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Spielkonsole

Hands-On: 15 Spiele für den 3DS angetestet

Schon auf der Videospielemesse E3 in Los Angeles im Juni vergangenen Jahres durfte man Hand an Nintendos neueste, portable Spielkonsole legen. Allerdings gab es dort hauptsächlich Tech-Demos zu sehen, die richtigen Games konnten noch nicht getestet werden. So bekam man zwar einen Eindruck der 3D-Fähigkeiten, aber keine Antwort auf die Frage, ob die zusätzliche Tiefe das Gameplay beeinflussen wird oder einfach nur ein optischer Gag ist. In Amsterdam, bei einer großen Nintendo-Veranstaltung, war es nun möglich, einen echten Eindruck des 3D-Gamings zu bekommen.

Hardware
An der Hardware hat sich seit der Präsentation auf der E3 nichts geändert. Der obere Bildschirm, der 3D ohne Spezialbrille darstellen kann, hat eine Diagonale von 3,5 Zoll. Die Auflösung beträgt 800 x 240 Pixel, wobei sich die 800 in 400 für das linke und rechte Auge aufteilen. Die Auflösung, die man also wirklich zu sehen bekommt, ist 400 x 240 Pixel in 3D. Das untere Display ist, wie auch beim Nintendo DS, ein Touchscreen mit 3-Zoll-Diagonale. Die Auflösung des Touchscreens ist mit 320 x 240 Pixel etwas größer als beim DS (256x 192).

Der 3D-Effekt kann mit einem Schieberegler an der rechten Seite des Gehäuses angepasst oder ganz ausgeschalten werden. Letzteres empfiehlt Nintendo bei Kindern unter sechs Jahren, da die sonst Augenschäden davontragen könnten. Der 3D-Modus kann deshalb auch per Code gesperrt werden. Der Schiebemechanismus hat aber noch einen weiteren Grund: Je nach Nutzer wird der 3D-Effekt verschieden stark oder schwach wahrgenommen - so kann jeder seine Optimaleinstellung finden.

Spielerei
In der Praxis kann das ein Geduldsspiel sein. Da jedes Spiel den 3D-Effekt unterschiedlich nutzt, kann es schon ein paar Minuten dauern, bis die richtige Kombination aus Schieberegler-Einstellung und Entfernung des 3DS zum Nutzer gefunden ist. Ist die richtige Position gefunden, sollte man diese beibehalten, denn schon eine kleine Variation im Betrachtungswinkel oder der Entfernung Auge/Bildschirm lässt statt sauberer 3D-Grafik Doppelbilder erscheinen.

Steuerung
Eine weitere Neuerung des 3DS ist der Circle-Analog-Stick. Er ist da, wo vorher das digitale Steuerkreuz war, das jetzt darunter liegt. Der Circle-Analog-Stick ist im Vergleich zur Sony PSP etwas größer ausgefallen und nach innen gewölbt. Dadurch lässt er sich einfach und präzise in die gewünschte Richtung schieben. Ebenfalls neu ist die Home-Taste, die einen Schnellzugriff auf das Hauptmenü ermöglicht. Während man sich in diesem auffällt, wird das Spiel im Hintergrund pausiert und kann später wieder aufgenommen werden.

Der 3DS hat auch Bewegungssensoren eingebaut. Da man aber für den brillenlosen 3D-Effekt frontal auf das Display schauen muss, wurden keine Spiele gezeigt, die Kipp-Bewegungen erforderten. Stattdessen schwenkt man meistens den 3DS synchron mit dem Kopf durch den Raum.

Kameras
Wie auch schon der DSi hat der 3DS Kameras eingebaut. Neben der Front-Kamera gibt es zwei Kameras auf der Rückseite, die 3D-Aufnahmen erstellen. Das ist aber mehr Gag als nützliche Funktion, da diese nicht nur lichtschwach, sondern mit einer Auflösung von 0,3 Megapixel (640x480 Pixel) auch nicht hochauflösend sind. Am Bildschirm sehen die Aufnahmen deshalb meist zu dunkel und verschwommen aus.

Ebenfalls ein witziges Gimmick ist der Mii Maker: Man macht ein Foto von sich und der 3DS erstellt daraus das Gesicht des Mii-Avatars. Die Miis werden, wie schon bei der Wii, das virtuelle Ebenbild des Nutzers und auch in einigen Games als Spielfigur dienen.

