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09/06/2019

Falten ohne Pannen: Neues Samsung Galaxy Fold 5G im Kurztest

Nach einiger Verzögerung kommt das Galaxy Fold nun wirklich auf den Markt. Wir haben die überarbeitete Version ausprobiert.

von Thomas Prenner

Samsungs Falt-Handy Galaxy Fold war bislang alles andere als eine Erfolgsgeschichte. Nachdem mehrere Tech-Redakteure im April Testgeräte in Betrieb genommen haben, gingen jene teilweise nach nur einem Tag kaputt. Samsung zog die Notbremse und verschob den Marktstart unbestimmte Zeit. Am Mittwoch wurde im Rahmen der IFA angekündigt, dass das Handy nun wirklich auf den Markt kommt, auch in einer 5G-Version. Die Produktionsprobleme seien demnach gelöst. Die futurezone hat das überarbeitete Falt-Handy Galaxy Fold ausprobiert. 

Retro oder futuristisch

Nimmt man das Handy zum ersten Mal in ausgefaltetem Zustand in die Hand, wirkt es futuristisch. Das biegbare Display sieht in ausgefaltetem Zustand einfach anders aus, als alles, was man bisher kannte. 

Klappt man das Handy zusammen, wird es klobig und der futuristische Eindruck schwindet. Zusammengeklappt und mit dem (vergleichsweise) kleinen und nicht wirklich schönen 4,6-Zoll-Display auf der Außenseite wirkt das Handy eher wie ein Nokia Communicator als ein modernes 2100-Euro-Handy. Dazu trägt auch das Gewicht von 263 Gramm bei. Handys, die so schwer sind, ist man heutzutage einfach nicht mehr gewöhnt. 

Böse Folie, böses Scharnier

Eines der größten Probleme mit der ursprünglichen Version des Fold war, dass auf dem biegbaren Display eine Folie zu sehen war. Einige User versuchten diese abzuziehen. Das Problem dabei war, dass jene aber Teil der Display-Struktur ist. Ein Entfernen kann (und hat vereinzelt) auch zu Totalausfällen des Displays geführt. Beim neuen Fold ist die Folie größer und wandert unter den Rahmen des Handys. Dadurch kommt man nichteinmal mehr auf die Idee sie abzuziehen bzw. bemerkt sie gar nicht. Samsungs Lösung kommt mir in diesem Bereich sauber und gelungen vor.

Das zweite Problem war, dass im Bereich des Scharniers Schmutz eindrang. Samsung versucht dieses Problem jetzt mit einer Schutzklappe zu lösen, die auf dem Scharnier angebracht ist. In Ermangelung eines Beutels Staub und Sand konnte die Wirksamkeit des neuen Scharniers beim kurzen Hands-on nicht ausprobiert werden. Merkbar ist jedenfalls, dass sich auch in zusammengeklapptem Zustand immer noch ein kleiner Zwischenraum bei dem Display befindet. Es wird sich also erst bei längerfristigeren Tests zeigen, inwieweit die Methode erfolgreich war. 

Bedienung und Displays

Der Falt-Bildschirm des Fold lässt sich auch im halb zugeklapptem Zustand erstaunlich gut bedienen. Gerade bei Apps wie Google Maps macht es Sinn, den zusätzlichen Platz auszunutzen. Im halb aufgeklappten Zustand liegt das Handy außerdem sehr gut und sicher in der Hand - besser, als etwa ein kompaktes Tablet.

Der Klappmechanismus bzw. das Scharnier geht überraschend hart zu. Es macht beim Schließen ein deutliches Klackgeräusch. Ob das auf Dauer für das Handy gut ist, ist zumindest fraglich. 

Das große Display leistet sich jedenfalls in Sachen Anzeigequalität kaum Schwächen. Selbst aus ungewöhnlichen Blickwinkeln (aufgrund des Faltmechanismus) sieht der 7,3-Zoll-Screen gut aus. Apps wie Google Maps oder Webseiten in Vollbild und leicht gefaltet anzusehen und zu scrollen, sieht einfach cool aus. Ich könnte mir auch sehr gut vorstellen, auf diese Art und Weise längere Texte auf Webseiten oder PDFs zu lesen. Auch Spiele können - sofern entsprechend angepasst - auf dem Fold viel Potenzial haben.

Fazit

Auch gut ein Jahr nachdem es erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurde, ist das Galaxy Fold immer noch eines der ungewöhnlichsten Smartphones am Markt. Dadurch hat es sich zu einem der Stars der heurigen IFA entwickelt, auch, wenn es eigentlich schon "alt" ist.

Wirklich ratsam kann es dennoch nicht sein, 2100 Euro dafür auszugeben. Zwar hat Samsung die ersten Kinderkrankheiten anscheinend ausgemerzt, es waren aber nur die, die bereits nach einem oder zwei Tagen auftraten. Man darf gespannt sein, welche Fehler sich bei längerfristiger und täglicher Alltagsnutzung noch einschleichen.

Und dennoch: Das Gerät ist ein spannender Ausblick, in welche Richtung Smartphone-Designs künftig gehen könnten. Gerüchten zufolge plant Samsung für kommendes Jahr ein neues, günstigeres Modell. Es ist davon auszugehen, dass man von der ersten Generation viel gelernt hat.