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Anlauf
01/11/2012

Intel mischt den Smartphone-Markt auf

Jahrelang hatte Intel das Feld der mobilen Prozessoren der britischen Chip-Firma ARM überlassen, die den Markt klar dominiert. Mit dem neuen Medfield-Atom Prozessor will Intel zum Gegner aufschließen. Lenovo und Motorola werden ab Mitte des Jahres bereits erste Smartphones mit Intel Inside anbieten.

von Benjamin Sterbenz

Dass Branchenführer in der IT-Industrie wegweisende Entwicklungen verschlafen, ist keine Seltenheit. Microsoft hat das Internet und damit verbundenen Dienstleistungen unterschätzt, Nokia das Smartphone. Vor einem gleichen Schicksal steht Prozessor-Hersteller Intel. Der US-Konzern hat den Trend zu Tablets und Smartphones verkannt und bislang keine kleinen stromsparenden Chips im Angebot. Das Unternehmen, das mit Windows und dem PC groß geworden ist, wurde von der Entwicklung überrascht und musste das Feld der britischen Firma ARM überlassen. Dessen Prozessor-Entwürfe finden sich in jedem Smartphone und Tablet.

Gegenschlag mit Atom in China

Auf der CES bläst Intel nun zum Gegenangriff und will verlorenes Terrain wettmachen. CEO Paul Otellini kündigte den lang erwarteten Start der ersten Mobile-Plattform von Intel an: Die als "Medfield" bekannte Plattform hält als "Atom Z2460" in Smartphones Einzug. Das erste Telefon, das damit betrieben wird, heißt K800 und stammt von Lenovo. Es misst 4,5 Zoll, ist 10 Millimeter dick, hat eine 8MP-Cam und läuft mit 1.6GHz und Android 4.0. Es wird Mitte des Jahres - vorerst nur in China - auf den Markt kommen. Intel begründet dies damit, dass es sich um den weltweit größten Smartphone-Markt handelt. Inoffiziell kann diese Limitierung als Testlauf gewertet werden, um andere Hersteller zu überzeugen, auf den Intel-Zug aufzuspringen.

Der chinesische, für PCs bekannte Hersteller Lenovo ist jedoch nicht der einzige Hardware-Partner. Otellini und Motorola-Chef Sanjay Jha gaben auf der Messe eine mehrjährige Partnerschaft bekannt. In der zweiten Jahreshälfte sollen Smartphones und Tablets mit den neuen Intel-Chips von Motorola auf den Markt kommen.

Für Android optimiert
Als Betriebssystem kommt Android 4.0 zum Einsatz. Dieses wurde für die Prozessor-Architektur angepasst. Intel zufolge habe man viel Zeit in die Optimierung gesteckt und mit Abstand das schnellste Android am Markt. Probleme mit Apps, die nur für ARM-Chips entwickelt wurden, soll es nicht geben. Der Großteil der bestehenden Programme läuft einwandfrei, für den Rest stellt Intel Portierungswerkzeuge zur Verfügung.

Ersten Tests zufolge ist Medfield mit ARM gleich auf, sogar eine Spur schneller. Bei der Demonstration machte das präsentierte Modell jedenfalls einen schnellen, leistungsstarken Eindruck. Neben 3D-Spielen wurden HD-Filme über HDMI gezeigt und die Browser-Geschwindigkeit vorgeführt.

Stromsparend und mit NFC
Besonders stolz zeigte sich Intel in Sachen Energieeffizienz. Gezeigt wurde ein Zeitraffer-Film, in dem das Intel-Handy neben einem aktuellen ARM-Modell den selben HD-Clip in einer Schleife abspielt und dabei weit länger durchhält. Wie sich der Prozessor im Alltag schlägt, wird sich jedoch erst weisen.

Weitere Details, die aus der Präsentation hervorgingen, ist die Unterstützung von NFC. Des Weiteren sollen die Smartphones besonders gut mit Notebooks harmonieren, etwa bei Spielen am PC als Game-Controller fungieren.

Tabelts und Windows 8 am Horizont
Inwieweit Medfield mit Windows 8 und passenden Tablets zusammenhängt, wurde nicht erwähnt. Man darf jedoch davon ausgehen, dass zum W8-Start Tablet-Hersteller nicht nur mit ARM-, sondern auch mit Intel-Chip-Varianten aufwarten werden. Aktuell positioniert Intel noch die "Clover Trail"-Prozessor-Generation für Tablets, Medfield soll aber auch in diesem Sektor Einzug halten.

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