Verbindung
Wie schon beim DSi werden die WLAN-Standards 802.11 b und g unterstützt. Neu ist "SpotPass" und "StreetPass". Bei SpotPass lädt der 3DS automatisch Nachrichten und Zusatzinhalte (etwa ein neuer Gegenstand für ein Spiel) herunter, wenn er in einem WLAN eingeloggt ist. Das funktioniert auch, wenn der 3DS im Sleep Mode (zugeklappt, nicht ausgeschalten) ist. Im bestimmten Ländern hat Nintendo Partnerschaften mit öffentlich-zugänglichen Hotspots. Ist der 3DS etwa in Deutschland in Reichweite eines eigentlich sonst kostenpflichtigen T-Mobile-Hotspots, lädt er trotzdem automatisch die neue Mitteilung oder den Spielgegenstand herunter. Ob das auch in Österreich funktionieren wird, ist noch nicht bekannt.

StreetPass funktioniert ähnlich, nur das hierbei die 3DS-Konsolen untereinander Daten austauschen - auch wenn sie im Sleep Mode sind. Gehen etwa zwei 3DS-Besitzer aneinander vorbei, während ihre Konsolen in Handtasche oder Rucksack verstaut sind, tauschen die eine Art Visitenkarte in Form eines Mii-Avatars aus. Damit kann man später Kontakt aufnehmen oder so Gegenstände für bestimmte Spiele erhalten. Einige Spiele ermöglichen so sogar Mini-Games (siehe Street Fighter). Die Funktion StreetPass kann ausgeschalten werden, wenn man nicht möchte, dass Spitzname und Mii automatisch weitergegeben werden.

Hat man einen anderen Spieler als Freund hinzugefügt, kann man, ähnlich wie bei der Xbox360, sehen, wenn dieser online ist und welches Spiel er spielt. Hat das Game einen Multiplayer-Modus, kann man den Freund zu einer Runde auffordern.

Spiele
In den ersten paar Wochen nach dem Marktstart des 3DS sollen über 25 Spiele verfügbar sein. Welche davon schon am 25. März erhältlich sind, wollte Nintendo noch nicht verraten. Laut Nintendo wird es möglich sein die meisten DS- und DSi-Spiele am 3DS zu spielen. Wie diese dann aussehen werden, bzw. ob für diese auch ein 3D-Effekt berechnet wird, hat Nintendo nicht gezeigt. Die FUTUREZONE hat beim 3DS-Event in Amsterdam folgende Games angespielt:

Super Street Fighter IV 3D-Edition: Bei dem Beat-em-Up war der 3D-Effekt am schönsten bei den Figuren bemerkbar. Die 35 zur Auswahl stehenden Kämpfer sehen wirklich plastisch aus und wirken fast so, als würde man eine Actionfigur betrachten. Ein 3D-Tiefeneffekt, also mehrere Ebenen im Hintergrund, war nicht zu sehen. Das macht aber nichts, da die Kämpfer in diesem klassischen Arcade-Game ohnehin immer auf derselben Höhe stehen. Um den 3D-Effekt dennoch zu betonen, gibt es eine alternative Kamera-Perspektive, die das Geschehen nicht von der Seite, sondern aus einer Art Schulterperspektive des eigenen Kämpfers zeigt. Damit auch Anfänger einen leichteren Zugang zu Street Fighter haben, ist es möglich über den Touchscreen Moves per Fingerdruck auszuführen, die sonst etwa mit einem Viertelkreis auf dem Steuerkreuz plus einer Schlagtaste ausgelöst würden. Doch Fans der Serie müssen keine Angst haben deshalb von Neulingen verprügelt zu werden: Die Option ist abschaltbar und im Multiplayer-Modus kann nach Gegnern gesucht werden, die den Touchscreen ebenfalls deaktiviert haben.

Street Fighter wird Gebrauch von den Verbindungsmöglichkeiten des 3DS haben. Online können sich Spieler aus der ganzen Welt duellieren, genauso wie per lokalem WLAN, wenn sie sich gegenüber sitzen. Beim Online spielen sorgt ein Match-Making-System dafür, dass ein gleichstarker Gegner gefunden wird. Neu ist, dass andere Spieler die Online-Duelle in einer Art TV-Modus auf ihren 3DS-Geräten live mitverfolgen können. Street Fighter unterstützt auch StreetPass: Durch das Spielen im Einzelspieler-Modus erhält man Figuren, die auch mit anderen Spielern getauscht werden können. Stellt man eine Figur in StreetPass ein und geht an einem Spieler vorbei der dasselbe gemacht hat, findet ein Kampf statt. Das Ergebnis sieht man, wenn das nächste Mal den 3DS aufklappt wird.

Ebenfalls wird Street Fighter Download Play unterstützen. Haben zwei Spieler einen 3DS, aber nur einer Street Fighter, können sie trotzdem gegeneinander antreten. Allerdings ist der Nutzer ohne Spiel auf nur einen Charakter beschränkt. Haben zwei Nutzer die Mini-Version von Street Fighter von einem Spieler erhalten, können auch diese gegeneinander mit fix vorgegeben Kämpfern antreten - ganz ohne, dass einer der Beiden das Spiel besitzt.

