Für 89 US-Dollar ist littleBits derzeit noch ein ungemein kostspieliges Spielzeug und daher nur bedingt zu empfehlen. Bastler mit konkreten Vorstellungen können allerdings bei den einzelnen Modulen, für die auch die Platinenlayouts zum freien Download stehen, zuschlagen.
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littleBits: Teures Elektronik-Lego im Test

In nur fünf Minuten und mit wenigen Handgriffen präsentierte die junge Ingenieurin Ayah Bdeir auf der diesjährigen TED-Konferenz im März eine Revolution der Elektrotechnik: littleBits. Die kleinen elektronischen Baulemente lassen sich über Magnete miteinander verbinden und sollen so einen spielerischen Zugang zu elektrotechnischen Grundlagen schaffen. Die 30-jährige Kanadierin mit libanesischen Wurzeln hofft, dass das Konzept einen ähnlichen Erfolg feiert wie Lego, das auf ähnlich einfachen Grundprinzipien aufbaut. Die futurezone hat das Starter Kit mit zehn verschiedenen littleBits getestet - und sich dabei selbst wieder wie ein Kind gefühlt.

Teurer Spaß
Für knapp 89 US-Dollar erhält man derzeit eine kleine längliche Schachtel mit insgesamt zehn verschiedenen littleBits, davon jeweils vier Input- und Outputmodule sowie ein Power-Modul und eine Kabelverlängerung. Damit lassen sich bereits einige simple Konstruktionen zusammenstecken, so zum Beispiel eine "Münzwaage" oder aber ein Ratespiel. Zahlreiche entsprechende Bauanleitungen finden sich bereits jetzt auf der Webseite von littleBits, doch die Schöpferin Ayah Bdeir hofft, dass die Kreativität der Kinder durch neue Module weiter angeregt wird. Derzeit gibt es knapp 50 verschiedene Module, die verschiedene Funktionen erfüllen.

Ausgangspunkt eines jeden Projekts ist zunächst das Power-Modul, das in violett gehalten ist. Dieses wird von einer 9 Volt Block-Batterie (im Lieferumfang) betrieben, das Modul akzeptiert allerdings auch bis zu 12 Volt und lässt sich per Schalter deaktivieren. Das Power-Modul verfügt außerdem nur über einen magnetischen Anschluss. Diese kleinen goldenen Kontakte sind so gepolt, dass ein falsches Zusammenschließen nicht möglich ist. Dennoch gilt es für ein besseres Verständnis die Farbcodes der einzelnen Module zu verstehen.

Gute Verarbeitung
Beispielsweise liefern alle grünen Module einen "Output". Das sind im Falle des Starter Kits eine einfache LED, ein Bargraph (mehrere LEDs hintereinandergeschaltet), eine RGB LED (Farbe veränderbar) sowie ein kleiner Vibrationsmotor. Pinke Module hingegen bieten einen "Input" und ermöglichen die Kontrolle des Eingangssignals. Dies sind neben einem einfachen Knopf ein Drucksensor, ein Dimmer sowie ein regelbarer Impulsgeber.

So gut die Verarbeitung der einzelnen Module auch ist, dennoch muss man manchmal, besonders nach häufiger Verwendung, die einzelnen Bausteine etwas zusammendrücken, um doch noch einen Kontakt herzustellen. Das Problem trat allerdings nur vereinzelt auf und ist auf Probleme mit den Verbindungsstücken zurückzuführen, die sehr oft unterschiedlich lang sind. Unmittelbare Gefahren für Kinder durch die einzelnen Bauteile bestehen nicht, dennoch sollten Eltern ihre Kinder zunächst aktiv zur Seite stehen. littleBits selbst empfiehlt lediglich, dass Kinder unter drei Jahren vom Elektronik-Lego ferngehalten werden sollten, da diese die Bauteile verschlucken könnten.

