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Spieletest

House of the Dead 4: 90 Minuten für 8 Euro

Das Genre der Lightgun-Shooter ist technisch bedingt, durch das Ende der Röhren-Fernseher, nahezu ausgestorben. Mit der Wii und deren Wiimotes + Sensorleiste wurden die Lightgun-Shooter wiedererweckt. Sehr zur Freude der Fans, die mit Titeln wie Ghost Squad, House of the Dead: Overkill und Resident Evil: Umbrella Chronicles ausgezeichnete Genre-Vertreter für die Wii bekommen haben.

Mit Move hat auch die PS3 ein ähnlich funktionierendes Steuerungssystem wie die Wii und bietet sich damit für grafisch-aufwendigere Lightgun-Shooter an, als diese auf der Wii möglich wären. Nachdem Sega bereits House of the Dead: Overkill als HD-Remake für die PS3 veröffentlicht hat und Capcom dasselbe mit Resident Evil: Darkside Chronicles im Juni machen wird, kommt mit House of the Dead 4 (PSN, 7,99 Euro) ein Lightgun-Shooter direkt aus der Spielhalle auf die PS3 – ohne Umweg über die Wii.

Abgespeckt
Der niedrige Preis ist schnell erklärt: Die Umsetzung entspricht fast 1:1 der Spielhallen-Version. Inklusive der zwei zusätzlichen Level hat man in eineinhalb Stunden das ganze Spiel gesehen. Zwar gibt es bei den vier regulären Level noch Abzweigungen, die an manchen Stellen genommen werden können, diese unterscheiden sich aber nur minimal, sind kurz und führen nach wenigen Minuten  zum selben Ziel. Noch dazu sind viele Gegner und einige Levelpassagen recycelt von House of the Dead 2 und 3.

Das Gameplay bleibt der House of the Dead-Serie treu: Aus der First Person View läuft der Spieler durch die Levels, gesteuert wird nur das Fadenkreuz auf dem Bildschirm, mit dem Zombies und Mutanten ins Visier genommen werden. Das Steuerkreuz kann zwar mit dem normalen PS3-Controller gesteuert werden, wirklich Sinn macht das Spiel aber nur mit einem Move-Controller, der die Lightgun mimt. Zum Nachladen muss der Move-Controller geschüttelt werden, was ungewöhnlich ist. Üblicherweise zielt man bei der House of the Dead-Serie außerhalb des Bildschirms, um nachzuladen. Als Mini-Mini-Game muss der Move-Controller in bestimmten Situationen schnell genug geschüttelt werden, um einen Zombie, der einen gepackt hat, loszuwerden.

Geschossen wird mit Maschinenpistolen, dementsprechend mehr Gegner sind auch gleichzeitig im Bild, als noch bei anderen Teilen der Serie. Werden es zu viele, kann eine der begrenzt verfügbaren Granaten geworfen werden. Andere Waffen gibt es nicht, ein wenig dürftig für einen modernen Lightgun-Shooter. Zumindest kann das Spiel auch zu zweit gleichzeitig gespielt werden. Lightgun-Profis können sich an den Arcade-Modus wagen, um mit nur einem Credit versuchen, eine möglichst hohe Punkteanzahl zu erzielen und so auf das weltweite Leaderbord zu kommen.

 

HD aber nicht zeitgemäß
Die Grafik erinnert mehr an ein Wii-Spiel in HD mit Kantenglättung, als jene von einem echten PS3-Spiel. Der Grund: Der Spielautomat von House of the Dead 4 ist bereits im Oktober 2005 erschienen und dementsprechend grafisch nicht mehr zeitgemäß.

Den Zombies können auch nicht Teile abgeschossen werden, wie es schon bei House of the Dead 2 auf der Dreamcast möglich war. Stattdessen scheinen die Untoten bei Treffern in einer Art orange-farbenen Aschewolke zu verpuffen. Auch der Soundtrack und die lächerliche, englische Mini-Sprachausgabe sind für ein Spiel mit 2012er-Jahrgang fast schon peinlich.

Fazit
Eineinhalb Stunden Spielzeit und davon kennt man einiges schon, wenn man die früheren House of the Dead-Teile gespielt hat. So muss man sich fragen, ob nicht sogar die 8 Euro schon zuviel sind und 5 Euro ein angemessener Preis gewesen wäre. Andererseits: Wenn man nicht gerade am Montag, Dienstag oder Mittwoch ins Kino geht, zahlt man dort für etwa 105 Minuten Unterhaltung auch 8,50 Euro. Als Notfallüberbrückung bis zu Resident Evil: Darkside Chronicles reicht es. Wer nicht gerade ein Lightgun-Shooter-Junkie ist oder zwanghaft versucht die Investition in die Move-Controller zu rechtfertigen, kann auf House of the Dead 4 verzichten.

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Gregor Gruber

Testet am liebsten Videospiele und Hardware, vom Kopfhörer über Smartphones und Kameras bis zum 8K-TV.

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Gregor Gruber

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