Nintendogs + Cats: Am Gameplay hat sich nicht allzu viel geändert: Man streichelt einen virtuellen Hund, bzw. jetzt auch eine virtuelle Katze, spielt mit ihnen oder bekleidet sie mit Accessoires. Bei diesem Spiel macht sich am deutlichsten der 3D-Tiefeneffekt bemerkbar. Es ist, als würde man wirklich in einen Raum hineinschauen, indem Hund und Katze herumtollen, anstatt auf ein flaches Display zu blicken. Am Gameplay ändert sich dadurch nichts, es sieht aber gut aus. Als kleiner Gag kommt die Gesichtserkennung zum Einsatz: Will ein anderer Nutzer mit dem Hund spielen, hat dieser vor der fremden Person Angst und beginnt zu bellen.

Dead or Alive Dimensions: Bei diesem 3D-Beat-em-Up wird die höhere Rechenleistung des 3DS im Vergleich zum DSi deutlich. Die Grafik ähnelt jetzt mehr einem PS2- oder Xbox-Spiel, als der vom DSi-gewohnten Zeichentrick-Optik. Der 3D-Effekt fällt in der Hitze des Gefechts nur wenig auf. Allerdings macht er sich bei den Siegesposen bemerkbar. Bei der Nahaufnahme des Kämpfers entsteht der Eindruck, als würde die erhobene Faust aus dem Bildschirm hinausragen. Wie auch bei Street Fighter gibt es die Möglichkeit Moves und Combos am Touchscreen anzeigen zu lassen und per Fingerdruck auszuwählen.

Asphalt 3D und Ridge Racer 3D: Bei Rennspielen ist der 3D-Effekt mehr störend, als beeindruckend. Umso länger man fährt, umso schwieriger wird es bei den schnellen Bildwechseln mit den Augen so zu fokussieren, dass der 3D-Effekt sauber und ohne Doppelbilder zu sehen ist. Denn sobald Doppelbilder erscheinen wird es fast unmöglich die Kurve richtig zu fahren oder einem entgegenkommenden Auto auszuweichen.

Pilotwings Resort: Auch hier befindet sich die Kamera hinter dem Flugzeug bzw. im Cockpit, während die Umgebung vorbeizieht. Dadurch ergibt sich dasselbe Problem mit dem 3D-Effekt: Je länger man fliegt, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass die dreidimensionale Wahrnehmung nicht optimal funktioniert. Im Test war dies, wie auch bei den Autorennspielen, schon nach gut einer Minute der Fall.

Steel Diver: Bei diesem U-Boot-Spiel gibt es zwei Modi. Bei einem wird das U-Boot von der Seite gezeigt, gesteuert wird durch Bedienen des Tiefenruders, Lufttanks und Geschwindigkeit über den Touchscreen. Der räumliche Effekt macht sich hier durch den Hintergrund mit mehreren Ebenen bemerkbar, der allerdings nicht so realistisch wie bei Nintendogs + Cats wirkt. Im zweiten Modus wird im 3D-Bildschirm eine Periskop-Ansicht gezeigt. Um gegnerische Schiffe anzuvisieren, hält man den 3DS in Kopfhöhe und dreht sich nach links oder rechts. Diese Einarbeitung des Bewegungssensors in das Spiel macht durchaus Spaß. Der 3D-Effekt ist dezent, lässt aber die Wellen bei starkem Seegang plastischer aussehen.

Resident Evil: The Mercenaries 3D: Hierbei handelt es sich noch nicht um den angekündigten, vollwertigen Resident-Evil-Teil, sondern um eine Erweiterung des Mercenaries-Modus. Dieser war bei Resident Evil 4 und 5 enthalten und wurde nach dem Durchspielen freigeschalten. Das Ziel ist in einem Zeitlimit möglichst viele Gegner auszuschalten. Auch beim 3D-Pendant ist das der Fall, nur das mehr Charaktere und Levels zur Verfügung stehen. Ein Online-Coop-Modus ist ebenfalls geplant. Die Grafik kann überzeugen und hebt sich deutlich von früheren DSi-Titeln ab. Auch die Steuerung mittels Analog-Stick ist jetzt fast wie auf den großen Konsolen. Der 3D-Effekt ist eher passiv - nach kurzer Zeit vergisst man, dass er da ist, weil man sich auf das hektische Geschehen konzentriert.

