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29.05.2015

Google Photos: Viele Spielereien und Versäumnisse

Google hat im Rahmen der I/O einen überarbeiteten Foto-Dienst mit unbegrenztem Speicher vorgestellt Die futurezone hat ihn getestet.

Es war eine der größten Ankündigungen der diesjährigen Google I/O, die am Donnerstag in San Francisco ihren Ausgangspunkt nahm. Google bringt mit Photos einen überarbeiteten Foto-Dienst, der es seinen Nutzern einfacher machen soll, die meist vollkommen unübersichtliche Masse an Handyfotos zu sortieren und zu ordnen. Dazu analysiert Google nicht nur den Zeitpunkt und Ort, an dem ein Foto aufgenommen wurde, sondern auch den Inhalt, auf Basis dessen vollautomatisch Kategorien erstellt werden. Sämtliche Katzenfotos werden so etwa tatsächlich auch mit “Katze” gekennzeichnet.

Google bietet allen Photos-Nutzern unbegrenzten Speicherplatz für die eigenen Fotos an, die in dabei in einer Größe von Maximal 16 Megapixeln archiviert bleiben. Auch Videos werden mit einer maximalen Auflösung von 1080p gespeichert.

Die Handy-Apps

Wer das neue Google Photos auf seinem Handy nutzen möchte, muss die entsprechende App aus dem Play Store herunterladen. Um sie zu finden, muss man nach “Photos” suchen, obwohl die App im Deutschen “Fotos” heißt. Das Icon entspricht dem, der alten Android-Fotos-App, die beim Installieren auch vom neuen Dienst ersetzt wird. Startet man die App erstmalig, wird man gefragt, ob man die Fotos vom Gerät automatisch sichern lassen will und falls ja, ob dies nur per WLAN oder auch per Mobilfunk Anbindung geschehen soll. Anschließend werden sämtliche auf dem Handy gespeicherte Fotos hochgeladen. Dies geschieht auch dann, wenn die Fotos bereits zuvor via Google+ gesichert worden sind, da sie nun in den höheren 16 Megapixeln nochmal gesichert werden.

Google Fotos

Google Fotos

Google Fotos

Google Fotos

Google Fotos

Google Fotos

Google Fotos

Google Fotos

Die App selbst ist im Material Design gehalten und sieht minimalistisch, aber durchaus gut aus. Standardmäßig hat man einen Überblick über seine Fotos in chronologischer Ordnung. Per Pinch-to-Zoom-Geste kann die Ansicht anpassen. Bei großen Thumbnails kann man zwischen den einzelnen Tagen scrollen, werden die Thumbnails kleiner, kann man zwischen mehreren Jahren hin- und herscrollen. Wahlweise kann man auch per Kontextmenü zwischen Comfortable View, Day View und Month View wechseln.

Assistent

Google hat in die App auch den Menüpunkt Assistant integriert. Dort scheinen in Google-Now-ähnlichen Karteikarten die Aufnahmen aus, die Google automatisch bearbeitet hat. Aus einer Serienbildaufnahmen macht Google etwa automatisch ein animiertes Gif. Aus mehreren Landschaftsaufnahmen werden automatisch Panoramas generiert. Außerdem werden automatisch Alben von mehreren Fotos an gewissen Orten oder zu einem gewissen Zeitpunkt erstellt.

Diese Funktion ist jedoch nicht neu, wer seine Handy-Bilder schon zuvor über die alte App gesichert hat, hat diese Stories und automatischen Bildbearbeitungen ebenfalls schon bekommen.

Automatische Kategorien

Die wahren Fähigkeiten des neuen Photos eröffnen sich dann, wenn man auf die Lupe am rechten unteren Rand tippt. Jene führt einem zur Suchmaske und bereits vorgefertigten Kategorien. Ganz oben findet sich eine Auswahl an Orten, an denen Fotos gemacht wurden, ein Stück weiter unten verschiedenste andere Kategorien. Von verschiedenen Haustieren, bishin zu Essen, Himmel- oder Skyline-Fotos sind dort automatisch kategorisiert. Taucht eine Kategorie nicht standardmäßig auf, kann man einfach nach dem entsprechenden Begriff suchen.

Die Kategorien funktionieren derzeit einigermaßen gut, sind aber noch nicht wirklich treffsicher. So werden schonmal Ziegen als Hunde, Hochhäuser als Riesenräder oder Menschen als Statuen kategorisiert. Derzeit findet sich in der App auch keine Möglichkeit, falsche Einordnungen in irgendeiner Art und Weise zu korrigieren. Es ist allerdings davon auszugehen, dass der Algorithmus mit der Zeit von Google verbessert wird.

