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30.06.2014

Microsoft Surface Pro 3 im Hands-On: Perfekter Kompromiss

Mit dem Surface Pro 3 verpackt Microsoft Laptop-Hardware in Tablet-Format und greift damit Apples MacBook Air an. Die futurezone hat das neue Windows 8-Gerät ausprobiert.

Fast zwei Jahre überließ Microsoft Apple das Feld auf dem Tablet-Markt, 2012 kehrte man mit der Surface-Reihe fulminant zurück. Der Erfolg blieb bisher verhalten, auch weil Microsofts Taktik mit Windows RT nicht so recht aufgehen wollte. Doch mit der dritten Generation des Windows 8-Tablets Surface Pro hofft der Konzern aus Redmond, dass man endlich die richtige Nische gefunden hat.

Microsoft Surface 3 in Bildern

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Surface Pro 3

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Surface Pro 3

Surface Pro 3

Ein relativ großer Bildschirm, günstige Preise und Mobilität sollen die Vorteile von Tablet und Ultrabook kombinieren, doch nimmt sich Microsoft da nicht recht viel vor? Die futurezone konnte das Surface Pro 3 im Hands-On selbst ausprobieren.

Ein Tablet? Ein Ultrabook? Nein, Surface

Das Surface Pro 3 ist von 10, 6 auf stolze 12 Zoll gewachsen. Dabei hat Microsoft aber durch eine Änderung des Bildverhältnis von 16:10 auf 3:2 die größere Fläche geschickt verteilt. So ist es lediglich 17 Millimeter länger (292 mm) sowie 28 Millimeter breiter (201 mm). Das Tablet ist nun auch ein deutliches Stück schlanker (9,1 statt 13,5 Millimeter), sodass es nun sogar 100 Gramm weniger als zuvor auf die Waage bringt (800 Gramm). Microsoft hat hier sehr effizient den verfügbaren Platz genutzt und nicht einfach stur die Bildschirmdiagonale erhöht. Das Gewicht ist sehr gut verteilt, der Schwerpunkt liegt unten mittig. Eine einhändige Bedienung im Querformat ist ohnedies schwierig, im Hochformat musste es stets in der Mitte abgestützt werden. Dennoch macht die Nutzung im Hochformat nun dank des neuen Bildverhältnisses deutlich mehr Sinn, da mehr Informationen in der Breite Platz haben.

Der Rahmen rund um das Display ist deutlich schmaler als zuvor, aber dennoch breit genug, um das Tablet angenehm halten zu können. Für das Gehäuse des Surface wird weiterhin VaporMg eingesetzt. Das Magnesium-Gehäuse wird pulverbeschichtet und erhält so eine ungewöhnliche Oberfläche, die griffig, aber auch ungemein kratzfest ist. Da Magnesium deutlich leichter als Aluminium ist, spart sich Microsoft so einiges an Gewicht, erreicht dabei aber eine ähnliche Festigkeit. Die Wärmeleitfähigkeit ist zwar nicht ganz so gut wie bei Aluminium, dennoch war jene Stelle, an der der Prozessor sitzt, bei hoher Auslastung leicht zu spüren. Oben rechts heizte sich der Intel Core i5-Prozessor beim Spielen von Asphalt 8 deutlich auf, erreichte im Kurztest aber kein Niveau, bei dem man das Surface Pro weglegen müsste.

Nicht zu laut

Gekühlt wird das Surface Pro 3 über einen aktiven Lüfter. Rund um den Rand des Surface Pro befinden sich Kühlschlitze, an denen kalte Luft angesaugt und die Hitze abgegeben wird. Der Lüfter war zwar hörbar, bereits bei niedriger Lautstärke des Lautsprechers wurde dieser aber problemlos übertönt. Apropos Lautsprecher: Für ein Tablet sind sie zwar mehr als solide und laut genug für Filme in einem ruhigen Raum, im Vergleich zu einigen Laptops der 13 Zoll-Klasse waren sie jedoch etwas schwach auf der Brust.

Einer der größten Kritikpunkte des Vorgängers war der Ständer, mit dem das Surface aufgestellt werden konnte. Dieser rastete nur an zwei Positionen ein. Das ändert sich mit dem Surface Pro 3, das nun einen frei verstellbaren Ständer bietet. Das Scharnier ist recht gut gelungen und gibt ausreichend Widerstand für eine wackelfreie Touch-Bedienung, lässt sich aber auch einfach in Position bringen. Lediglich beim Ausklappen muss etwas mehr Druck ausgeübt werden. Unter dem Ständer befindet sich ein Slot für microSD-Karten, über den der Speicher um bis zu 128 Gigabyte erweitert werden kann. Für ein Tablet bietet das Surface Pro 3 viele Anschlüsse, im Vergleich mit einem Ultrabook hätte es durchaus ein USB-Port mehr sein dürfen. So finden sich an der rechten Seite ein USB 3.0-Anschluss sowie ein Mini-DisplayPort. Der Kopfhörer-Anschluss wurde links oben platziert, direkt darunter befindet sich die gut verarbeitete Lautstärkewippe.

