© Gregor Gruber

Beamer-Vergleich
01/20/2012

Im Test: Vier Projektoren für den Büro-Alltag

Die futurezone hat vier Projektoren für das Büro getestet, die zwischen 600 und 800 Euro kosten. Auf den Prüfstand standen der großgewachsene Allrounder Canon LV-8225, der lichtstarke 3M X21, der portable NEC L50W LED und der farbkräftige Epson EB-W9.

von Gregor Gruber

Ein neues Jahr, dasselbe alte Büro. Wenn es schon nicht für eine Renovierung oder einen Umzug in neue Räumlichkeiten reicht, kann zumindest bei der technischen Ausstattung nachgerüstet werden. Und auch wenn Office-Projektoren nicht gerade den Ruf haben hip oder sexy zu sein, wird auch so manches Start-up mit der Anschaffung eines Büro-Beamers liebäugeln. Die futurezone hat vier Modelle getestet, die unter 800 Euro kosten, aber dennoch gute Leistungen abliefern.

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3M X21

Designtechnisch ist der X21 (799 Euro UVP, im Web ab 700 Euro) kein Highlight: Grau dominiert und die sehr dick ausgefallene Fernbedienung sieht aus, als gehöre sie zu einem Radio, der Ende der 90er hergestellt wurde. Ein kleiner Lichtblick ist die dezente Rundung der Oberseite, die zumindest etwas vom „Kastl“-Look nimmt.

Wenn es um Leistung geht, ist aber Schluss mit „graue Maus spielen“. Der X21 hat mit 2700 ANSI Lumen die stärkste Lampe im Test. Das erlaubt eine theoretische maximale Bilddiagonale von 422 Zoll. An der Unterseite gibt es vorne zwei Standfüße, um den Winkel des Beamers zu verändern. Der Staubfilter an der linken Seite kann ohne Werkzeug entnommen werden.

Im Test auf realistische Büro-Distanzen (ein Meter bis fünf Meter Abstand zur Wand) reichte der Öko-Modus aus (1900 Lumen), um auch bei eingeschalteter Innenbeleuchtung und nicht abgedunkelten Fenstern ein gut sichtbares Bild zu bekommen. Die Farben waren im Ordnung, am besten eignete sich der „Präsentations“-Modus in den Farbprofilen, der zusätzlich den Kontrast erhöht. Die anderen Modi sind eher für abgedunkelte Räume geeignet. Für White-, Green- und Blackboard-Präsentationsflächen gibt es eigene Farbmodi.

Das Signal erhält der Beamer entweder durch einen Komponenten oder S-Video-Eingang oder ein VGA-Kabel. Die Audio-Ausgabe ist über einen 1-Watt-Lautsprecher möglich. Die Auflösung ist mit 1024x768 Pixel nicht mehr ganz zeitgemäß.

Das Lüftergeräusch im Öko-Modus ist dezent und fällt nicht störend auf. Dafür wird der X21 aber ordentlich heiß – trotz Öko-Modus. An der Fernbedienung finden sich alle wichtigen Funktionen, inklusive Freeze-Taste und zwei frei belegbare Tasten. Schließt man den Beamer per USB-B an den Computer an, kann per Fernbedienung der Mauscursor gesteuert werden.

Die Menüführung ist verständlich und die automatische Trapezkorrektur funktionert problemlos. Die Zoom- und Schärfeeinstellung am Objektiv hat genug Widerstand, um auch präzise Einstellungen problemlos vorzunehmen. Sowohl auf dem Projektor als auch auf der Fernbedienung ist eine „Blank“-Taste vorhanden. Diese blendet ein weißes oder schwarzes Bild statt der aktuellen Präsentation ein, um die Aufmerksamkeit wieder auf den Präsentierenden zu lenken.

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Canon LV-8225

Der Canon-Projektor LV-8225 (749 Euro UVP, Web ab 570 Euro) ist der größte Beamer im Test, der optisch nicht ganz optimal gelungen ist. Der einzelne Standfuß zur Winkeleinstellung an der Vorderseite wirkt zwar nicht so, als könnte er den wuchtigen Projektor stemmen, schafft es aber. Dennoch ist es ein bisschen eine wackelige Angelegenheit, zwei Standfüße würden für mehr Stabilität sorgen.

Der Beamer hat eine Auflösung von 1280x800 Pixel und 2500 Lumen. Auch hier reicht der Öko-Modus für die meisten Lichtsituationen aus. Der Projekter ist etwas leiser als der 3M X21 und entwickelt auch deutlich weniger Hitze. Dafür ist die automatische Trapezeinstellung aber nicht ganz so effektiv, wie die des X21.

