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24.03.2011

Google-Handy Nexus S im Test

Mit dem Nexus S startet Google den zweiten Versuch eines Smartphones, das den Namen des Suchmaschinenbetreibers trägt. Ab März wird es hierzulande erhältlich sein - die futurezone hat das erste Handy mit dem Betriebssystem Android 2.3 getestet und sagt, warum es weder Revolution noch Evolution ist.

Anfang 2010 erschien mit dem Nexus One das erste Smartphone mit Version 2.1 des Betriebssystems Android. Gefertigt wurde es zwar von HTC, vertrieben aber exklusiv von Google in einem eigenen Webshop. Deshalb galt es auch als erstes "echtes" Google-Handy. Das Resultat der Vertriebshoheit: Im Juli 2010 wurde der Online-Verkauf des Nexus One wegen mangelnden Erfolgs eingestellt. In Europa war das Nexus One nur in Großbritannien erhältlich - nach Österreich hat es das Smartphone nie geschafft.

Mit dem Nexus S soll alles besser werden. Seit Mitte Dezember ist es in den USA und Großbritannien erhältlich, in Österreich seit März bei A1, T-Mobile, Orange und Drei. Abgesehen vom "neuen" Vertriebskonzept ist das Nexus S, das von Samsung gefertigt wird, eine dreifache Premiere. Es ist das erste Android-Handy mit
- Version 2.3 ("Gingerbread") des Google-Betriebssystems
- einer Front-Kamera
- und einem NFC-Chip

Schwarze Kurve
Auf den ersten Blick ist das Nexus S nur eins: Schwarz. Im Standby-Modus blickt man auf eine farblose Front, die weder Tasten noch Konturen zu haben scheint. Erst ein Seitenblick enthüllt das einzige, auffällige Designelement. Der Bildschirm ist dezent gebogen, weshalb er von Google "Konturen-Display" genannt wurde. Der praktische Nutzen davon ist gleich null. Durch die Biegung liegt das Handy weder besser am Ohr, noch bequemer in der Hand.

Der größte Vorteil des schnörkellosen "Phone-in-Black"-Designs ist, dass es kleiner und schlanker wirkt, als es eigentlich ist. Wie schon das Samsung Galaxy S, mit dem das Nexus S technisch großteils ident ist, hat es ein 4-Zoll-Display. Dennoch wirkt es schmäler, da auf die silberne Zierleiste des Galaxy S verzichtet wurde.

Das Gehäuse ist aus Plastik und verbiegt sich bei Druck nicht merklich. Dennoch vermittelt es ein weniger wertiges Gefühl als etwa die Aluminium-Gehäuse der HTC-Premium-Modelle. Die verwendeten Materialen beim Nexus S wirken sich auch auf ein für die Größe geringes Gewicht von 129 Gramm aus (iPhone 4 137 Gramm mit 3,5-Zoll-Display, HTC Desire HD 135 Gramm mit 3,7-Zoll-Display).

Die glatte Rückfront hat eine Erhebung an der Unterseite, die verhindern soll, dass das Smartphone allzu leicht aus der Hand rutscht. In Großbritannien wird das Nexus S auch mit einer weißen Rückfront erscheinen, die Vorderseite bleibt aber Schwarz.

Bildschirm
Die Oberseite ist völlig glatt, die Softtouch-Tasten und das Display sind auf einer Höhe. Sogar der Lautsprecher ist eingelassen, um nicht hervor zu stehen. Der Abstand zwischen Displays und Tasten ist aber groß genug, um nicht unabsichtlich beim Scrollen den Home- oder Search-Button auszulösen.

Das 4-Zoll-Display hat die gewohnte Auflösung von 800x480 Pixel. Das europäische Modell des Nexus S hat ein Super-Clear-LCD-Display, das US-Modell wurde noch mit einem AMOLED-Display ausgeliefert. Die Darstellung sieht scharf und glatt aus (trotz gebogenem Display).

Lästig ist das Fehlen einer Status-LED, die etwa bei erhaltenen SMS oder verpassten Anrufen blinkt - hier muss man sich mit Apps wie "NoLED" behelfen.

Nexus S Bilderstrecke

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Die inneren Werte
Das Nexus S basiert auf Samsungs Galaxy S, weshalb es technisch kaum Unterschiede gibt. Beide haben einen 1GHz-Prozessor und 512 MB RAM. Das Nexus S hat einen internen Speicher von 16 GB, aber im Gegensatz zum Galaxy S keinen Micro-SD-Kartenslot.

Die Hauptkamera hat 5 Megapixel und einen LED-Blitz, die Frontkamera nimmt in VGA-Auflösung (640x480 Pixel) auf. Die Bilder der Hauptkamera sind Handy-Standard und für Schnappschüsse ausreichend: Etwas zu farbarm und mit einer erkennbaren Körnung. Die US-Version des Nexus S kann keine HD-Videos aufnehmen, bei der europäischen wird dies möglich sein.

Eine Kamera-Auslöse-Taste gibt es nicht. Die physischen Tasten beschränken sich auf die Lautstärken-Reglung an der linken Seite und die Ein/Aus-Taste an der rechten. 3,5mm-Klinkenbuchse und Micro-USB-Anschluss befinden sich an der Unterseite.

