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11.08.2011

MacBook-Air-Test: Apples neue Einstiegsdroge

Es ist wohl jenes Notebook, das derzeit die größten Begehrlichkeiten weckt: Seit kurzem ist das neue MacBook Air ab 949 Euro (11 oder 13 Zoll) auch in Österreich zu haben. Die dritte Version des seit Jänner 2008 am Markt befindlichen Geräts hat die Messlatte für alle anderen Flach-Laptops noch ein wenig höher gelegt.

Mit den Doppelkern-Prozessoren “Core i5” (1,6 oder 1,8 Ghz) bzw. “Core i7” (1,7 oder 1,8 Ghz) hat man endlich die aktuelle Chip-Ausführung von Intel an Bord, die potenter als die Dual-Core-Chips der Vorgängermodelle sind. Gepaart mit den weiterhin verbauten SSD-Speicher (64 oder 128 GB im 11-Zöller, 128 oder 256 im 13-Zöller) sowie 2 bzw. 4 GB RAM verspricht das sehr schnelle Rechen- und Zugriffszeiten auf Daten und Programme. Weiterhin verzichtet wird auf ein optisches Laufwerk - eine Möglichkeit für Apple, entsprechendes Zubehör (MacBook Air SuperDrive) um 79 Euro zu verkaufen. Generell soll Software aber nicht via DVD, sondern über den Mac App Store auf das Gerät kommen.

Die futurezone konnte das 13-Zoll-Modell des MacBook Air mit 1,7 Ghz Intel Core i5 Prozessor, 4 GB RAM und 256 GB SSD-Speicher (Kaufpreis 1499 Euro) einem Praxis-Test unterziehen.

Gehäuse
Beim Gehäuse hat sich im Vergleich zum Vorgänger-Modell nichts geändert. Der Aluminium-Body lässt wie gewohnt keine Wünsche übrig: Ansprechend im Look, angenehm in der Hand (keine scharfen Kanten) und trotzdem griffig, da das Aluminium nicht komplett glatt, sondern leicht angeraut ist. Mit 1,08 (11 Zoll) bzw. 1,35 kg (13 Zoll) gibt es nur geringfügige Veränderungen zu den Vorgängern. Gegenüber MacBook Pros ist das Air deutlich leichter. Hält man es locker in einer Hand, macht sich das Gewicht doch rascher bemerkbar als man denkt.

Die Tastatur ist wie seit Jahren bei MacBooks üblich ein so genanntes Island-Keyboard - zwischen den einzelnen Tasten gibt es (anders als bei Chocolate-Ausführungen) Freiräume, sodass sie wie Inseln isoliert für sich stehen. Sie bieten ein äußerst angenehmes Tipp-Erlebnis, und es ist bezeichnend, dass auch immer mehr andere Notebook-Hersteller (z.B. Sony, HP, Asus) auf diesen Tastatur-Typus umschwenken. Mit zwei neuen Tastenbelegungen trägt das MacBook Air auch dem kürzlich präsentierten Betriebssystem “Lion” (die futurezone

Mac OS X 10.7 bereits ausführlich) Rechnung: Mit F3 gelangt man direkt in die “Mission Control”-Ansicht, mit F4 wird das “Launchpad” geöffnet. Beide Funktionen sind aber auch über TouchPad-Gesten und das Dock erreichbar. Die wichtigste Neuerung bei der Tastatur ist aber die Unterbeleuchtung, die beim Vorgänger-Modell fehlte und das Arbeiten in dunklen Umgebungen wesentlich erleichtert.

Display und Webcam
Auch am Display hat sich mit 1440 mal 900 Pixel und LED-Hintergrundbeleuchtung nichts gegenüber dem Vorläufer, der Ende 2010 auf dem Markt kam, geändert. Die meisten Kunden, die auf das neue MacBook Air umsteigen wollen, haben aber wohl ältere Apple-Laptops, und der Qualitätsunterschied zu diesen fällt dann doch ins Gewicht. Vergleicht man das neue MacBook Air etwa mit einem Unibody-MacBook Baujahr 2008 (beide auf höchster Helligkeitsstufe), machen sich deutliche Unterschiede bemerkbar. So ist der Bildschirm des MacBook Air vor allem in gekippten Winkeln farbkräftiger und schärfer. Ein Übel, für das Apple bekannt ist, setzt sich leider auch fort: Das Display spiegelt im Freien und bei starkem Lichteinfall.

Ein kleines Defizit gegenüber der aktuellen MacBook-Pro-Serie weist das Air bei der Webcam auf: Diese bietet keine HD-Auflösung, was etwa für Vollbild-Calls via Facetime nicht unwesentlich ist.

Anschlüsse

Anschlüsse bietet das MacBook Air nicht viele: Zwei USB-Ports für Maus/externe Festplatte/externes Laufwerk, ein SD-Karten-Slot (er liest auch SDHC und SDXC; nicht im 11-Zöller) sowie der neue Thunderbolt-Anschluss. Letzterer verspricht 20 Mal schnellere Übertragungsraten als USB 2.0, sonderlich viel Zubehör (abgesehen von Apples “Thunderbolt Display” um 999 Euro) gibt es dafür aber derzeit nicht. Der Steckplatz versteht sich aber auch als Mini-Display-Port, womit man ihn per Adapter zum DVI-, HDMI- oder VGA-Anschluss umwandeln kann. Für Feinspitze interessant: HDMI erlaubt jetzt auch das Ausspielen von Audio, sollte man das MacBook Air zum Filmschauen an einen Flat-TV anschließen wollen. Ein weiteres Detail am Rande: Das Gerät ist mit Bluetooth 4.0 ausgerüstet, das sich durch größere Reichweite und geringeren Stromverbrauch als Bluetooth 2.1 auszeichnet. Erfreulich ist auch der sehr kleine beigelegte Strom-Adapter, der wenig Platz im Reisegepäck einnimmt.

