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09.03.2017

LG G6 im Hands-on: Ein längliches Etwas

LG liefert wieder einmal eines der ungewöhnlichsten Smartphones des Mobile World Congress ab. Das G6 macht viel richtig, streicht aber auch die größten Stärken der Vorgänger.

LG Mobile musste mit 2016 wohl eines der schlechtesten Jahre in der Unternehmensgeschichte verdauen. Das ehrgeizige Flaggschiff-Modell G5, das sich modular erweitern lässt, entwickelte sich zum Ladenhüter und bescherte dem Konzern erhebliche Verluste. Dennoch will es die einstige Nummer Drei auf dem Smartphone-Markt erneut versuchen.

LG G6 in Bildern

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LG G6

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LG G6

LG G6

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LG G6

Mit dem G6 wird das modulare Konzept über Bord geworfen - LG konnte ohnedies nie Dritthersteller davon überzeugen, „Friends“-Module zu produzieren. Stattdessen will man mit einem ungewöhnlichen Bildschirmverhältnis (18:9 alias „2,00:1“) punkten, durch das der 5,7 Zoll große Bildschirm schmal genug sein soll, um das Smartphone mit einer Hand zu bedienen.

Lang statt breit

Bereits vorweg: Das gelingt wieder einmal nur teilweise. Denn das Smartphone ist zwar angenehm schmal, sodass man es mit einer Hand sicher halten kann, aber auch sehr lang. Um die oberen Ecken erreichen zu können, muss man sich leicht strecken. Dennoch dürfte die schmale Bauweise erlauben, dass man das G6 in neun von zehn Fällen mit einer Hand bedient - für ein Smartphone dieser Größe durchaus beeindruckend.

Die Verarbeitung fühlt sich deutlich hochwertiger an als beim Vorgänger, der noch mit breiten Spaltmaßen negativ auffiel. Das Testgerät wies jedoch einen recht schwarzen Rahmen hinter dem Display-Glas auf. Ob es sich hier um einen Produktionsfehler handelt oder das Smartphone tatsächlich über einen derart breiten Rahmen verfügt, ließ sich nicht herausfinden. Die Rückseite des Aluminium-Gehäuses ist mit einer glatten Glas-Oberfläche versehen, die guten Halt gibt, auf den dunklen Geräten aber für sichtbare Fingerabdrücke sorgt.

Die Menü-Taste mit Fingerabdrucksensor auf der Rückseite liegt relativ weit unten, sodass man geradezu gezwungen ist, das Smartphone an der unteren Hälfte statt in der Mitte anzugreifen. Das ist etwas gewöhnungsbedürftig.

Kreative Kamera

Die neue LG-Oberfläche, die angeblich das neue Bildschirmverhältnis ausreizen soll, ließ sich im Kurztest kaum prüfen. Die offizielle Kamera-App ist wohl die prominenteste App, die davon Gebrauch macht. Der Nutzer kann Fotos anfertigen, bei denen er gleichzeitig mit Front- und Rückkamera im 1:1-Format aufnimmt. Im quadratischen Feld kann auch eine Vorschau der zuletzt geschossenen Bilder angezeigt werden. Zudem kann ein Bild mit frei einstellbarer Transparenz über die Vorschau gelegt werden, um Motive einfach nachstellen zu können.

Die Ideen sind gut und regen zum kreativen Fotografieren an. Besonders erfreulich ist, dass LG weiterhin den umfangreichen manuellen Modus mitliefert, mit dem Hobby- und Profi-Fotografen wohl ihre Freude haben werden. Die Kamera ist deutlich schneller als ihr Vorgänger, die Qualität ließ sich allerdings am besonders gut beleuchteten Messestand nicht beurteilen.

Das Display enttäuschte hingegen bei der Helligkeit, überzeugte aber in allen anderen Aspekten. Die Farbdarstellung ist gut, auch aus steilen Blickwinkeln, und der Inhalt wird gestochen scharf dargestellt.

Viel Potenzial, ein großer Kritikpunkt

Es ist schön zu sehen, dass es LG immer noch mit neuen Ideen versucht. Der ungewöhnliche Formfaktor hat Potenzial und ermöglicht trotz großem Bildschirm eine angenehme Bedienung. Zudem macht die Kamera wieder einen vielversprechenden Eindruck und könnte es mit Samsungs und Apples Top-Modellen aufnehmen.

Doch insbesondere bei einem Punkt bin ich weniger begeistert: Das G6 ist das erste LG-Flaggschiff, bei dem man den Akku nicht mehr selbstständig tauschen kann. Ärgerlich, dass sich LG hier dem Druck der Branche gebeugt hat.