© THQ

Games Vorschau
02/28/2011

Homefront: Das bessere Call of Duty

Die USA ist von Korea besetzt, der Spieler ein Widerstandskämpfer. Doch anstatt eines rot-weiß-blauen Feuerwerks gibt es nur Zweck-Patriotismus in dem am 15. März erscheinenden Shooter zu sehen. Die FUTUREZONE hat die fast fertige Version angespielt und verrät, wieso Homefront besser als Call of Duty werden könnte.

von Gregor Gruber

Es ist ein Szenario, das heute unglaublich erscheint: Im Jahr 2025 besetzt ein vereintes Korea die von der Wirtschaftskrise geschwächten USA. Und doch wirkt es realistisch, ja geradezu logisch, wenn man den Vorspann von „Homefront“ sieht. Das eigentliche Spiel beginnt zwei Jahren nach der Invasion. Die koreanischen Besatzer dulden keine Form von Widerstand oder das, was sie für Widerstand halten. Zivilisten werden gefoltert, hingerichtet oder in Internierungslager verschleppt. Nur langsam rollt der zum Gefangenentransporter umgebaute Bus durch die Straßen, die dem Spieler diese Szenen zeigen. Auch ihm blüht ein ähnliches, wenn nicht noch schlimmeres, Schicksal. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt und kommt in der Form eines Trucks, der in die Seitenwand des Busses crasht.

“Willkommen im Widerstand“
Mit diesen Worten wird der Spieler in seiner neuen Freiheit begrüßt, gefolgt von: „Schnapp dir die Pistole“. Das Gameplay ist das eines typischen Next-Generation-Shooters, a la „Call of Duty: Modern Warfare“ (CoD). Man läuft durch lineare Levels, tappt in vorprogrammierte Fallen und erschrickt vor gescripteten, plötzlich auftauchenden Feinden. Warum dieses Konzept, das sich seit „Half-Life 1“ nicht wesentlich verändert hat, trotzdem funktioniert, liegt in der dichten Atmosphäre.

In Homefront wird nicht in der sibirischen Eiswüste gekämpft oder in den Bergen von Afghanistan. Der Kampf findet auch nicht auf verstaubten Gassen in fiktiven Wüstenstädten stand, sondern auf den einst gepflegten Straßen amerikanischer Vororte. Weitläufige Schlachtfelder gibt es nur selten, wie etwa den Parkplatz eines Einkaufscenters. Stattdessen wird auf Nahkämpfe gesetzt – oft sind die Feinde nur wenige Meter entfernt. Man arbeitet sich durch die Hinterhöfe von Haus zu Haus vor, nutzt ein Baumhaus als Scharfschützenposition und kämpft Auge in Auge auf einem Spielplatz gegen koreanische Angreifer ums Überleben.

Aufrüsten
Zwar ist man meistens in einer kleinen Gruppe mit zwei bis vier Leuten unterwegs, aber dennoch immer in der Unterzahl. Homefront lässt einen spüren, dass man Gejagter und nicht Jäger ist. Die Besatzer warten mit Panzern, Hubschraubern und Selbstschussanlagen auf. Dabei bleibt alles im realistischen Maße und wirkt weniger übertrieben als in „Call of Duty: Modern Warfare 2“.

Um sich mit den CoD-Spielern gutzustellen, hat das Entwicklerteam bei Homefront viel Wert auf die Ausrüstung gelegt. Die Waffen sind allesamt mit Originalnamen vertreten, realistisch nachgebildet und mit verschiedenen Visieren versehen, die ebenfalls echten Zielfernrohren und Rotpunktvisieren nachgebildet sind. Im Mehrspieler-Modus, an dem bis zu 32 Spieler online teilnehmen, können Waffen mit verschiedenen Zubehörteilen ausgerüstet werden, wie bei der CoD-Serie.

Gleichzeitig wird es aber auch Einflüsse aus Spielen wie „Battlefield“ geben. Abschüsse und erfüllte Missionsziele verleihen den Spielern „Battle Points“, mit denen sie Verstärkung in der Form von Drohnen, Panzern und Hubschraubern anfordern können, die direkt steuerbar sind. Es wird einen Commander geben, der wie in „Battlefield 2“ ein normaler Spieler ist, aber das eigene Team koordinieren kann. Dieser kann auch ein Kopfgeld auf einen gegnerischen Spieler aussetzen, wie etwa einen besonders gut versteckten Scharfschützen. Wird der Scharfschütze eliminiert, erhält man dafür Bonuspunkte. Aber auch der Gesuchte erfährt, dass auf ihn ein Kopfgeld ausgesetzt wurde und bekommt Bonuspunkte für weitere Abschüsse.

Eindruck
Was Homefront von Call of Duty und Konsorten unterscheidet, ist die Story, die Stimmung und die Atmosphäre. Es passt alles zusammen, vom Grafikstil über die Charaktere bis zu den Dialogen. Erfrischend ist ebenfalls, dass die Patriotismus-Keule deutlich tiefer geschwungen wird als in anderen Kriegsspielen. So streiten etwa die Widerstandskämpfer untereinander, ob es die Pflicht eines jeden Amerikaners ist zu kämpfen oder ob es deren eigene Entscheidung ist, wie sie ihr Leben führen. Es wird auch gezeigt, dass nicht jeder Amerikaner mit einer Waffe automatisch ein Held und ein Krieger ist. Damit wird das Bild des typischen US-Patrioten angekratzt, das sich seit dem Bürgerkrieg in den Köpfen der amerikanischen Bevölkerung festgesetzt hat. Ein mutiger Schritt der Entwickler, sich, wenn auch dezent, gegen den wichtigsten Absatzmarkt für Videospiele zu stellen.

Homefront erscheint am 15. März für PS3, Xbox360 und PC (ab 18 Jahren).

THQ

THQ

THQ

THQ

THQ

THQ

Die Hintergrund-Story zu Homefront stammt von John Milius, der schon die Drehbücher zu Conan der Barbar, Apocalypse Now und Red Dawn geschrieben hat.

Red Dawn („Die rote Flut“, 1984) ist für leidenschaftliche US-Patrioten ein Kult-Film. Die USA wird teilweise von Russland und China besetzt. Eine Gruppe von Teenagern wird zu Widerstandskämpfern. In Homefront finden sich einige Anspielungen an den Film, von dem gerade ein Remake gedreht wird.