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07/03/2020

Quench Sea: Behälter wandelt Meerwasser in Trinkwasser um

Die Klimakrise führt weltweit zu Trinkwasserknappheit. Ein Start-up will Abhilfe schaffen.

von Barbara Wimmer

Meerwasser mit einem kleinen, tragbaren Gerät entsalzen, das weniger als zehn Euro kosten soll? Dieser Idee hat sich der Brite Lee King mit seiner Firma Hydro Wind Energy verschrieben. Sein Ziel ist es, etwas dazu beizutragen, dass die humanitäre Krise der Wasserknappheit, die durch den Klimawandel ausgelöst worden ist, zu stoppen. „Zwei Drittel der Weltbevölkerung ist davon bedroht. Vergangenes Jahr gab es in Kalifornien genauso Wasserengpässe wie in Kapstadt in Südafrika“, sagt King im Gespräch mit der futurezone. „Sieben Millionen Menschen sterben jedes Jahr allein an den Folgen von Wasserknappheit und dagegen möchte ich etwas tun.“

Tests funktionieren

Derzeit sitzt King aufgrund der Corona-Krise in Dubai fest. Dort befindet sich auch das Labor, in dem die Entsalzung von „Quench Sea“ getestet wird. So heißt das tragbare Meerwasserentsalzungsgerät, das Kings Firma entwickelt hat. „Im Arabischen Meer gibt es einen der höchsten Salzgehalte der Welt“, erzählt King. „Unser Produkt funktioniert selbst in diesen Gewässern. Wir haben  bei unseren Tests bereits 18.000 Liter Meerwasser in Trinkwasser umgewandelt und das Gerät arbeitet noch immer.“

Hydraulik und Filter

Dazu kommt eine innovative Technologie zum Einsatz, die ein Hydrauliksystem, eine dreifache Vorfiltration und eine kleine Umkehrosmosemembran kombiniert. Umkehrosmose ist ein Prozess, bei dem Wasser unter Druck durch eine Membran entmineralisiert wird. „Es war nicht so einfach, den benötigten Druck zu erreichen und es waren etliche Entwicklungsstunden dafür notwendig“, meint King. Mit dem Filtersystem sollen Schwebestoffe, Bakterien, Viren, Parasiten und Mikropastik entfernt werden. Das Meerwasser wird dabei unter Druck durch eine 0,01-Mikron-Membran gedrückt, um alle Verunreinigungen vor dem eigentlichen Umkehrosmoseprozess zu entfernen.

Mit Quench Sea kann in fünf Minuten ein Glas Trinkwasser aus Meerwasser erzeugt werden. Pro Stunde schafft das kleine, handliche Gerät, das etwa so groß ist wie eine Brotdose, zwei Liter. „Das Produkt macht nicht nur für Personen Sinn, die permanent mit Trinkwassermangel zu kämpfen haben, sondern es ist auch ein idealer Begleiter für Segler und Abenteurer, die in eine Notsituation geraten“, sagt King. Derzeit existiert nur ein Prototyp davon, doch bereits Anfang 2021 soll das Produkt auf den Markt kommen.

Crowdfunding zur Finanzierung

Zur Einführung von Quench Sea setzt Hydro Wind Energy auf eine Crowdfunding-Kampagne bei Indiegogo. Dort kann ein Entsalzungsgerät für rund 72 Euro erworben werden und im Gegenzug wird eines für humanitäre Zwecke zur Verfügung gestellt. Später soll das Produkt unter zehn Euro kosten. Hilfsorganisationen könnten es dann an Leute in Not verteilen. Damit unterscheidet es sich auch von den Geräten, die es bisher auf dem Markt gibt. Vergleichbare Meerwasserentsalzer sind derzeit für rund 900 Euro zu haben.

1400 Menschen haben die Indiegogo-Kampagne bereits mit rund 112.000 Euro unterstützt und damit die Erwartungen von King weit übertroffen. „Der Unterstützer-Preis ist etwas höher angesetzt, damit wir bereits jetzt Hifsprojekte unterstützen können“, sagt der CEO des Start-ups. „Im Fall einer humanitären Krise können wir sofort große Stückzahlen herstellen und damit große Mengen an Trinkwasser bereitstellen.“

Das Gerät selbst ist sehr robust und langlebig, einen Nachteil gibt es allerdings: Die Umkehrosmosemembran muss alle sechs bis zwölf Monate ausgetauscht werden. „Wir wollen das so machen, dass die am Ende an uns zurückgeschickt wird, und wir sie gegen eine neue ersetzen. Auch bei diesem Prozess setzen wir auf Nachhaltigkeit“, sagt King. In den Ländern, in denen Quench Sea aus humanitären Gründen verteilt wird, soll es Sammelstellen geben, damit hier keine zusätzlichen Kosten anfallen.

Im Laufe des Jahres 2021 soll auch ein Gerät auf den Markt kommen, das in Süßwassergewässern wie Seen, Teichen und Flüssen funktioniert. „Das ist viel einfacher umzusetzen, da man nur Viren, Bakterien und Pilze filtern muss“, sagt King.