Eines der Features von Android 2.3 ist die Unterstützung von NFC. Mit "Near Field Communication" können Daten auf kurze Entfernungen, (3 bis 5 cm) sicher ausgetauscht werden. Das Nexus S hat ein NFC-Modul, derzeit fehlt es aber noch an Anwendungsmöglichkeiten. Mit der richtigen App könnte man Daten von Handy zu Handy übertragen oder etwa das Mobiltelefon als Zahlungsmittel nutzen. Mit den NFC-Automaten der Wiener Linien und den Selecta-Süßigkeitenautomaten an Bahnhöfen ist das Nexus S noch nicht kompatibel - es wird nur ein "unbekannter Tag" erkannt. Laut A1Telekom wird an einem Update für die NFC-Terminals gearbeitet, das dieses Problem beheben soll.

Der 1500mAh-Akku reicht für einen Tag bei normaler Smartphone-Nutzung, wenn die automatische (und tendenziell zu dunkle) Helligkeitseinstellung für das Display verwendet wird.

Android wird erwachsen
Die Änderungen von Android 2.2 auf 2.3 sind fast ausschließlich optischer Natur. Die Status-Leiste, das Zahlen-Wahlfeld und Untermenüs wie Einstellungen, Kontakte und eMails haben jetzt schwarze und graue Hintergründe. Die Icons wurden ebenfalls aufgepeppt und passen sich dem eleganteren Look an. Am deutlichsten fällt dies bei den Anzeigen in der Status-Leiste auf: Der Cartoon-artige Stil ist Geschichte, Android wird erwachsen.

Gelungen ist auch das Re-Design des App-Menüs. Wie auf einem um die Ecke gehenden Fließband werden am unteren bzw. oberen Bildrand die Icons für die Apps angezeigt. Nicht wirklich nützlich, aber hübsch anzusehen.

Trotz des 1GHz-Prozessors scheint das Nexus S im Vergleich mit anderen Android-Phones, wie etwa dem HTC Desire, beim Navigieren durch die Menüs etwas träge zu sein. Das liegt aber daran, dass das Display nicht ganz so empfindlich auf Berührungen reagiert und die neuen Animationen Zeit kosten. Deaktiviert man die Animationen, gibt es keine Verzögerung, was aber wiederum keine echte Option ist, da die neuen Animationen und Transparenz-Effekte mitunter die hübscheste Neuerung von Android 2.3 sind.

Kleine Änderung am Rande: Im Homescreen ist bei einem Druck auf Menü-Taste jetzt auch der Punkt "Apps verwalten" anwählbar. Aber selbst so ist das Schließen von im Hintergrund laufenden Apps immer noch mühsamer als mit einem Task-Killer. Störend ist der Mangel an vorinstallierten Widgets für die Homescreens. HTC-Smartphones bieten hier deutlich mehr Auswahl, beim Nexus S muss erst der Android Market nach geeigneten Widgets durchsucht werden.

Mehr Orange und neue Tastatur
Eine weitere Detailänderung ist ein orangenes Leuchten, das erscheint, wenn beim Scrollen das obere oder untere Ende erreicht ist. Orange Akzente sind auch bei der Onscreen-Tastatur zu finden, die ebenfalls einen neuen, grau-schwarzen Anstrich bekommen hat. Im vertikalen Modus werden in Orange über den Buchstaben Sonderzeichen angezeigt, die nach links oder rechts durchgescrollt werden können. Wird ein Wort eingegeben, werden an dieser Stelle die Wortvorschläge angezeigt. Diese Zusatzleiste lässt das virtuelle Keyboard überladen erscheinen - beim iPhone ist deutlich mehr Platz für die Buchstaben.

Positiv hingegen ist ein neuer Marker, der deutlich die Cursor-Position anzeigt und sich präzise verschieben lässt. Früher brauchte man oft mehrere Versuche, um den Cursor per Fingerdruck auf die gewünschte Position zu bringen. Weniger positiv ist hingegen, dass beim Auswählen von Text nach wie vor eine durchgehende Linie fehlt. Im Browser muss dazu die Menü-Taste gedrückt und die Option "Text wählen" angeklickt werden, um dann die Markierungen für das Kopieren zu setzen. Bei eMails wird der Markiervorgang gestartet, wenn man mit dem Finger zwei Sekunden lang ein Wort berührt. Bei SMS muss man mit dem Finger solange die Nachricht berühren, bis sich das Optionsfenster öffnet und per "Nachrichtentext kopieren" der gesamte Inhalt in den Zwischenspeicher gelegt wird.

Ein weiteres Beispiel für eine nicht konsequent durchgezogene Linie ist die Farbgebung beim SMS-Schreiben. Während der Hintergrund bei den meisten Menüs in Grau, Schwarz oder Anthrazit gehalten ist, sind es bei den SMS Weiß und Himmelblau.

Fazit
Das Nexus S ist weder Revolution noch echte Evolution - genauso wie die Version 2.3 des Betriebssystems Android. Es ist ein solides und alltagstaugliches Smartphone im Premium-Segment, aber das ist das fast baugleiche Samsung Galaxy S auch. Bis auf das NFC-Modul gibt es keine technischen Neuerungen.

Der tiefschwarze "Plastik-Stealth"-Look des Geräts ist sicherlich nicht jedermanns Geschmack, findet aber bei der entsprechenden Zielgruppe (U30, männlich, Videospieler, Gadget-Fan) durchaus gefallen. Die Kurve im Display als Designelement ist zu vernachlässigen. Nach ein paar Tagen Alltagsgebrauch nimmt man die Biegung nur noch wahr, wenn man von Kollegen oder Freunden, die das Gerät zum ersten Mal sehen, darauf angesprochen wird.

Braucht man demnächst ein neues Android-Handy, ist das Nexus S also durchaus zu empfehlen. Kann der Neukauf noch etwas warten, sollte man die ersten Smartphones mit Dual-Core-Prozessoren abwarten.

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