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03/05/2020

Neue Tesla-Software im Test: Netflix und Videogames im Auto

Mit der Software-Version 10 hat Tesla einige neue Funktionen in seinen Fahrzeugen verfügbar gemacht. Wir haben uns die neuen Features genauer angesehen.

von Florian Christof

Wie vertreibt man sich am besten die Zeit, während das E-Auto an einer Ladestation seinen Akku auflädt? "Klar, mit Videogames, Netflix, Twitch oder kurzen Clips auf YouTube", haben sich wohl die Entwickler bei Tesla gedacht und unter anderem diese Features mit der Software-Version 10 in die Tesla-Autos gebracht.

Gaming im Auto 

Zu den Unterhaltungsfunktionen gelangt man über den neu gestalteten App-Launcher, der mit V10 leicht überarbeitet wurde. Abrufbar sind diese Features allerdings nur, wenn sich das Auto im Park-Modus befindet. Ein Beifahrer kann also nicht während der Fahrt auf dem Infotainment-Screen Videos streamen oder Spiele spielen.

Interessiert man sich für die verfügbaren Videogames, stehen folgende Spiele zur Verfügung: Das Simulationsspiel Stardew Valley, Backgammon, Schach, das Shoot-'em-up-Game Cuphead, das Autorennspiel Beach Buggy Racing 2, das Puzzle-Game 2048 sowie die Atari-Spiele Asteroids, Centipede, Super Breakout, Lunar Lander, Missile Command, Millipede, Tempest und Gravitar.

Autorennen spielen mit dem richtigen Lenkrad

Ein Autorenspiel im Auto zu spielen, klingt tatsächlich nach einer guten Idee. Passend dafür können die kleinen Beach Buggies mit dem Lenkrad und dem Bremspedal des Autos gesteuert werden. Die Steuerung ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber wirklich genial. Es ist ein bisschen so als würde man als Kind in einem Auto sitzen und mit dem Lenkrad Autorennen spielen - nur in echt. Die Grafik des Spiels ist zeitgemäß und die Darstellungsqualität des Bildschirms ist beeindruckend. 

Etwas schwieriger zu spielen sind die Atari-Games. Auch diese können zum Teil mit dem Lenkrad bedient werden. Wesentlich besser funktioniert jedoch die Steuerung, etwa für Super Breakout oder Lunar Lander, über den Touchscreen des Infotainment-Bildschirms.

Mit dem PS4-Controller im Auto

Will man Cuphead spielen, muss man einen kompatiblen Controller mitbringen und ihn per USB-Kabel an das Fahrzeug anschließen. Möglich ist dies etwa mit einem PS4-Controller. Man sollte jedoch das originale USB-Kabel der PS4 verwenden.

Direkt per Bluetooth lässt sich der Controller allerdings nicht mit dem Auto verbinden. Mithilfe eines passenden USB-Bluetooth-Dongle kann ein PS4-Controller jedoch auch kabellos im Auto genutzt werden.

Mit Netflix, Twitch und YouTube Ladezeiten verkürzen

Die Benutzeroberfläche von Netflix, Twitch und YouTube ist der Darstellung auf einem Tablet sehr ähnlich. Bei YouTube konnte ich mich leider nicht einloggen. Verhindert wurde dies von Google aus Sicherheitsgründen, wie auf dem Warnhinweis zu lesen war. Auch im Tesla-Browser war ein Anmelden mit dem Google-Account nicht möglich. Woran es im Detail lag, war nicht herauszufinden.

Offenbar - so ließt man in zahlreichen Tesla-Foren - liegt es an TLS-Zertifikaten, die für manche Fahrzeuge abgelaufen sind. Tesla ist sich dem Problem angeblich bewusst und versucht die TLS-Zertifikate mittels Software-Update zu erneuern.

Netflix hingegen hat einwandfrei funktioniert: Aufrufen, Einloggen, Profil auswählen und loslegen. Hier kann die Display-Qualität und leistungsstarke Sound-Anlage des Model 3 ihre Stärken so richtig ausspielen. Wer im Wohnzimmer keine hochwertige Home-Cinema-Sound-Anlage besitzt, könnte in Zukunft öfter in der Garage beim Netflix-Streamen anzutreffen sein, da die Audioqualität im Fahrzeug wirklich hervorragend ist.

Selbiges gilt natürlich auch für alle jene, die in ihrem Tesla-Auto die Spielestreaming-Service Twitch oder eben YouTube nutzen wollen. 

Carpool-Karaoke

Ebenso neu in der Tesla-Software V10 ist die Karaoke-Funktion. Diese ist neben Radio, Spotify, Tune-in und Telefon im Musik-Menü zu finden. Die Benutzeroberfläche schaut dem User-Interface von Spotify zum Verwechseln ähnlich und ist daher selbsterklärend zu bedienen.

Aufgeteilt sind die verfügbaren Songs nach Genres, Stimmungen, Alter usw. Wer gerne Karaoke-Klassiker singt, wird nahezu sämtliche Tracks auffinden. Für speziellere Songs benötigt man etwas Glück. Die Darstellung der Songtexte sowie die Anzeige, wann welche Textzeile zu singen ist, funktioniert wie man es bei Karaoke gewohnt ist.

