Zur mobilen Ansicht wechseln »

Smartphone Moto Z im Test: Modularität hat einen hohen Preis.

Lenovo Moto Z
Lenovo Moto Z - Foto: Gregor Gruber
700 Euro für ein Smartphone, 300 Euro für die Kamera, 100 Euro für den Lautsprecher und 350 für einen Projektor: Das kann das 1450 Euro teure Moto-Z-Paket.

Googles Project Ara hat die Idee eines modularen Smartphones schick gemacht. Während die technische Umsetzung davon nach wie vor Probleme bereitet, haben sich andere Hersteller an einer Art „modular light“ versucht. Beim LG G5 ist das nicht geglückt. Das Fairphone 2 hingegen geht einen etwas anderen Weg und setzt bei seinem modularen Handy vor allem auf Langlebigkeit. Lenovo will es mit dem Moto Z besser machen.

Das Moto Z (698,99 Euro) sieht von vorne nicht sehr spannend aus: Runde Ecken, grauer Rahmen und ein deutlich sichtbarer, schwarzer Rand. Besonders unten ist dieser stark ausgeprägt. Was dort wie ein Home-Button aussieht, ist ein reiner Fingerabdruck-Scanner. Legt man den Finger auf, wird das Handy entsperrt und gesperrt. Home-, Zurück und Tab-Button sind nur auf dem Display als virtuelle Tasten zu finden.

Die einzig physischen Tasten am Gerät sind die Lautstärke-Tasten und Standby-Taste an der rechten Seite. Diese sind sehr hoch angesetzt, weshalb man beim Telefonieren schon mal umgreifen muss, um die Lautstärke anzupassen.

5,2mm dünn

Die wahre Schönheit des Moto Z entpuppt sich, wenn man das Gerät dreht. Denn es ist lediglich 5,2mm dünn, wodurch es ein schlankes Profil hat. Dafür wird der 3,5mm-Klinkenanschluss geopfert. Ein Adapter um von USB-C zum Kopfhöreranschluss zu kommen, ist im Lieferumfang enthalten.

Da das Kameramodul mehr Platz benötigt als das Handy dick ist, steht sie aus dem Gehäuse hervor. Die Bullaugen-Lösung ist aber optisch geglückt und sieht wie ein Designelement anstatt einer baulichen Notlösung aus.

Die Rückseite hat graue Querstreifen. Das sieht ansprechend aus und verleiht der ansonsten glatten Fläche eine Struktur, die Rutschen vermeiden soll. Die sichtbaren Kontakte unten sind für die Moto-Z-Module. In der Handhabung sind sie nicht störend. Wer sie trotzdem verstecken will, kann ein magnetisches Cover in verschiedenen Designs dazukaufen. Dies macht das Moto Z dicker, wodurch die Kamera nicht mehr aus dem Gehäuse heraussteht. Außerdem hält sich das Smartphone angenehmer. Ich würde im Alltag aber kein Cover verwenden, da mir der dünne Look des Moto Z deutlich besser gefällt.

Display

Das AMOLED-Display ist 5,5 Zoll groß und hat die Auflösung 2.560 x 1.440 Pixel. Die Schärfe ist sehr gut. Bei der Helligkeit kann das Moto Z nicht mit Samsungs Galaxy S7 Edge mithalten. Beim „Standard“-Farbmodus wirken die Farben etwas blass, beim Profil „Intensiv“ übersättigt. Weiß sieht bei „Intensiv“ zwar mehr Weiß als bei „Standard“ aus, dafür sehen etwa Gesichter aufgrund der höheren Rot-Farbsättigung eher unnatürlich aus.

Dies fällt hauptsächlich im Vergleich mit anderen Smartphones auf. Nutzt man nur das Moto Z, gewöhnt man sich sehr schnell an den Farbmodus „Intensiv“.

„Moto Display“ funktioniert sehr verlässlich. Liegt das Handy am Tisch um bewegt schnell die Hand darüber, werden Uhrzeit, Datum und die Icons der Notifications angezeigt. Auch beim Ziehen des Smartphones aus der Hosentasche wird dieser Lockscreen mit der Uhrzeit automatisch angezeigt.

Software und Leistung

a9.jpg
Foto: Gregor Gruber
Das Moto Z nutzt Android 6.0.1, ein Update auf 7.0 wird gerade ausgeliefert. Die Oberfläche ist nahezu ident mit Stock-Android, es gibt kaum Bloatware. Lediglich der Sprachassistent „Moto“ sowie die üblichen Google-Dienste YouTube, Play Musik und Google Drive sind vorinstalliert.