Tippen wie am Desktop-PC

Wie beim Vorgänger gibt es das optional erhältliche Type Cover 2, das über eine hintergrundbeleuchtete Tastatur sowie ein kleines Touchpad verfügt. Das Touchpad lässt sich nun auch als Taste nutzen und gibt bei Druck Feedback, ähnlich wie bei Macbooks. Die Tasten sind aufgrund des größeren Bildschirms etwas breiter und somit angenehmer zum Tippen. Dennoch wäre etwas Abstand zwischen den Tasten für Vielschreiber von Vorteil. Das Feedback der Tasten ist trotz der sehr dünnen Bauweise gut, der Druckpunkt ist jedoch sehr hart. Dieser Effekt wird etwas abgefedert, wenn das Type Cover in der neuen, leicht angewinkelten Position verwendet wird. Mit einem zweiten Magneten kann das Cover so am unteren Rahmen des Surface Pro befestigt werden, das Cover steht dann in einem ähnlichen Winkel wie bei einer Desktop-Tastatur da.

Die Windows-Taste wurde daher auf die rechte Seite verlagert, früher war der Soft-Key direkt unter dem Bildschirm zu finden. Die Platzierung erweist sich als Segen, denn das 12 Zoll-Tablet muss ohnedies mit zwei Händen gehalten werden und so ist die Taste stets in Reichweite. Auch die Touch-Bedienung im Laptop-Modus wird so deutlich vereinfacht, zumindest für Rechtshänder. Der Magnet-Stecker für das Ladekabel wurde ebenfalls überarbeitet. Da dieser sich zu leicht lösen ließ, vor allem wenn das Gerät beim Laden verwendet wird, verfügt er nun über eine “Flosse”. Mit dieser soll der Stecker deutlich schwerer versehentlich gelöst werden können.

Upgrade für Stift und Kamera

Das 12 Zoll-Display löst mit 2160 mal 1440 Bildpunkten (219 ppi) auf und liegt somit auf dem Niveau der MacBook Pro Retina-Modelle (227 ppi). Der Bildschirm erwies sich im Test als nahezu makellos, Schrift und Bild sind gestochen scharf und die Farbdarstellung bietet keinerlei Gelegenheit zur Kritik. Die Blickwinkelabhängigkeit war sehr gering, auch aus steilen Winkeln war der Bildschirm stets gut ablesbar. Wie beim Vorgänger verfügt das Surface Pro 3 über einen Digitizer für präzise Stift-Eingabe. Ein Stift aus Aluminium wird mitgeliefert, die Eingabe war im Test recht präzise und mit geringer Verzögerung möglich. Die Handballenerkennung ermöglicht es, ohne versehentliche Berührung auf dem Bildschirm zu schreiben und zu zeichnen. Auch der Windows-Button wird in der Notiz- oder Zeichen-App vorübergehend deaktiviert.

Erwähnenswert sind auch Front- und Haupt-Kamera, die nun jeweils mit fünf Megapixeln auflösen und eine deutliche Verbesserung zur 720p-Kamera des Vorgängers darstellen.

Microsoft fordert MacBook Air heraus

Es passiert selten, dass ein Hersteller nahezu alle Kritikpunkte eines Produktes ausmerzen kann, doch Microsoft scheint das mit dem Surface Pro 3 gelungen zu sein. Auch das neue, größere Format kann überzeugen und schiebt sich perfekt in die Nische zwischen Tablet und Ultrabook. Lediglich hinter der Akkulaufzeit steht noch ein großes Fragezeichen, diese war im Vorgänger - auch mit Haswell-Prozessoren - mangelhaft. Das ließ sich im kurzen Hands-On nicht testen. Nun liegt es an Microsoft, das Surface Pro 3 als Alternative zum Ultrabook (oder MacBook Air) zu vermarkten, denn noch verbinden viele Konsumenten die Marke Surface mit einem iPad-Konkurrenten.

Das Surface Pro 3 soll Ende August ab 799 Euro erhältlich sein. Die getestet i5-Variante mit 128 Gigabyte internem Speicher kostet 999 Euro, die i7-Variante mit bis zu 512 Gigabyte Speicher beginnt bei 1549 Euro. Das Type Cover 2 ist nicht im Lieferumfang enthalten und kostet 129 Euro.