Die Karaoke-Funktion kann auch während der Fahrt genutzt werden. Natürlich sollte sich der Fahrer besser auf den Straßenverkehr konzentrieren, als Lyrics vom Bildschirm abzulesen. Aber zumindest die Mitfahrer können sich beim Karaoke-Singen so richtig verausgaben und für Stimmung sorgen. 

Neue Visualisierung

Die Fahrzeug-Visualisierung wurde durch das Software-Update auf V10 überarbeitet. Bislang wurde das Fahrzeug auf dem Screen in der Mittelkonsole ausschließlich aus dem Blickwinkel "von hinten schräg oben" dargestellt.

Durch Zoom-Gesten am Touchscreen lässt sich die Darstellung des Fahrzeugs nun aus jeden möglichen Blickwinkel darstellen. So kann etwa das Auto auch von der Seite betrachtet werden.

Im Alltag erscheint die überarbeitete Darstellung als wenig hilfreich. Während der Fahrt sollte man sich ohnehin auf den Straßenverkehr konzentrieren und nicht mit dem Blickwinkel der Visualisierung herumspielen, zumal eine andere Fahrzeugansicht keinen Mehrwert bringt. Im geparkten Zustand kann der Blickwinkel nicht verändert werden. 

Neue Navi-Funktionen

Ähnlich wie bei anderen Navigations-Apps gibt es nun auch in der Tesla-Software die Schnellwähltasten für "Zuhause" und "Arbeit". Außerdem wurden die beiden Menüpunkte "Hungrig" und "Gut Glück" hinzugefügt. Wer sich für "Gut Glück" entscheidet, bekommt von der Fahrzeug-Software eine nahe gelegene Attraktion oder Sehenswürdigkeit angezeigt, zu der man sich gleich navigieren lassen kann. Selbiges funktioniert unter "Hungrig" für nahegelegen Restaurants.

Ist man beispielsweise auf einem Wochenendausflug können "Hungrig" und "Gut Glück" eventuell hilfreich sein beziehungsweise für Abwechslung sorgen. Wer aber tatsächlich auf Sightseeing-Tour ist oder ein Restaurant sucht, wird wohl eher vorher mit dem Smartphone recherchieren und sich auf diese Weise für die nächste Destination entscheiden. 

Neue Funktionen für Sicherheit und Sentry Mode

Der Tesla-Überwachungsmodus kann in Österreich kaum legal genutzt werden. Daher wurden die neuen Sentry-Mode-Funktionen auch nicht getestet. Mit der Software V10 wurde ohnehin lediglich das Organisieren der aufgezeichneten Videos überarbeitet. So werden nun alte Videoclips auf dem angeschlossenen Speichermedium automatisch überschrieben, wenn sich der Speicherplatz zu Ende neigt.

Neu hinzugekommen ist eine Funktion zum Speichern von Dashboard-Videos. Aktiviert man die Funktion, speichert das Fahrzeug automatisch die entsprechenden Videos, sobald der Fahrer die Hupe betätigt. Was nach einem sinnvollen Feature klingt, das die Nachvollziehbarkeit von Road-Rage und Unfällen verbessern kann, ist in Österreich ebenso nicht legal nutzbar und wurde daher auch nicht getestet. 

Fazit

Die neuen Funktionen in den Tesla-Fahrzeugen bringen keinen revolutionären Fortschritt, machen aber dennoch Sinn. Es sind zumeist kleinere Neuerungen, die für das Infotainmentsystem willkommene Erweiterungen darstellen. 

Zwar hat wohl jeder Tesla-Fahrer sein Smartphone permanent im Auto dabei und könnte quasi alle Unterhaltungsfunktionen auch am Handy abrufen. Dennoch haben die neuen Entertainment-Features ihren Reiz. Gerade wenn man während des Akkuladens mit dem Beifahrer eine Runde Schach oder Backgammon oder sonst ein Videogame spielen will, ist es am großen Screen im Fahrzeug bedeutend besser, als am kleinen Handy-Bildschirm.

Vor allem wenn man in der halben Stunde bei einer Ladestation eine Serie auf Netflix oder einen Clip auf YouTube ansehen möchte, ist das Display im Fahrzeug die bessere Option, zumal auch die Lautsprecher des Autos für einen wesentlich besseren Sound sorgen.

Auch wenn die neuen Funktionen für viele vielleicht nach einem lustigen Experiment klingen, die in einem Auto nichts verloren haben, kann Tesla hier seine Stärken ausspielen: Das Karaoke-Feature bringt eine spaßige Abwechslung ins Fahrzeug und die Games und Videostreaming-Funktionen verkürzen zumindest gefühlt die Ladezeiten des E-Autos. Von derartigen Features sind andere Autohersteller noch meilenweit entfernt und Tesla beweist damit erneut, dass der US-Autohersteller der Konkurrenz software-mäßig um mehrere Jahre voraus ist.