Kid Icarus: Uprising: In diesem Arcade-Shooter wird die Figur aus der Third-Person-View gezeigt. Gelaufen, bzw in manchen Levels geflogen, wird mit dem Analog-Stick, geschossen mit der L-Taste. Zielen muss man mit dem Stylus, indem der Punkt auf dem Touchscreen berührt wird, der der Position des Gegners auf dem 3D-Bildschirm entspricht. Dadurch ergibt sich eine sehr unbequeme Handhaltung. Der 3D-Effekt kommt in den Flug-Levels besser zur Geltung als im Bodenkampf. Jedoch ist es durch die Handhaltung schwierig, den 3DS in Optimalposition zu halten, weshalb oft Doppelbilder zu sehen sind.

The Legend of Zelda: Ocarina of Time 3D: Das RPG-Adventure erschien ursprünglich für Nintendo 64 und sieht in der 3DS-Version besser aus als damals das Original. Der 3D-Tiefeneffekt lässt die Umgebung lebendiger wirken, ohne, dass er übertrieben oder künstlich erscheint.

Face Raiders: Dieses Augmented-Reality-Spiel ist auf dem 3DS vorinstalliert. Zuerst wird ein Foto des Spielers gemacht. Jetzt zeigen die Außenkameras das aktuelle Bild am Display, in diesem zusätzlich Luftballone mit dem Gesicht des Spielers erscheinen. Um zu zielen, wird der ganze 3DS bewegt. Obwohl das Spiel recht simpel ist, macht es dennoch Spaß und liefert einen Vorgeschmack auf zukünftige Augmented-Reality-Games.

Bei einem anderen, gezeigten Augmented-Reality-Spiel wird eine Papierkarte auf einen Tisch gelegt. Der 3DS blendet an dieser Stelle Zielscheiben ein. Um sie zu treffen, muss man die Position der Konsole verändern - etwa in die Knie gehen oder sich links oder rechts um die Karte herumbewegen. Ein netter Aha-Effekt, auf Dauer aber wenig unterhaltsam.

Pro Evolution Soccer 2011 3D: Ähnlich wie bei Street Fighter wird die Technik des 3DS bei diesem Fußball-Spiel nicht genutzt, um den Hintergrund räumlich darzustellen, sondern um die Fußballspieler plastisch erscheinen zu lassen. Deshalb ist auch die Kamera hinter dem gerade aktiven Spieler positioniert, wodurch Spielfeld-Übersicht und damit auch der Spielspaß deutlich leiden. Zudem sind die Spieler am Bildschirm zu klein, um einen guten 3D-Effekt zu erzielen.

Puzzle Bobble Universe: Völlig unsinnig ist der 3D-Effekt bei klassischen Puzzle-Games wie Puzzle Bobble Universe. Man schießt eine färbige Kugel auf andere färbige Kugeln, um diese aufzulösen. Die räumliche Darstellung ist dabei weder hübsch, noch nützlich. Besser umgesetzt werden die Fähigkeiten des 3DS beim Rätsel-Spiel James Noir’s Hollywood Crimes. Hier muss etwa die Kamera um ein dreidimensionales Objekt bewegt werden, bis ein darin versteckter Hinweis gefunden wird.

Ersteindruck und Ausblick
Der 3DS wird wohl, wie so ziemlich alle Nintendo-Produkte, ein Kassenschlager. Angesprochen werden mit der Spielkonsole nicht nur Kinder, sondern auch Technik-Begeisterte, die brillenloses 3D erleben wollen. Wie zufrieden stellend dieses Erlebnis ist, ist von den Spielen abhängig. Es wird viele Titel geben, die versuchen mit Zwang 3D-Effekte zu nutzen, obwohl es für das Genre keine Besserung oder sogar eine Verschlechterung bringt. Dann gibt es die Spiele, die vorher einfach nicht für Nintendos Handheld-Konsolen erschienen sind, weil DS und DSi nicht die nötige Rechenleistung hatten.

Dann gibt es noch die Gruppe, der wohl die wenigstens Games angehören werden: die, die einigermaßen innovativ sind und den 3D-Effekt und oder die Bewegungssensoren zu einem Bestandteil des Gamesplays machen. Aber auch das garantiert nicht automatisch ein gutes Spiel.

Die letzte Art von Games werden Neuauflagen bekannter Spieleserien sein, wie etwa Zelda, Mario, Starfox und Animal Crossing. Das es hier innovative Neuerungen geben wird, ist unwahrscheinlich. Die Hersteller werden wohl auf Nummer sicher gehen und hoffen, dass sich die Games durch das zusätzliche "3D" im Namen verkaufen - auch wenn die Spieler dasselbe schon in mehrfacher Ausführung auf portablen oder normalen Videospielkonsolen konsumiert haben.

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Gregor Gruber

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