterscheiben können damit ausgestattet werden, wenn der Lichteinfall von draußen zu schwach ist. Technologisch gesehen ist man bei der Leuchtdichte noch nicht ganz soweit, aber die Entwicklung geht wie bei LED rasend schnell voran.

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Über Ledon:
Ledon ist eine 100-Prozent-Tochter des Vorarlberger Lichttechnik-Konzerns Zumtobel und startete 2009 mit eigenen LED-Produkten in den Consumer-Markt. Hauptsitz des Unternehmens ist in Dornbirn. Detlef Mikulsky fungiert als Geschäftsführer.

(futurezone) Erstellt am 14.05.2012, 00:01

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