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28.02.2012

Radikale Frischkur: Alles neu mit Windows 8

Microsoft gibt am Mittwoch erstmals eine Beta-Version unter dem Namen Consumer Preview für Windows 8 öffentlich zum Download frei. Seit Microsoft im September erste Einblicke in das neue Betriebssystem gegeben hat, ist klar: Windows 8 wird radikal anders als der Vorgänger. Selbst das bekannte Start-Icon im Desktop-Modus dürfte den Neuerungen zum Opfer fallen.

Wenn Microsoft am 29. Februar auf dem Mobile World Congress den Startschuss zur öffentlichen Consumer Preview für Windows 8 gibt, darf man gespannt sein, was in der Vorabversion schon umgesetzt ist. Während einige Details noch Gegenstand von Gerüchten und Spekulation sind, stehen viele Eckpfeiler längst fest. Im Mittelpunkt der neuen Bedienung steht die sogenannte Metro-Oberfläche, die vom Design her an das aktuelle Windows Phone 7 erinnert und den klassischen Windows-Desktop mit bunten Kacheln ersetzt.

Touch im Fokus

Diese sollen auch auf Tablets und Notebooks mit Touch-Displays gut bedienbar sein, können aber auch mittels Maussteuerung genutzt werden. In der ersten Developer-Version war die unterschiedliche Bedienung der Metro-Oberfläche mittels Touch und Maus noch etwas verwirrend (zum futurezone-Test). Hier bleibt abzuwarten, ob Microsoft für die öffentliche Betaversion noch nachgebessert hat. Im neuen Metro-Stil sollen unter anderem ein Mail-Programm, eine Foto-, Musik- und Video-App sowie Kalender, Messaging und Social-Media-Programm namens People gestaltet sein, die bereits bei der Beta-Version verfügbar sein sollen.

Der traditionelle Desktop-Bildschirm existiert zwar weiterhin, wurde von Microsoft in der im September veröffentlichten Developer-Version aber zu einer Art Über-App mit beschnittener Funktionalität degradiert. Der alte Desktop-Modus kann aufgerufen werden, um Programme zu starten, die noch nicht als Metro-Programme verfügbar sind. Letzten Informationen zufolge will Microsoft aber das traditionelle Start-Icon im Desktop abschaffen. Die bei Windows 7 eingeführte Desktop-Leiste, auf der Programme und Dokumente abgelegt werden und festgemacht werden können, bleibt.

Schicksal der bekannten Desktop-Ansicht ungewiss
Derzeit ist noch nicht ganz klar, wie Microsoft mit dem altbekannten Desktop-Modus umgehen wird. Über einen Registry-Eintrag konnten Entwickler den Start über die Metro-Oberfläche bisher abschalten. Es bleibt also abzuwarten, ob Microsoft für Unternehmensanwender oder auch Privatuser eine Funktion bereitstellt, die den klassischen Desktop auch bei Windows 8 stärker in den Vordergrund rückt. Dass Microsoft auf die neuen Metro-Elemente komplett verzichtet, scheint aber unwahrscheinlich, da das gesamte Konzept – von App Store, File System, Bilder- und Musik-Ansicht bis hin zur Anbindung an den eigenen Cloud-Service Skydrive.

Im Vergleich zum ebenfalls angekündigten Mac-Betriebssystem Mountain Lion wirkt Microsofts Herangehensweise jedenfalls radikaler, was die neue Metro-Oberfläche betrifft. Es steht außer Zweifel, dass Microsoft mit Windows 8 ein Betriebssystem schaffen will, dass den Spagat vom PC über Notebook hin zu Tablets und Smartphones spannt. Da die erste offizielle Consumer-Beta auf dem Mobile World Congress in Barcelona präsentiert wird, ist anzunehmen, dass Microsoft dort auch neue Hinweise zur mobilen Variante Windows Phone 8 mitteilen mit. Als gesichert gilt, dass Entwickler ihre für Windows 8 programmierten Metro-Apps zukünftig sehr einfach für Windows Phone adaptieren können.

Für mobile Geräte optimiert
Auch sonst ist vieles für den mobilen Gebrauch von Windows 8 angelegt. So wurden sämtliche Sensoren-Schnittstellen verbessert, die eine optimale Ausleuchtung des Bildschirms je nach Lichtsituation ermöglichen soll. Die Metro-Oberfläche passt sich zudem automatisch an Quer- und Hochformat-Bildschirme an. Auch hier wurden die Software-Schnittstellen von Windows 7 laut dem offiziellen Entwicklerblog von Microsoft weiter verbessert. Optimiert wurden zudem die Einstellungen bei mobilen Datendiensten. Anstatt Treiber und schlecht funktionierende Zusatzprogramme für die Installation verwenden zu müssen, soll Windows 8 mit eingelegten SIM-Karten oder angeschlossenen USB-Internet-Sticks besser umgehen.

App Store im Fokus

Gemeinsam mit der Veröffentlichung der Beta-Version am Mittwoch soll auch der neue App Store freigeschaltet werden, über den Programme erworben werden können. Hier hat sich Microsoft Apple zum Vorbild genommen, das bereits seit längerem einen App Store für seine Macs eingeführt hat. Wie bei Apple wandern 30 Prozent des Umsatzes an Microsoft. Ab einem Umsatz von 25.000 Dollar müssen Entwicklern nur mehr 20 Prozent Umsatzbeteiligung an Microsoft abgeben. Erste Apps werden ebenfalls für den Launch-Termin der Beta am Mittwoch erwartet. Unter den 11 erhältlichen Spielen soll sich laut einem Bericht auch Angry Birds befinden.

Viele Neuerungen dokumentiert Microsoft auf dem unternehmenseigenen Blog "Building Windows 8", der sich durch interessante Diskussionen und Feedback-Beiträge von Testern und Entwicklern sowie den Microsoft-Verantwortlichen auszeichnet. Die Veröffentlichung von Windows 8 wird für Herbst 2012 erwartet.

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