Neben dem automatisch Taggen von Gegenständen, hat Google auch eine Gesichtserkennung in Photos integriert. Jene ist vorerst aber nur in den USA verfügbar. Warum das so ist und ob Google vor hat, das Feature auch in Europa in Photos zu integrieren, ist derzeit noch völlig unklar.

Fotos editieren und Teilen

Wie schon in der früheren Fotos-App, ist es auch in der neuen Variante möglich, Fotos zu editieren. Dabei lassen sich grundlegende Dinge wie Kontrast, Sättigung oder Helligkeit regeln. Je nach Wunsch kann man die Fotos auch mit vorgegebenen Filtern versehen. Die Editier-Optionen sind insgesamt eher minimalistisch und haben nicht das Ausmaß von Apps wie Snapseed, das ja vor einiger Zeit von Google aufgekauft worden ist.

Mit Photos ist es außerdem möglich, Fotos direkt per Facebook, Twitter oder öffentlich zugänglichem Link zu teilen. Wirklich gut funktioniert das Teilen über Facebook jedoch noch nicht. Teilt man ein Foto, wird ein Facebook-Post erstellt, dessen Thumbail das eigene Google-Profilfoto anstatt das zu teilende Foto ist.

Wahlweise kann man sich in Photos auch eine Übersicht anzeigen lassen, welche Fotos derzeit per öffentlichem Link zugänglich sind und es je nach Wunsch auch direkt deaktivieren.

Nicht möglich ist es, ein Foto direkt aus der Web-App per Google Hangouts zu teilen. Dazu muss man nach wie vor den umgekehrten Weg gehen und das Foto über das entsprechende Menü in dem Chat-Dienst suchen und auswählen.

PC und iOS

Photos ist neben Android derzeit auch für iOS und als Web-App verfügbar. Wer nicht nur Handy-Fotos, sondern auch auf dem Rechner gespeicherte Aufnahmen hochladen möchte, kann dafür eine eigene Desktop-App verwenden, die direkt bei Google zum Download zur Verfügung steht. In Sachen Funktionalität und Aufbau gibt es keine Unterschiede zwischen den verschiedenen Plattformen, auf denen Photos verfügbar ist.

Was fehlt

Neben der neuen Übersicht und den neuen Kategorien fehlt in Photos derzeit jedoch noch einiges. Schmerzlich vermisst wird etwa der Chromecast-Support, der in der alten Fotos-App noch vorhanden war. Nun ist der entsprechende Button einfach verschwunden und man kann die Fotos nur noch dann auf den Fernseher bringen, wenn man den gesamten Bildschirminhalt spiegelt.

Wahlweise kann man in Fotos auch einstellen, dass automatisch alle Bilder aus dem eigenen Google-Drive-Folder importiert werden. Diese Option lässt sich nur komplett ein- bzw. ausschalten. Will man also nur einen Ordner bei Google Drive in seinen Fotos aufscheinen haben, hat man keine Möglichkeit, das so festzulegen. Auch scheinen in der Übersicht standardmäßig alle Fotos auf, die man jemals mit irgendjemanden über Hangouts verschickt hat. Derzeit bietet Google keine Möglichkeit, das auszuschalten, was ebenfalls etwas ärgerlich ist.

Fazit

Googles Photos ist ein ambitioniertes Projekt mit einigen beeindruckenden Funktionen. Das automatische Kategorisieren ist ein cooles Feature, auch, wenn es noch relativ oft daneben liegt. Auch das Navigieren durch seine Aufnahmen macht mit der neuen Foto-App Spaß. Selbst dann, wenn alle Aufnahmen in der Cloud liegen, sind beim Durchgehen am Handy kaum Verzögerungen zu bemerken.

Man hat schon fast das Gefühl, dass es bei Google bei neuen Diensten immer so ist, dass einige grundlegende Funktionen beim Start einfach fehlen. Genau das ist auch bei Fotos wieder ein Problem. Besonders der fehlende Chromecast-Support ist unverständlich, genauso wie die nur einseitige Verbindung zum hauseigenen Chat-Dienst Hangouts. Hier liegt jedoch die Hoffnung nahe, dass Google mit Updates nachliefert und Photos, ähnlich wie auch seine E-Mail-App Inbox, kontinuierlich mit zusätzlichen Features ausgestattet. Das Fundament des neuen Dienstes ist jedenfalls solide und macht Lust auf mehr.