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03/01/2019

Günstigere Alternative zum Galaxy S10: Xiaomi Mi 9 im Kurztest

Wir haben das neue Xiaomi-Spitzenmodell Mi 9 und das abgespeckte, noch günstigere Mi 9 SE ausprobiert.

Das Mi 8 hat bereits vergangenes Jahr im futurezone-Test auf voller Länge überzeugen können. Nun hat Xiaomi auf der Handy-Messe in Barcelona sein neues Spitzenmodell Mi 9 präsentiert und dabei noch eins draufgelegt.

Anders als der Vorgänger ist das AMOLED-Display des Mi 9 nicht mehr von einem schweren Balken-Notch geprägt. Beim neuen Xiaomi-Flaggschiff ist die 20 MP Selfie-Kamera in einem kleinen Notch in Tropfenform untergebracht, was dem Mi 9 deutlich besser steht. Die Qualität des 6,39 Zoll großen Displays ist gewohnt hochwertig, da gibt es nichts auszusetzen. Geschützt wird der Touchscreen von Corning Gorilla Glass 6.

Nimmt man das Mi 9 in die Hand würde man nicht vermuten, dass es sich um ein Smartphone handelt, das weniger als 500 Euro kostet. Es fühlt sich leichtgewichtiger und dünner an als das Vorgängermodell, was wohl vor allem an der leicht gewölbten Glasrückseite liegt. Anzumerken ist hierbei, dass sich die Kamera relativ stark vom restlichen Gehäuse abhebt.

Tatsächlich ist das Mi 9 lediglich zwei Gramm leichter als das Mi 8 und in der Länge sogar um fast drei Zentimeter angewachsen. Die Displaydiagonale wurde gegenüber dem Mi 8 um rund 0,2 Zoll verlängert.

Fingerabdrucksensor im Display

Wie schon beim Mi 8 Pro verfügt nun auch das Mi 9 über einen Fingerabdrucksensor, der im AMOLED-Display integriert ist. Beim Mi 8 Pro noch recht launisch und unzuverlässig, soll sich dieser deutlich verbessert haben. Das behauptet zumindest der Hersteller, getestet werden konnte es beim Hands-on nicht.

Bei der Haupt-Kamera hat Xiaomi eine Linse draufgepackt, sodass das Mi 9 über ein Triple-Kamera-Setup verfügt: 48 MP (f/1,8), 16 MP (f/2,2) Weitwinkel und ein 12-MP-Tele (f/2,2) mit optischen Zweifachzoom. Die Bilder, die man im Rahmen der Showcases machen kann, lassen keine endgültigen Rückschlüsse auf die Kameraqualität. Dennoch wirken die paar Fotos, die ich bei dem Hands-on geschossen habe, hochwertig und können selbst bei den miserablen Kunstlichtbedingungen durchwegs überzeugen.

Auf die Kameraspezialisten von DxOMark sind von der Kamera begeistert und haben sie mit 107 Punkten bewertet. Damit liegt das Mi 9 auf dem zweiten Platz der Smartphone-Kameras und muss sich lediglich dem Huawei Mate 20 Pro, Huawei P20 Pro und dem Samsung Galaxy S10 Plus, die sich den ersten Platz teilen, geschlagen geben.

Die neuen Möglichkeiten für die Display-Lichteinstellungen, die Xiaomi ins Mi 9 gepackt hat, konnten beim kurzen Hands-on ebenso nicht getestet werden. Das werden wir in einem ausführlichen Test in den kommenden Wochen nachholen.

Akku kabellos laden

Wie beim Mi Mix 3 lässt sich der 3300 mAh Akku des Mi 9 nun kabellos, per Lade-Pad, aufladen. Kabellos kann das Smartphone mit 20W, kabelgebunden mit 27W geladen werden. Die Wireless-Charging-Station liegt dem Smartphone bei.

Einen Einschub für eine MicroSD-Karte gibt es ebensowenig, wie einen herkömmlichen 3,5mm-Kopfhöreranschluss. Dafür ist im Lieferumfang ein Adapter von USB-C auf Klinke enthalten.