Wenig Bloatware, viel Leistung: Der Snapdragon 820 und die 4 GB RAM sorgen für eine flüssige Bedienung im Alltag und auch bei grafisch aufwändigen Games. Der interne Speicher ist 32 GB groß. Erweitern ist per MicroSD-Karte möglich, allerdings wird dann aus dem Dual-SIM- ein Single-SIM-Gerät.

Der Fingerabdruck-Scanner ist schnell, aber nicht so schnell wie beim iPhone 7. Der Akku hielt im Test meist einen Arbeitstag mit Feierabendaktivitäten durch, bzw. 1,5 Tage bei reduzierter Nutzung.

Kamera

a7.jpg
Foto: Gregor Gruber
Die Hauptkamera hat 13 Megapixel, einen optischen Bildstabilisator, Dual-LED-Blitz und nimmt Videos in UHD mit 30 Bildern pro Sekunde auf. Bei Tageslicht sind die Fotos, wie bei den meisten Smartphones, gut. Mit der exzellenten Kamera von Samsungs S7 kann sie aber nicht mithalten, was Details und Schärfe angeht.

Bei Aufnahmesituationen mit wenig Licht ist das Bildrauschen stärker als beim S7, die Resultate sind aber noch akzeptabel. Vorbildlich ist die hohe Geschwindigkeit der Kamera-App. Es fallen keine Verzögerungen beim Knipsen oder Wechseln zwischen den Modi störend auf. Lediglich der Wechsel von der Haupt- zur Frontkamera dauert etwas, wird aber geschickt durch eine Animation kaschiert.

Module

a3.jpg
Foto: Gregor Gruber
Die bereits zuvor erwähnten Kontakte dienen zur Daten- und Stromübertragung für die optionalen Module. Die Module heißen Moto Mods und halten magnetisch an der Rückseite des Smartphones. Das Kamera-Bullauge dient hier zur korrekten Arretierung, wenn ein Mod oder ein Cover aufgesetzt wird. Die Magneten sind fest genug, ein unabsichtliches Abnehmen der Cover oder Module ist nahezu ausgeschlossen.

Derzeit gibt es vier Mods: Kamera, Sound, Projektor und Akku. Das Incipio Power Pack gibt es derzeit beim Kauf eines Moto Z im offiziellen Store kostenlos dazu (Stand: 16.12. 2016). Der offizielle Preis ist 89 Euro. Bedenkt man, dass das Power Pack nur 2.220 mAh hat, ist das schon ein sehr hoher Preis.

Ähnliches gilt für die anderen Module. Der JBL SoundBoost kostet 99 Euro, deutlich mehr als ein vergleichbarer Bluetooth-Lautsprecher. Das Hasselblad-Kameramodul kommt auf 299 Euro, der Insta-Share-Projektor auf 349 Euro.

Hasselblad True Zoom

a11.jpg
Foto: Gregor Gruber
Hasselblad ist eigentlich für seine Mittelformat-Kameras, hat aber seinen Namen bereits in der Vergangenheit für weniger professionelle Geräte hergegeben. So wurden etwa Sony- System- und Kompaktkameras per Rebranding zu Hasselblad-Kameras. Ähnliches dürfte auch hier passiert sein. Zumindest ist schwer vorstellbar, dass Hasselblad mehr als sein Logo für das Kameramodul beigesteuert hat.

Das angebrachte Modul macht das Moto Z so dick, dass es nicht mehr bequem in jeder Hosentasche Platz findet. Zudem verdoppelt es das Gewicht des Smartphones. Trotz der zusätzlichen Dicke ist der Griff des Moduls nicht groß genug, damit sich das Moto Z bequem halten lässt.

Beim Anstecken des Moduls wird die Verbindung innerhalb von zwei Sekunden hergestellt. Für Schnappschüsse ist es dennoch nicht geeignet. Mit angestecktem Modul dauert es drei bis vier Sekunden, bis ein Foto gemacht werden kann. Ohne sind es etwas weniger als zwei Sekunden.

Das Kameramodul hat mit 12 Megapixel weniger Auflösung als das Moto Z (13 MP). Die Farben sind stumpf, die Fotos haben weniger Details und das Bildrauschen ist stärker, was vor allem bei Aufnahmen bei wenig Licht auffällt. Videos sind mit dem Kameramodul nur noch mit 1080p möglich statt mit UHD. Egal ob mit oder ohne dem 10-fach optischen Zoom: Die Fotos erreichen maximal die Qualität einer herkömmlichen Einsteiger-Digicam. Für gut 250 Euro kriegt man aber bereits Digicams von Canon, Nikon oder Sony, die 20 Megapixel und einen 20-fach oder 25-fach optischen Zoom hat.