Beta mit wenigen Möglichkeiten
Die littleBits befinden sich nach wie vor im "Beta"-Status und werden derzeit noch mit der Versionsnummer 0.2 gekennzeichnet. In puncto Qualität merkt man ihnen das allerdings nicht an, denn mit dem Versionssprung wurde von Handarbeit zur Serienfertigung übergegangen. Alle Platinen sind weiß lackiert und beschriftet, sodass sowohl die Funktion als auch die Einstellmöglichkeiten jedes einzelnen Moduls klar ersichtlich sind. So kann beispielsweise die Farbe des RGB LEDs per Stellschrauben verändert werden, ebenso wie die Geschwindigkeit des Impulsgebers. Dazu findet sich ein kleiner Plastikschraubenzieher im Lieferumfang.

Die Begeisterung zu Beginn ist groß, die Anwendungsmöglichkeiten erscheinen ebenso gewaltig - doch bereits nach kurzer Zeit stellt sich Ernüchterung ein, da alle möglichen Kombinationen durchprobiert wurden. Im Gegensatz zu Lego fehlen hier einfach die Alternativen, insbesondere für Bastler. Hier möchte littleBits mit Anleitungen sowie einer engagierten Community Abhilfe schaffen. So finden sich auf der Community-Seite zahlreiche Anleitungen für verschiedene Projekte, die sich bereits mit normalen Papier sowie einigen wenigen Modulen umsetzen lassen.

Beliebt und offen für jeden
Die Umstellung des Produktionsprozesses wurde auch bitter nötig, denn seit der Veröffentlichung des Starter Kits vor genau einem Jahr wurde der Online-Shop laut Bdeir "überrannt". Allein in den ersten drei Wochen sind mehr als 3.000 Bestellungen bei littleBits eingegangen. Das dürfte wohl auch auf den Preis für das beste Produkt der bekannten Messe "Toy Fair" zurückzuführen sein, bei dem man Riesen wie Mattel und Lego ausstechen konnte.

Das wirklich Besondere hinter den littleBits ist aber, dass das Platinenlayout der einzelnen Module unter der Creative Commons-Lizenz zum freien Download zur Verfügung steht. Dies ist auf die Open Hardware-Bemühungen von Ayah Bdeir zurückzuführen, die sich bereits zuvor im Bereich Digital Arts engagierte und viele ihrer Kunstwerke frei verfügbar machte. Interessanterweise waren es aber dennoch die littleBits, mit denen sie es in das renommierte Museum of Modern Art in New York schaffte.

Fazit
Die littleBits sind wohl die derzeit einfachste Möglichkeit, erste Schritte im Bereich der Elektrotechnik zu machen. Vor allem Kinder dürften daran ihre Freude haben. Bastler stoßen allerdings schnell an Grenzen, vor allem der geringe Umfang des recht kostspieligen Starter Kits lässt zu Wünschen übrig. Daher wird der Wunsch des "Elektro-Legos", dass es ebenso günstig und vielseitig wie die dänischen Bauklötze ist, zumindest vorerst nicht erfüllt. Ein einzelnes Bit kostet im Shop zwischen 8 und 20 US-Dollar (6 bis 15 Euro). Das macht die kleinen Bauteile zwar für den flexiblen Einsatz in Hobby-Projekten interessant, ist für ein Spielzeug aber definitiv überteuert. Sets von fischertechnik oder LEGO mindstorms sind zwar ebenfalls relativ kostspielig, bieten aber derzeit deutlich mehr Flexibilität und sind daher für technikbegeisterte Kinder besser geeignet, vor allem da mindstorms auch den Einstieg in die objektorientierte Programmierung ermöglicht.

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Modell:
littleBits Starter Kit
Ausstattung:
10 littleBits (power, button, dimmer, pressure sensor, pulse, LED, RGB LED, vibration motor, bargraph wire), ein Mini-Schraubenzieher, eine 9V-Batterie mit Stecker für Power-littleBit, Anleitung
Preis:
89 US-Dollar (ohne Versandkosten und Zollgebühren), 28 verschiedene littleBits im Shop ab 8 US-Dollar pro Stück erhältlich

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Michael Leitner

derfleck

Liebt Technik, die Möglichkeiten für mehr bietet - von Android bis zur Z-Achse des 3D-Druckers. Begeistert sich aber auch für Windows Phone, iOS, BlackBerry und Co. Immer auf der Suche nach "the next big thing". Lieblingsthemen: 3D-Druck, Programmieren, Smartphones, Tablets, Open Hardware, Videospiele

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