Ärgerlich bleibt auch beim neuen MacBook Air, dass zwei nicht unwichtige Schnittstellen nicht an Bord sind: Einerseits fehlt ein Ethernet-Port (in vielen Hotelzimmern für eine Internetverbindung notwendig, Adapter um 29-Extra-Euro erhältlich), andererseits ein Infrarotsensor. Wer mit dem MacBook Air Präsentationen machen will, kann es somit nicht direkt über eine Fernbedienung ansteuern. Weiters sucht man vergeblich ein UMTS-Modem, über das man ins mobile Internet einsteigen könnte - bei anderen Notebooks bereits Standard.

MacBook Air in Bildern

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MacBook Air

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Innenleben
Dass Apple jetzt auch die MacBook Airs auf Intels Sandy-Bridge-CPUs upgedatet hat, ist erfreulich. Die Core-i5-Prozessoren (den Core i7 gibt es für das 13-Zoll-Modell gegen 150 Euro Aufpreis) sollen laut Apple bis zu 2,5 Mal schneller rechnen als die “Intel Core 2 Duo”-Chips des Vorgängers. Die neue Rechenpower im Zusammenspiel mit 2 bzw. 4 GB RAM macht sich natürlich vor allem bei rechenintensiven Aufgaben wie HD-Videokonvertierung bemerkbar - hier ist das MacBook Air deutlich rascher als ein MacBook mit 2,4 Ghz-Core-2-Duo-Prozessor. Störend ist dabei aber, dass der Lüfter sehr schnell anspringt und dabei relativ laut wird - wer unbedingte Ruhe zum konzentrierten Arbeiten braucht, den wird das schnell aus der Fassung bringen. Insgesamt startet der Rechner sich selbst und Programme einen Tick flotter als frühere Serien. Da man ein MacBook meist im Stand-by-Modus mit sich herumträgt und das Air daraus kaum schneller erwacht als etwa ein 2008er MacBook, ist der Geschwindigkeitszugewinn in der Praxis eher marginal.

Neu in Sachen Grafik ist, dass Apple beim MacBook Air auf Intels On-Board-Lösung “HD Graphics 3000” statt wie bisher auf eine eigenständige Grafikkarte von Nvidia setzt. Weder HD-YouTube-Videos im Flash-Player noch 1080p-Filme können sie aus der Ruhe bringen - das MacBook bleibt schön ruhig. Die meiste Zeit ist es dabei auch Oberschenkel-tauglich und erreicht kaum Temperaturen, die sich etwa durch eine Jeans brennen könnten.

Beim Speicher setzt Apple weiter auf SSD und bietet je nach Modell zwischen 64 und 256 GB an. Doch Achtung: 256 GB beworbener sind beim MacBook Air nur 250 GB tatsächlicher Speicherplatz. Für jene MacBook-Nutzer, die bisher leidige Festplatten-Probleme erfahren mussten, sind die “Solid State Disks” ein Zugewinn an Sicherheit. Bei den Standby-Zeiten ist dank Flash eine Steigerung bemerkbar. Am wichtigsten für die mobile Nutzung ist aber mit Sicherheit die Akkuleistung. Diese wird von Apple mit bis zu 5 Stunden (11-Zöller) bzw. bis zu 7 Stunden (13-Zöller) angegeben. Beim 13-Zöller unter voller Bildschirmbeleuchtung und mehreren aktiven Apps wie Browser, Photoshop, iTunes, Mail und Texterfassung sind aber eher fünf Stunden realistisch.

Fazit

Seit Apple das MacBook aus dem Programm genommen hat, ist das MacBook Air mit einem Startpreis von 949 Euro (11 Zoll) bzw. 1249 Euro (13 Zoll) sein Einsteiger-Notebook. Den Preisvergleich zu anderen flachen Laptops braucht es nicht zu scheuen. Sonys “Vaio Z-Serie” (ab 1750 Euro), Samsungs “Series 9” (1500 Euro) oder Lenovos “X1” (ab ca. 1800 Euro) sind in vergleichbaren Konfigurationen teilweise deutlich teurer. Wer schon länger mit dem Gedanken schwanger geht, sich ein neues MacBook zum mobilen Arbeiten zuzulegen, kann bis auf kleine Ausnahmen ohne Zögern zugreifen - Leistung, Gewicht und Akkulaufzeit sprechen dafür. Nur wer unbedingt Infrarot-Schnittstelle, optisches Laufwerk oder Ethernet-Port braucht, sollte sich vorher über Workarounds informieren.

Alle, die damit komplexere Aufgaben wie Videoschnitt oder aufwendige Games bewältigen wollen, sind besser mit einem MacBook Pro oder einem potenteren Windows-Gerät beraten - dabei bleibt abzuwarten, wie kommende Ultrabooks ausgestattet sind (die futurezone

). Wer sich das erste Mal in die Apple-Welt vorwagt, sollte jedenfalls wissen: Dinge wie Akku-Tausch, RAM-Upgrade oder Speicherwechsel lassen sich auch beim neuen MacBook Air nicht so einfach bewerkstelligen wie bei anderen Notebooks.

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