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04/06/2016

Huawei stellt P9 vor: Kampfansage an Apple und Samsung

Huawei hat sein neues Flaggschiff-Smartphone vorgestellt. Das P9 setzt auf ein Dual-Kamera-Setup, das die Qualität der Aufnahmen verbessern soll.

Huawei hat im Rahmen einer Pressekonferenz in London sein neues Flaggschiff-Smartphone P9 vorgestellt. Wie erwartet setzt das Smartphone auf ein Dual-Kamera-Setup, das gemeinsam mit dem deutschen Kamera-Hersteller Leica entwickelt wurde. Dieses soll sich vor allem für den "künstlerischen" Einsatz eignen und das "perfekte Foto" ermöglichen.

Huawei P9

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Bereits bei den Vorgängern P7 und P8 versuchte Huawei, mit neuen Kamera-Technologien hervorzustechen, beispielsweise mit einem RGBW-Sensor sowie Lichtmalerei. Die Dual-Kamera war eines der wenigen Details, das im Vorfeld durchsickerte. Auch der Hersteller ließ es sich nicht nehmen und deutete das Kamera-Setup mehrmals an, unter anderem mit dem Hashtag #oo.

Lichtstarke Dual-Kamera

Doch was genau bringt das Dual-Kamera-Setup? Laut Huawei habe es mehrere Vorteile.
So wurden zwei verschiedene Kamera-Sensoren verbaut - einer davon nimmt in Farbe, der andere Monochrom auf - die deutlich mehr Licht einfangen sollen als die Kameras der Konkurrenz. So soll die monochrome Kamera für Details und Kontrast sorgen, wohingegen die Farb-Kamera für die Farbdarstellung zuständig ist.

Dabei setzt man auf mehrteilige Leica-Linsen (H 1:2.2/27 ASPH), die dabei helfen sollen, rund 90 Prozent mehr Licht einzufangen als die Kamera des Samsung Galaxy S7. Während die Linsen von Leica gefertigt werden, stammt der 12-Megapixel-Sensor von Sony (IMX286). Dieser trägt mit einer Pixelgröße von 1,25 µm (iPhone 6s: 1,22 µm) ebenfalls zu den lichtstarken Aufnahmen bei.

Leica steuert aber auch Software-Optimierungen bei, die die Aufnahme von Fotos und Videos optimieren sollen - auch die bekannte Schwarz-Weiß-Optik von Leica-Aufnahme soll dank der verbauten Monochrom-Kamera einfach nachgestellt werden. Sogar der klassische Auslöser-Sound von Leica wurde integriert. Ein Profi-Modus mit zahlreichen Einstellungen soll erfahrenen Fotografen außerdem mehr Kontrolle über die Aufnahme geben. Laut Huawei handle es sich zudem um die erste Weitwinkel-Smartphone-Kamera, die in der Echtzeit-Vorschau die Anpassung das Bokeh ermöglicht.

Zwei Bildprozessoren, mehrere AF-Systeme

Zudem setze man auf einen Hybrid-Autofokus, der mehrere Autofokus-Technologien - Laser-, Tiefenkalkulations- und Kontrast-Autofokus - kombiniert. So könne beispielsweise der Laser-Autofokus für schnelle Makro-Aufnahmen genutzt werden, wohingegen der klassische Autofokus bei Landschaftsaufnahmen seine Stärke zeigen soll. Dazu soll auch ein eigener Bildprozessor beitragen, der lediglich den Autofokus berechnen soll. Ein weiterer, leistungsfähigerer Bildprozessor (14 Bit, 960 MP/s Bandbreite) soll die Berechnung der Foto- und Video-Aufnahmen unterstützen.