Unter der Haube des Mi 9 befindet sich ein Snapdragon 855. Speichermäßig stehen 64/128 GB mit 6/8 GB RAM zur Auswahl. Beim Betriebssystem kommt Android 9.0 Pie mit der Xiaomi-Benutzeroberfläche MIUI 10 zum Einsatz.

Abgespeckte Version: Mi 9 SE ausprobiert

Neben dem Flaggschiff-Modell hat Xiaomi auch das Mi 9 SE vorgestellt, das über eine leicht reduziertere Hardware verfügt. Auffallend ist auf den ersten Blick natürlich die kleinere Display-Größe. Der AMOLED-Screen misst 5,97 Zoll und löst ebenso mit 1080x2340 Pixeln auf. Der Fingerabdrucksensor befindet sich auch beim Mi 9 SE im Bildschirm integriert.

Im Gegensatz zum Mi 9 hat das Mi 9 SE keine Glasrückseite. Das lässt das kleinere Smartphone nicht ganz so hochwertig wirken, wie seinen größeren Bruder. Auch der Rahmen um das Display ist etwas stärker als beim Mi 9. Notch-mäßig ist das Mi 9 SE aber mit dem Spitzenmodell identisch.

Die wohl größten Abstriche muss man bei der Kamera und beim Akku machen. Während die Selfie-Kamera unverändert bleibt, ist die Hauptkamera auf der Rückseite etwas schwächer ausgestattet: Die 48 MP Linse hat beim Mi 9 SE keinen Laser-Autofokus, ebensowenig die zweite Linse, die "nur" mit 13 MP auflöst. Bei der dritten Linse wurde die Auflösung auuf 8 MP reduziert.

Schwächere Kamera

Beim kurzen Ausprobieren konnte aber auch die Fotoqualität des Mi 9 SE durchwegs überzeugen. Aus nachvollziehbaren Gründen konnten sie nicht mit den Fotos des Mi 9 mithalten, schafften es aber trotz widriger Lichtverhältnisse und sich ständig bewegenden Menschen, scharfe Bilder aufzunehmen.

Der Akku des Mi 9 SE kann nicht kabellos geladen werden und auch beim kabelgebundenen Laden wird die Ladezeit etwas länger sein, da es sich nicht mit 27W sondern nur mit 18W laden lässt. Die Akkukapazität ist mit 3070 mAh ebenso leicht reduziert.

Angetrieben wird das Mi 9 SE von einem Snapdragon 712 und 6 GB RAM. Als Speicher stehen 64 und 128 GB zur Verfügung. Es gibt keinen Kopfhöreranschluss und keine Möglichkeit den internen Speicher mit einer MicroSD-Card zu erweitern.

Preise und Verfügbarkeit

Das Mi 9 wird voraussichtlich im März ab 449 Euro zu haben sein. Das Modell mit der größeren Speichervariante wird 499 Euro kosten.

Wer sich das Mi 9 SE kaufen will, muss sich etwas länger gedulden. Nach aktuellem Informationsstand soll die abgespeckte Version im Mai in Österreich in den Handel kommen. Der Preis wurde noch nicht bekannt gegeben, dürfte aber ungefähr bei 350 Euro liegen.

Erster Eindruck

Das Mi 9 ist wie schon das Mi 8 ein Highend-Smartphone zu einem Mittelklasse-Preis. Von den technischen Spezifikationen steht es in keinem Punkt den Konkurrenzmodellen, die um die 1000 Euro kosten nach.

In Anbetracht eines Preises unter 400 Euro, wird das Mi 9 SE ein günstigster Weg sein, um an ein Smartphone mit OLED-Display samt integrierten Fingerprintsensor zu kommen.

Mit dieser extrem aggressiven Preispolitik, mit der Xiaomi in den Markt fährt, muss sich die Konkurrenz warm anziehen, um nicht noch weitere Marktanteile an den chinesischen Hersteller zu verlieren - was wohl kaum zu verhindern ist.