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26.03.2011

Nokia-Chef: "Unsere Plattform brennt"

In einem internen Schreiben an die Belegschaft rechnet der neue Nokia-CEO Stephen Elop mit dem eigenen Konzern ab. "Wir haben Marktanteile, Ideen-Führerschaft und Zeit verloren", so die schonungslose Analyse. Indessen wollen Nokia-Vertraute erfahren haben, dass das erste Smartphone der MeeGo-Plattform bereits vor der Veröffentlichung eingestampft worden sei.

Zweifelte das Technologieportal Engadget, dem das interne Memo zugespielt worden war, zunächst noch an der Echtheit, soll dessen Existenz mittlerweile von mehreren Mitarbeitern und anderen Medien wie dem Wall Street Journal bestätigt worden sein. Damit werden vor der mit Spannung erwarteten Nokia-Analystenkonferenz am Freitag weitere Gerüchte geschürt, wie der Konzern die eigene Abwärtsspirale am Handymarkt stoppen will.

Nokia als brennende Ölplattform

Elop zufolge, der Nokia mit einer brennenden Ölplattform verglich, benötigt das Unternehmen einen totalen Neustart, um gegen Apple und Co bestehen zu können. "Das erste iPhone ist 2007 ausgeliefert worden und wir haben immer noch kein Produkt, das an dessen Usability herankommt", analysiert der Nokia-CEO. Dass Android erst vor zwei Jahren in den Markt ging und mittlerweile die Führerschaft bei Smartphones innehabe, sei schlichtweg unglaublich.

Nokia verfüge zwar ebenfalls über brillante innovative Kräfte, aber diese Innovationen würden einfach zu langsam umgesetzt. Als Beispiel nennt der frühere Microsoft-Manager die eigene MeeGo-Plattform, die für Highend-Smartphones vorgesehen war, aber bis Ende 2011 nur ein Produkt hervorbringen würde.

Wie Reuters in der Zwischenzeit von zwei Nokia-Insidern erfahren haben will, ist die MeeGo-Plattform bereits Geschichte, bevor sie in Form eines Smartphones überhaupt das Licht der Welt erblickt. Das vorgesehene Smartphone auf MeeGo-Basis sei ungeachtet der bereits erfolgten Entwicklung wieder verworfen worden, so die vertrauenswürdigen Quellen.

Symbian vor dem Aus
Abgerechnet wird aber auch mit dem zuletzt wenig konkurrenzfähigen Symbian. "Symbian ist eine mehr und mehr schwierige Umgebung, die unsere Produktentwicklung verlangsamt und einen Nachteil im Hardwaresektor bedeute", so Elop. Zwar vermied der CEO, explizit den Wechsel von Symbian auf Windows Phone 7 oder Android zu verkünden.

Das Fazit, dass man beim Festhalten an das System mehr und mehr zurückfallen werde, ist aber ein untrügerisches Indiz dafür, dass Nokia seinem angestammten Betriebssystem bald den Rücken kehren wird. "Wir hatten eine Serie von Fehlschlägen. Nun müssen wir an dem Weg nach vorne arbeiten und unsere Zukunft definieren", zeigt sich Elop kämpferisch.

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