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Selbstfahrende Traktoren können mit Smartphone gesteuert werden

Mit der CES 2022 nimmt John Deere zum 4. Mal an der Technikmesse in Las Vegas teil. Hauptthema der Pressekonferenz war ein neues System, mit dem Traktoren nicht nur selbst lenken können, sondern auch keinen Landwirt in der Kabine benötigen, um sie zu bedienen.

Anstatt eine völlig neue Maschine zu entwickeln, stellte das Unternehmen eine Ausrüstung vor, die an den beliebten Traktoren 8R 410 angebracht werden kann, um volle Autonomie zu erreichen. Zwei Boxen - eine vorne und eine hinten - enthalten insgesamt 12 Stereokameras und einen Nvidia-Grafikprozessor. Somit können Landwirt*innen die Maschine über ein Smartphone steuern, indem sie sie per Knopfdruck starten. Außerdem können sie per Live-Video sehen, wie sich der Traktor über ein Feld bewegt.

Der Traktor ist eine "Möglichkeit, die Arbeit immer pünktlich und in hoher Qualität zu erledigen", sagte Jahmy Hindman, Chief Technology Officer bei Deere & Co. in einem Interview mit CNET. In diesem Jahr soll das autonome System von einer begrenzten Anzahl von Landwirten genutzt werden. In der Anfangsphase wird Deere einen kompletten Traktor und einen Meißelpflug an etwa 10 bis 50 Landwirt*innen vermieten, die über eine ständige Internetverbindung auf ihrem Betrieb verfügen und Interesse an der Nutzung der Technologie haben.

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Die vorgestellte Maschine wiegt knapp 20.000 Kilogramm

Später soll es den Kund*innen möglich sein, ihre eigenen Traktoren mitzubringen, um sie nachzurüsten. Das Unternehmen plant, mindestens die Traktoren der letzten 3 Jahre zu unterstützen, eventuell auch ältere Maschinen, so Hindman. Es dauert nur etwa einen Tag, um die Ausrüstung zu installieren und eine Maschine zu testen, bevor sie mit nach Hause genommen und auf dem Feld eingesetzt werden kann, erklärt Deanna Kovar, Vizepräsidentin für Produktions- und Präzisionslandwirtschaftssysteme des Herstellers.

Zunächst wird das neue Traktorsystem nur in der Lage sein die Erde auf den Feldern umzudrehen, um dem Boden die Nährstoffe der kürzlich geernteten Pflanzen zurückzugeben. Einige Landwirte, die unter Zeitdruck stehen oder nicht genügend Personal haben, lassen diesen Prozess aus. Sie sind dadurch stärker auf Chemikalien angewiesen, um das Wachstum ihrer Pflanzen zu fördern.

Lang erstrebtes Ziel

Der Weg von John Deere zur Autonomie begann vor Jahrzehnten. Mitte der 1990er Jahre führte das Unternehmen Satelliten-GPS in Traktoren ein, um Landwirte bei der Präzisionslandwirtschaft zu unterstützen. Ein Jahrzehnt später waren die StarFire-GPS-Empfänger von Deere genau genug, um Traktoren in die Lage zu versetzen, sich selbst zu steuern.

John Deere begann mit dem 8R, weil er der beliebteste Traktor des Unternehmens für Reihenkulturen ist, und er war bereits "fast autonomiefähig", so Joe Liefer, Senior Product Manager für Autonomie bei Deere. "Wir waren bereits in der Lage, die Hydraulik und die mechanischen Funktionen des Traktors elektronisch zu steuern, was für die Fernsteuerung erforderlich ist", sagte er.

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Vizepräsidentin für Produktions- und Präzisionslandwirtschaftssysteme, Deanna Kovar, bei der Pressekonferenz von John Deere

Kritik der Kundschaft und Belegschaft

John Deere ist nicht der erste Landmaschinenhersteller, der einen autonomen Traktor entwickelt. Aber als weltweit zweitgrößter Hersteller von Landmaschinen ist er einer der Bekanntesten. Seine charakteristischen grünen Traktoren sind in der Landwirtschaft allgegenwärtig, und das Unternehmen hat mit seinen Bekleidungs- und Spielzeugtraktorlinien junge Fans gewonnen.

Die Firma mag zwar beliebt sein, hat aber auch mit Problemen zu kämpfen. Im November beendeten etwa 10.000 gewerkschaftlich organisierte Mitarbeiter*innen einen fünfwöchigen Streik, der ihnen bessere Löhne und Sozialleistungen einbrachte.

Ein Kritikpunkt sind auch die Preise der Traktoren. Ein regulärer 8R-Traktor und der 2430 Meißelpflug kosten 500.000 Dollar. Der Preis für den Einbau der autonomen Ausrüstung soll laut Hindman bis zu 10 Prozent der Gesamtkosten der Ausrüstung oder bis zu 50.000 Dollar betragen. Das könnte einige Landwirte zusätzlich verärgern, die schon beklagen, dass sich das Unternehmen weigert, weigert ihre eigenen Traktoren zu reparieren.

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