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Offenes Web
07/27/2011

„Mozilla OS kann alle Betriebssysteme ersetzen"

Nach dem Erfolg des Alternativbrowsers Firefox hegt Mozilla ambitionierte Pläne. Unter dem Projektnamen Boot Gecko soll nun ein eigenes Betriebssystem entwickelt werden, das die Offenheit des Webs sichern soll. „Mit Gecko wollen wir ein Betriebssystem anbieten, das sämtliche andere Betriebssysteme auf Geräten ersetzen kann“, erklärt der Mozilla-Verantwortliche Mike Shaver auf Nachfrage der futurezone.

von Martin Stepanek

In einem ersten Schritt will sich Mozilla auf die Entwicklung des eigenen Betriebssystems für Android-Tablets konzentrieren. Ein Desktop-Prototyp wie es etwa Google mit ChromeOS versucht, sei vorstellbar. In einem ersten Schritt wolle man aber die Hardware-Möglichkeiten mobiler Geräte hinsichtlich Webintegration ausreizen, so Shaver. Das Betriebssystem, das aus der Firefox-Engine Gecko entwickelt werden soll, soll zunächst mit Android-Geräten kompatibel sein, erklärtes Ziel ist aber ein eigenständiges OS. Eine Wiki-Projektseite hält Entwickler auf dem Laufenden.

Mozilla will in erster Liga mitspielen

„Um auch in Zukunft in puncto Web- und Entwicklungsstandards mitreden zu können, muss Mozilla in der Liga von Google und Microsoft mitspielen“, ist auch Mozilla-Entwickler Robert Kaiser im Gespräch mit der futurezone überzeugt. Wie viele andere geht auch Kaiser davon aus, dass das Zeitalter der unvernetzten, lokal installierten Programme sich dem Ende zuneigt. „Es deutet vieles darauf hin, dass ein Paradigmenwechsel zu rein webbasierten Applikationen bevorsteht. Selbst Microsoft spricht davon, Windows 8 stark auf HTML-Technologien aufbauen zu wollen“, so Kaiser.

In Google, das mit ChromeOS im Notebook- und Desktopsegment einen ähnlichen Weg geht, setzt man nur bedingt Vertrauen, wenn es um die Verteidigung des offenen Webs geht. „Google ist und bleibt eine kommerzielle Firma, die für seine Aktionäre den höchstmöglichen Profit herausschlagen muss. Dass man hier vorsichtig bleiben muss, liegt meiner Meinung nach auf der Hand“, sagt Kaiser. Für Mozilla gehe es auch nicht in erster Linie darum, andere Betriebssysteme zu ersetzen. Vielmehr müsse man Web- und Technologiestandards entwickeln, die eine Offenheit und Neutralität der Systeme und des Webs garantieren, so Kaiser.

Browser im Mittelpunkt

Dass der Browser zukünftig noch stärker als bisher der integrale Hauptbestandteil zukünftiger Betriebssysteme sein wird, steht für Mozilla außer Zweifel. Neben der Optimierung für Web-Applikationen soll das Betriebssystem auch leistungsstarke APIs für Telefon-, SMS-, Kamera-, USB-, Bluetooth- und NFC-Funktionen beisteuern, die ebenfalls eine stärkere Verzahnung mit Webinhalten ermöglichen.

Ob Mozilla gegenüber der Marktdominanz von Google, Microsoft und Apple auch nur einen Funken einer Chance hat, ist fraglich. Andererseits hat Google mit Android bewiesen, was in einem jungen Marktsegment möglich ist. Und auch aus dem unvorhergesehenen Erfolg von Mozillas Firefox gegenüber dem Internet Explorer dürfte das Mozilla-Team genügend Selbstbewusstsein für die neue Aufgabe schöpfen. Bei der Entwicklung setzt man jedenfalls auf größtmögliche Transparenz. Ergebnisse werden – sobald sie verfügbar sind - online gestellt, so das Mozilla-Versprechen.

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