Das Signal kommt über Komponenten-Video oder VGA. Über den Netzwerkanschluss kann der LV-8225 in Raum- und Mediensteuerungssysteme integriert werden. Ton kann über den internen 10-Watt-Lautsprecher wiedergegeben werden.

Bei der Darstellungs-Qualität ist der Canon LV-8225 der Testsieger. Die Schärfe ist sehr gut und die Farben authentisch. Wie bei den anderen Projektoren auch gibt es voreingestellte Farbprofile und die Möglichkeit eigene Profile zu erstellen. Der Standard-Modus „Präsentation“ sorgte in den meisten Fällen für das beste Resultat.

Im Vergleich zum Gerät wirkt die Fernbedienung deutlich moderner. Sie ist zudem kleiner als die des X21, bietet aber dennoch Zugriff auf die wichtigsten Funktionen. Zu der Blank- und Freeze-Taste kommt noch „P-Timer“ hinzu. Dieser blendet die verstrichene Zeit ein – ideal für eine Runde Powerpoint-Karaoke. Die Fokus- und Zoomeinstellung am Objektiv funktioniert problemlos.

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Epson EB-W9

Der Epson EB-W9 (625 Euro UVP, Web ab 530 Euro) sieht für einen Office-Beamer überraschend gut aus. Die weiße Glanzoptik mit abgerundeten Kanten lässt ihn ein bisschen wie ein süßes Plastik-Projektor-Ei wirken – sofern man einen Beamer als süß bezeichnen kann. Der EB-W9 ist eine Spur kleiner als der 3M X21. Er hat eine integrierte Schutzklappe für die Linse und die Tasten am Gerät sind leicht eingelassen. Dadurch lässt er sich einfacher transportieren. Als zusätzlicher Transportschutz ist noch eine dünne Textilhülle im Lieferumfang enthalten.

Als einziger Beamer im Test hat er nicht nur an der Vorder- sondern auch an der Hinterseite Standfüße, um den Winkel zu justieren. Die Videoausgabe erfolgt mit 1280x800 Pixel, Ton über einen 1-Watt-Lautsprecher. Als Eingangsquelle dient VGA, S-Video oder Komponenten-Video. Auch über den USB-B-Anschluss kann das Bild vom Computer wiedergegeben, sowie die Maus per Fernbedienung gesteuert werden.

Im normalen Modus (2500 Lumen) erzeugt der EB-W9 ein ungutes, brummendes Lüftergeräusch. Im Öko-Modus (1960 Lumen) verstummt dieses großteils, dennoch ist er lauter als der 3M und Canon-Beamer. Die Temperaturentwicklung im Öko-Modus ist ähnlich hoch wie beim 3M-Projektor.

Die Farben sind, selbst im Öko-Modus zu intensiv, was die Darstellung verfälscht und möglicherweise bei Präsentationen mit verschieden färbigen Diagrammen zu Missverständnissen führen kann. Am ehesten ist noch der Farbmodus „SRGB“ zu empfehlen, um eine möglichst authentische Darstellung zu erzielen.

Die Zoom- und Schärfeeinstellung am Objektiv sind weniger präzise als beim 3M- und Canon-Modell, zudem quietscht die Schärfeeinstellung. Eine automatische Trapezkorrektur gibt es nicht und die manuelle Korrektur liefert nicht immer einwandfreie Resultate. Das Bild wirkt oft verzerrt, egal wie viel man herumstellt. Die Fernbedienung hat die üblichen Funktionen, zusätzlich kann noch ein Cursor eingeblendet werden, der sich über die Pfeiltasten der Fernbedienung bewegen lässt.

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NEC L50W LED

Der NEC L50W LED (599 Euro UVP, Web ab 510 Euro) ist die Ausnahme im Testfeld. Der Beamer versucht den Spagat zwischen Mini-Beamer und Office-Projektor zu schaffen. Er ist besonders kompakt, leicht und hat eine eingebaute Linsen-Abdeckung, um den Transport zu erleichtern (eine Neopren-Schutzhülle ist im Lieferumfang enthalten). Außerdem sieht er in der schwarzen Klavierlack-Optik recht gut aus. An der Unterseite ist der übliche Standfuß vorne zur Winkeleinstellung, aber auch ein Standard-Gewinde, um den Beamer an ein Kamera-Stativ zu schrauben.

