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Test
03/23/2011

Homefront: Grandiose Story für 0815-Shooter

Der First-Person-Shooter schien im Vorfeld der Veröffentlichung alles richtig zu machen. Mit einem ansprechenden Setting, einer umfangreich ausgearbeiteten Handlung und dem Verzicht auf die Patriotismus-Keule, sollte „Call of Duty“ vom Shooter-Thron gestoßen werden. Dabei rausgekommen ist sechsstündige Baller-Standardkost und ein akzeptabler Multiplayer-Modus.

von Gregor Gruber

Wenn John Milius Hand an ein Drehbuch legt, entstehen Kultfilme, wie Conan der Barbar, Apocalypse Now und Red Dawn. Letzterer, hierzulande bekannt als die „Die rote Flut“ (1984), dient nicht nur als Vorlage für ein Film-Remake, das derzeit entsteht, sondern auch als Inspiration für Homefront (PS3, Xbox360, PC, ab 18 Jahren). Im Jahr 2027 wird eine durch Wirtschaftskrise und Pandemie geschwächte USA vom Vereinten Korea angegriffen und teilweise besetzt. Die Besatzer gehen dabei nicht zimperlich mit der Zivilbevölkerung um, versklaven, foltern oder exekutieren diese. Auch dem Spieler droht ein solches Schicksal, er wird aber noch rechtzeitig von Widerstandskämpfern gerettet.

Von da an ist man ständig in Bewegung. In den linearen Levels wirft man sich, meist in Begleitung von zwei oder drei Untergrundkämpfern, einer stetige Übermacht entgegen. Stillstand heißt Tod: Wie in der „Modern Warfare“-Reihe von „Call of Duty“ kommen in den gescripteten Abschnitten meist unendlich Gegner nach, wenn man nicht zur nächsten Deckung läuft. Außerdem sind die Koreaner Meister im Granatenwerfern. Die Sprengkörper landen so gut wie immer genau neben dem Spieler, auch wenn die Deckung noch so sicher scheint.

Was den Feuergefechten fehlt ist das „Mittendrin“-Gefühl. Zwar gibt es im ersten Spieldrittel mehrere Szenen, bei denen man durch Explosionen, Hektik und größere Schlachten in das Spiel hineingezogen wird, danach wird es aber relativ banal. Daran ist zum Teil auch die technische Umsetzung schuld. Explosionen und Einschläge sehen und klingen bei weitem nicht so gut wie in „Call of Duty“. Auch fliegen weniger Fetzen durch zerberstende Fenster oder Kugeln, die in Wänden oder im Boden einschlagen.

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Stärken und Schwächen
Womit Homefront wirklich glänzt, ist die bereits erwähnte Story aus der Feder von John Milius. Das Zukunftsszenario ist logisch erklärt. Immer wieder findet man Texte, wie etwa Zeitungsartikel, im Spiel, die Stück für Stück erklären, wie es zu dem Krieg gekommen ist. Die Ausstattung ist ebenfalls realistisch: Obwohl Homefront in der Zukunft spielt, wird auf Rail Guns und an den Waffen montierte Bewegungsdetektoren verzichtet. Waffen und Ausrüstung entsprechen großteils bereits existierendem Kriegsgerät und sind auch einigermaßen akkurat nachgebildet. Auch das Setting überzeugt: Man kämpft nicht in irgendwelchen Wüsten oder russischen Geheimbasen, sondern in amerikanischen Vororten, die durch die Angriffe verwüstet wurden, auf Parkplätzen und in großen Kaufhäusern. Allerdings nur in den ersten zwei Dritteln des Spiels. Und da die Spielzeit der Kampagne nur fünf bis sechs Stunden ausmacht, ist das nicht gerade viel.

Ein weiteres Problem: In der Story wird öfters versucht darauf einzugehen, wie sich Menschen in Krisensituationen verändern und dass das, was für die selbsternannten Patrioten das offensichtlich Richtige ist, nicht alle Amerikaner so sehen. Allerdings wird durch die extreme Komprimierung kaum näher darauf eingegangen. Auch die Neben-Charaktere, die den Spieler bei seinen Kämpfen begleiten, haben eigene Geschichten zu erzählen – man lässt sie aber nicht. Zwischen zwei Gefechten gibt’s vielleicht einen 20-sekündigen Dialog, auf dem man nur schwer achten kann, da man bereits nach den nächsten Gegnern Ausschau hält. Oder man hört die Dialoge erst gar nicht, da durch Bugs diese manchmal mitten im Satz abbrechen.

Multiplayer
Ein Trostpflaster nach der recht kurzen Kampagne und dessen abruptem Ende ist der Multiplayer-Modus. Bis zu 32 Spieler, aufgeteilt in zwei Teams, treten in zwei Game-Modi (Team Deathmatch und Ground Control) gegeneinander an. Das Gameplay ist eine Mischung aus „Call of Duty“ und „Battlefield“. Wie bei „Call of Duty“ wird der Wunschcharakter gebastelt und mit verschiedenen, freischaltbaren Waffen, Waffenzubehör, Eigenschaften und Sonderausrüstung ausgestattet.

Battle Points“, die während des Kampfes verdient werden, können in einen von zwei vorher ausgewählten Boni investiert werden. Diese helfen entweder dem gesamten Team, wie etwa ein Luftschlag oder ein Radarscan, oder nur dem Spieler, wie etwa eine schusshemmende Weste. Noch dazu gibt es eine Vielzahl an verschiedenen Drohnen. Mit einer unbewaffneten Aufklärungsdrohne können etwa Gegner für das eigene Team markiert werden. Eine andere Drohne wiederum fährt am Boden und hat ein leichtes Maschinengewehr eingebaut, um Infanterie zu bekämpfen. Alternativ kann man Punkte sparen, um nach dem nächsten Ableben in einem Fahrzeug zu starten, wie einem Geländewagen, Panzer oder Hubschrauber.

Fazit
Wären die „Star Wars“-Filme genauso erfolgreich gewesen, wenn jeder nur 25 Minuten gedauert hätte? So ähnlich fühlt es sich mit Homefront an. Was bringt eine genial-konstruierte und ausgearbeitete Geschichte, wenn man daran nur viel zu kurz teilhaben kann? Das Interesse an der Story ist da, aber man wird so durch das Spiel gehetzt, dass es kaum eine Möglichkeit gibt, in das Szenario einzutauchen. Was übrig bleibt, ist ein „Call of Duty“-Klon (sogar die Zeitlupen-Sequenzen gibt’s in Homefront), der zwar nicht schlecht, aber auch nicht herausragend ist. Der Multiplayer-Modus rettet den Shooter und sorgt für eine längere Spielzeit. Wer aber nicht an Online-Mehrspieler-Partien interessiert ist, wird mit Homefront nicht glücklich werden – fünf bis sechs Stunden Spielzeit sind zu wenig, um einen Kaufpreis von 60 Euro zu rechtfertigen.

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