Die Smartphone-Kamera des P9 soll dem Prinzip von klassischen Leica-Kameras folgen und intuitiv bedienbar sein. „Leica begrüßt Smartphones in der Welt von Kameras“, so Leica-CEO Oliver Kaltner. „Wir glauben, dass die Konsumenten künftig auf beide Technologien gleichermaßen setzen werden: klassische Leica-Kameras ebenso wie Smartphones mit Leica-Technologie.“

"Vierte Dimension" für Fingerabdruck

Der Fingerabdrucksensor wurde ebenfalls verbessert - er soll nun Erfassung der „vierten Stufe“ ermöglichen. Dabei werden auch Tiefeninformationen des Fingerabdrucks aufgezeichnet. Das Austricksen des Sensors soll so deutlich erschwert werden. Im Inneren des Smartphones verrichtet der von Huaweis Chip-Schmiede HiSilicon gefertigte Octacore-SoC Kirin 955 seine Arbeit (4 mal A72-Kerne mit 2,5 GHz, 4 A53-Kerne mit 1,8 GHz), der im FinFET-Verfahren gefertigt wurde.

Typisch für Huawei: Das Smartphone soll weltweit als Dual-SIM-Modell angeboten werden. Ungewöhnlich ist jedoch, dass sowohl microSIM- als auch nanoSIM-Karten verwendet werden können. Diese Technologie wurde laut Huawei bereits patentiert.

Bunt mit Keramik und Metall

Die Dual-Kamera wird von Glas geschützt, hinter dem sich auch eine Keramik-Schicht befindet. Der Übergang von Metall-Unibody zum Glas soll nahtlos sein. Das Smartphone ist mit 6,95 Millimetern rund einen Millimeter dünner als die aktuellen Flaggschiff-Modelle von Samsung und Apple.

Das Smartphone setzt auf einen 5,2 Zoll großen LC-Bildschirm, der mit Full HD (1920 mal 1080 Pixel) auflöst. Das entspricht einer Pixeldichte von 423 ppi. Der Bildschirm soll sich durch eine besonders hohe Farbsättigung (96 Prozent) sowie hoher Helligkeit (500 nits) auszeichnen. Zudem wurde ein 3.000-mAh-Akku verbaut, der ausreichend Leistung für mehr als einen Tag bei "starker Nutzung" bieten soll.

So soll unter anderem acht Stunden Surfen im 4G-Netz mit einer Ladung möglich sein. Huawei unterstützt auch eine Schnellladefunktion - zehn Minuten Laden soll bis zu fünf Stunden Telefonieren ermöglichen. Zudem wird der neue USB-Typ-C-Stecker unterstützt. Es wird zum Marktstart in sechs verschiedenen Farben (Titanium Grau, Mystic Silber, Prestige Gold, Rose Gold, Haze Gold, Ceramic White) angeboten.

Den Seitenhieb zu Apple und Samsung konnte sich der chinesische Konkurrent ebenfalls nicht verkneifen. So soll das P9 auf die oftmals kritisierte hervorstehende Kamera verzichten, die beim S7 und iPhone 6s zu finden ist. Zudem biete man aufgrund des sehr schmalen Rahmens (1,7 Millimeter rechts und links) ein deutlich besseres Bildschirm-zu-Gehäuse-Verhältnis als die Konkurrenz.

Plus-Modell, Lite und Preis

Neben dem Flaggschiff P9 wurde auch ein etwas größeres Modell, das P9 Plus, vorgestellt. Dessen Bildschirm ist mit 5,5 Zoll etwas größer, die Auflösung ist aber gleich (401 ppi). Damit folgt Huawei jenem Schema, auf das bereits Smartphone-Marktführer Samsung und US-Konkurrent Apple setzen, die ein „kompaktes“ sowie ein Phablet-Modell anbieten. Man wolle den Konsumenten mehr Auswahl bieten, so Richard Yu, CEO der Consumer-Sparte von Huawei. Mit Ausnahme des etwas größeren Akkus (3.400 mAh), der höheren Farbsättigung des Panels (108 Prozent) sowie einer etwas lichtstärkeren Weitwinkel-Linse für die Frontkamera ist es jedoch baugleich mit dem P9.

Force Touch, das mit dem Huawei Mate S eingeführt wurde, sowie der verbaute IR-Blaster bleiben ebenfalls dem Plus-Modell vorbehalten. Das Huawei P9 ist ab Mitte Mai in den Farben Titanium Grey und Mystic Silver um 549 Euro (UVP) erhältlich. Das Huawei P9 Lite ist voraussichtlich ab Anfang Juni zu einer UVP von 279 Euro erhältlich. Später soll das P9 Plus folgen, zum Preis hat man sich bisher nicht geäußert.