JBL SoundBoost

a16.jpg
Foto: Gregor Gruber
Der SoundBoost (99 Euro) hat einen eigenen Akku mit einer Kapazität von 1000 mAh. Erst wenn dieser leer ist, wird der Akku des Moto Z angezapft. An der Rückseite ist ein aufklappbarer Standfuß, was durchaus praktisch ist, wenn das Moto Z für die Raumbeschallung oder das Ansehen von längeren Videos genutzt wird.

Der Stereo-Sound ist laut, es fehlt aber an Bass und Volumen. Für 100 Euro bekommt man akkubetriebene Bluetooth-Lautsprecher mit mehr Soundleistung.

Insta-Share Projector

a20.jpg
Foto: Gregor Gruber
Das mit 349 Euro teuerste Modul ist auch das gelungenste. Zwar gilt auch hier: Um den Preis erhält man technisch bessere Geräte. Mit 50 Lumen und einer Auflösung von 854 x 480 Pixel ist der Insta-Share nämlich nicht gerade leistungsstark.

Allerdings ist der Formfaktor hier entscheidend. Das Projektor-Modul ist flacher als das Kamera-Modul und auch kompakter als die meisten anderen mobilen Beamer mit Akku. Der Standfuß ist stabil, hat rutschfeste Gummifüßchen und erlaubt die Positionierung des Moto Z von 0 bis 90 Grad.

In einem abgedunkelten Raum ist das Bild überraschend gut und sieht bis zu einer Diagonale von etwa 50 Zoll auch annehmbar aus. Laut Datenblatt schafft der Insta-Share bis zu 70 Zoll, aber selbst in einem komplett finsteren Raum erkennt man dann kaum noch etwas.

Der automatische Trapezausgleich funktioniert schnell und sehr gut. Das Schärferad ist ein bisschen zu leicht zu drehen, weshalb es gerade bei kürzeren Projektionsdistanzen schwer fällt den Sweet Spot zu finden. Der Lüfter ist nicht störend laut, einen zusätzlichen Lautsprecher hat der Insta-Share nicht. Will man besseren Sound zum Video schauen, muss ein Bluetooth-Speaker her.

a19.jpg
Foto: Gregor Gruber
Der Akku des Insta-Share reicht für bis zu einer Stunde Projektion, bei reduzierter Maximalhelligkeit in einem abgedunkelten Raum. Ist der Akku verbraucht, wird der des Smartphones angezapft. Insgesamt kommt man so auf eine Projektionsdauer von etwa 3,5 Stunden. Die Lampe des Projektors hat eine angegebene Lebensdauer von 10.000 Stunden. Die Linse hat keine Schutzabdeckung. Im Lieferumfang ist lediglich ein Stoffsackerl für den Transport des Moduls enthalten.

Die Bildqualität ist entsprechend der niedrigen Auflösung in Ordnung. Die Farben sind, aufgrund der geringen Maximalhelligkeit, bei vielen Inhalten eher blass. Farbenfrohe Filme, Serien und Cartoons sehen am besten aus. Düstere Filme sind nicht schön zum Anschauen. Das Bild ruckelt auch etwas. Gemessen an der Größe des Mini-Projektors ist die Darstellungsqualität insgesamt annehmbar – nur der Preis ist gut 200 Euro zu hoch.

Fazit

a6.jpg
Foto: Gregor Gruber
Das Moto Z ist das bisher beste modulare Smartphone, was angesichts der Auswahl an modularen Handys nicht besonders schwer ist. Das Magnetsystem zum Anbringen der Module funktioniert gut und bis auf das Kamera-Modul haben die anderen Mods auch ihre Berechtigung.

Das Problem ist der Preis: Sowohl die Module als auch das Moto Z sind zu teuer. Das Moto Z gibt es auf Preisvergleichsportalen immerhin bereits ab etwa 570 Euro, die Module sind aber kaum günstiger als im offiziellen Web Store. Das Samsung Galaxy S7, das als modulloses Smartphone mehr als das Moto Z hermacht, gibt es ab etwa 520 Euro.

 

Technische Daten des Moto Z auf der Website des Herstellers

(futurezone) Erstellt am 19.12.2016, 06:00

Kommentare ()

Einen neuen Kommentar hinzufügen

( Abmelden )

Dein Kommentar

Antworten folgen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?
    Bitte Javascript aktivieren!