Der Nachteil der kompakten Bauweise ist die geringere Helligkeit von 500 Lumen – die aber noch immer deutlich höher als bei Pocket-Beamern ist. Für eine ausreichende helle Darstellung sollte zumindest zwischen Projektor und Projektionsfläche das Licht abgeschaltet bzw. der Raum verdunkelt werden. Ein weiterer Nachteil: Die Linse hat keine Zoom-Funktion. Um die Größe des Bildes einzustellen, muss der Beamer also händisch in einen Abstand zwischen 0,5 und drei Meter zur Projektionsfläche positioniert werden.

Der L50W ist relativ laut. Zwar gibt es auch hier einen leiseren Öko-Modus, dieser ist aber aufgrund der geringen Helligkeit kaum zu gebrauchen. Die Schärfe ist zwar manuell am Objektiv justierbar, dennoch ist das Bild nicht so scharf wie von den anderen Beamern im Test. Dafür funktioniert aber die automatische Trapezkorrektur problemlos. Die Tonausgabe ist am Beamer über einen 2-Watt-Lautsprecher möglich.

Als einziger Beamer im Test hat der L50W nicht nur einen VGA- und Komponenten-Videoeingang, sondern auch einen HDMI-Eingang. Zusätzlich kann er auch über ein Mini-USB-Kabel an den Computer angeschlossen werden. Die benötigten Treiber werden direkt vom Projektor installiert. Über das USB-Kabel kann auch der 1GB interne Speicher des Projektors befüllt werden. So wird das Gerät zum Standalone-Beamer, der zur Wiedergabe nur noch Strom und keinen Computer braucht. Wiedergegeben werden können Office-Dokumente (auch Powerpoint-Präsentationen), Bilder und Videos. Das Wechseln zwischen Folien bei Präsentationen oder zwischen Bilder dauert aber relativ lang. Auch werden nicht alle Videoformate unterstützt, weshalb man, bevor man ohne Laptop loszieht, besser testen sollte, ob der Projektor die gewünschte Datei wiedergeben kann. Die Inhalte können auch von einem USB-Stick oder einer SD-Karte direkt am Beamer wiedergegeben werden.

Am Beamer selbst gibt es nur zwei Tasten. Die Menüführung erfolgt ausschließlich über die sehr kompakte Fernbedienung. Diese nutzt eine Knopfbatterie. Da diese weniger gängig sind als AA oder AAA-Batterien, sollte man deshalb immer eine Ersatzbatterie dabei haben – denn geht die Fernbedienung nicht, ist auch der Beamer lahmgelegt.

Fazit

Das beste Bild liefert der hässlichste Beamer: Der Canon LV-8225 ist eben ein waschechter Office-Projektor. Zum Mitnehmen eignet sich der Klotz allerdings kaum. Da sind die Modelle von 3M und Epson schon portabler. Das bessere Bild der zwei hat das 3M-Modell. Er ist auch der hellste Beamer im Test, hat aber gleichzeitig die geringste Auflösung. Der Epson-Projektor EB-W9 ist zwar noch eine Spur portabler, hübscher, günstiger und hat eine höhere Auflösung, aber die schlechtere Trapezeinstellung und weniger Farbechtheit.

Der NEC L50W LED kann in Sachen Helligkeit zwar nicht mit den anderen mithalten, bietet aber andere interessante Features. Als Beamer für Start-ups, die nur gelegentlich Besprechungen abhalten und öfters mal zu potenziellen Investoren pitchen gehen, ist er durchaus geeignet – zumal er auch optisch etwas hergibt.

 

 

 

 

 

 

Modell:
3M X21
Auflösung:
1024x768, TFT
Lumen:
2700
Lautstärke normal/Öko:
37dB/30dB
Dimensionen:
306x77x221mm, 2,2kg
Preis:
799 Euro UVP

 

 

 

 

 

 

Modell:
Canon LV-8225
Auflösung:
1280x800, LCD/TFT
Lumen:
2500
Lautstärke normal/Öko:
34,4dB/29dB
Dimensionen:
334x101x247mm,
2,98kg
Preis:
749 Euro UVP

 

 

 

 

 

 

Modell:
Epson EB-W9
Auflösung:
1280x800, 3LCD
Lumen:
2500
Lautstärke normal/Öko:
37dB/29dB
Dimensionen:
228x295x77mm,
2,3kg
Preis:
625 Euro UVP

 

 

 

 

 

 

Modell:
NEC L50W LED
Auflösung:
1280x800, LED
Lumen:
500
Lautstärke normal/Öko:
38dB/32dB
Dimensionen:
226x43x174mm,
1,2kg
Preis:
599 Euro UVP