Wer günstig ein iPhone kaufen möchten, sollte sich die Mobilfunker-Angebote lieber genau ansehen

© APA/EPA/LARRY W. SMITH

Mobilfunk
09/24/2014

Gestütztes iPhone 6 teurer als im freien Verkauf

Zum Verkaufsstart des iPhone 6 locken die Mobilfunker mit vermeintlich günstigen Angeboten. Die Ersparnis beim Gerätepreis erkauft man sich aber meist mit teuren Verträgen.

von Martin Stepanek

Wenn Apples neueste iPhone-Generation in den Handel kommt, wittern naturgemäß auch die Mobilfunker ihr Geschäft und übertrumpfen sich mit Angeboten und speziellen Verkaufsstart-Aktionen. A1 etwa ignoriert den von Apple für Freitag ausgerufenen offiziellen Starttermin und will das iPhone 6 schon am Mittwochabend in vier Geschäften in Wien, Graz, Linz und Dornbirn anbieten.

Billiger oft teurer

Geworben wird oft mit günstigen Gerätepreisen bis hin zu Gratis-iPhones, die eine Ersparnis zum regulären Kaufpreis versprechen, in Wahrheit aber mit überdimensionierten, teuren Verträgen und 24 Monaten Bindung verknüpft sind. Rechnet man die Ersparnis für das Gerät mit den Mehrausgaben für den Vertrag gegen, merkt man schnell, dass das vermeintliche Schnäppchen sich letztlich als Aufpreis entpuppt.

Die Mobilfunker verweisen bei ihren teureren Tarifen darauf, dass diese mehr Gigabyte Daten und schnellere Datenverbindungen inkludieren. Ob ein normaler Kunde beispielsweise sechs statt drei Gigabyte Datenvolumen und 150 Mbit/s Geschwindigkeit statt "nur" 50 Mbit/s auch nur annähernd ausnutzen kann, darf jedoch bezweifelt werden.

Undurchsichtige Tarife

T-Mobile etwa lockt beim iPhone 6 mit dem Einstiegspreis von 408 Euro, was einer Ersparnis von 291 Euro zum regulären Verkaufspreis entspricht. Dazu muss der Kunde aber den teuersten T-Mobile-Tarif "MyMobileExtreme" abschließen, der im Vergleich zum Einsteigertarif "MyMobileLight" über die zweijährige Bindungsperiode 480 Euro mehr kostet. A1 hat noch keine offiziellen Preise genannt, wird Neukunden voraussichtlich aber ohnehin nur wenig "Rabatt" auf iPhones geben.

Bei Drei gibt es das neue iPhone 6 im Rahmen eines Premium-Pakets mit inkludierten Auslandsminuten und 250 Megabyte EU-Roaming um null Euro. 65 Euro monatliche Kosten relativieren das Gratisangebot aber schnell. Der Tarif "Hallo XXL Plus" um 49 Euro pro Monat lockt bei Drei mit 99 Euro für das iPhone 6. Wenn man weiß, dass man mit zwei Gigabyte Datenvolumen im Normalfall das Auslangen findet, tut es auch der 20-Euro-Tarif "Hallo L". Das iPhone wird dadurch 450 Euro teurer, über den Vertragszeitraum gerechnet erspart man sich durch den billigeren Tarif jedoch fast 700 Euro.

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Tim Cook; iPhone 6; iPhone 6 Plus

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Phil Schiller, Senior Vice President at Apple, Inc

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Apple CEO Tim Cook wears the Apple Watch and shows

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Niedriger Basistarif empfehlenswert

Angesichts solcher Rechenbeispiele empfiehlt es sich, im Zweifelsfall einen niedrigeren Tarif zu wählen und mehr für das Gerät zu bezahlen. Sparefrohs sollten überhaupt auf einen 10- bis 15-Euro-Tarif der Diskont-Marken Telering, Yesss oder S Budget Mobile zurückzugreifen und das iPhone regulär über Apple beziehen. Rechnet man die Kostenersparnis durch einen günstigen Vertrag auf 24 Monate hoch, sieht man, dass der Verkauf im freien Markt meist die billigere Variante ist. Zugleich unterliegt man keiner mehrjährigen Bindung und erhält ein entsperrtes Gerät. Nur T-Mobile bietet derzeit für alle Netze offene iPhones an.

Um ein Smartphone wie das iPhone bequem nutzen zu können, müssen selbstverständlich Mindestanforderungen beim Vertrag berücksichtigt werden. Zumindest ein Gigabyte an Datenvolumen muss inkludiert sein, auch zwei Gigabyte schaden bei intensiver Nutzung von Facebook, YouTube und anderen Webdiensten und Apps nicht. Hohe Datenraten ab 21 Mbit/s sind für intensive Videonutzung und andere Streamingdienste von Vorteil, ob die theoretisch zugesicherten Verbindungsraten aber tatsächlich erreicht und ausgeschöpft werden können, steht auf einem anderen Blatt Papier.

Nebengebühren

Erschwerend für die richtige Tarifwahl ist auch, dass gerade bei den Vertragstarifen mit Bindung eine Reihe von Nebengebühren von der Servicepauschale bis zur Aktivierungsgebühr zum Tragen kommt, die in Wahrheit ebenfalls bei den monatlichen Vertragskosten berücksichtigt werden müssten. Einige dieser Zusatzgebühren fallen bei den Diskont-Tarifen weg, dafür muss man allerdings bei den inkludierten Daten- und Gesprächsvolumina genau aufpassen. Einige Angebote verrechnen nach dem Verbrauch der inkludierten Gigabyte nämlich Zusatzgebühren pro Megabyte, was ebenfalls schnell teuer werden kann.

"Angesichts der Vielzahl von Nebengebühren, die nicht bei jedem Anbieter und jedem Vertrag anfallen, ist es für Kunden praktisch unmöglich, die Tarife zu vergleichen", sagt auch Konsumentenschützer Peter Kolba vom VKI zur futurezone. Dass ein iPhone um 0 Euro vermutlich kein Geschenk des Mobilfunkers ist und dieser sich die Investition über Tarifgebühren und eine Tarifbindung "zurückhole", liege ebenfalls auf der Hand. "Ich denke, dass das viele Leute schon verstanden haben", pocht Kolba auf Eigenverantwortung bei der Wahl des richtigen Tarifs.

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