South Park Stick of Truth

© Ubisoft

Stick of Truth
03/06/2014

South Park-Spiel im Test: Aliens, Scheiße und Nazi-Katzen

Das Rollenspiel spielt sich wie eine überlange Folge der gleichnamigen Zeichentrickserie. Wer das Genre und den derben Humor mag, wird South Park: Stick of Truth lieben.

von Gregor Gruber

South Park: Stick of Truth bzw. im deutschen „Der Stab der Wahrheit“ (PC, PS3, Xbox360, ab 18 Jahren), ist das Spiel, auf das Fans der Zeichentrick-Serie jahrelang warten mussten und in Deutschland und Österreich weiter warten müssen. Es ist nicht einfach nur ein Game, auf das eine South-Park-Lizenz gepappt wurde (siehe South Park Let's Go Tower Defense Play), sondern ein Spiel, das durch und durch South Park ist.

Deshalb gibt es auch keine alternativen Universen oder seltsame neue Handlungen und Charaktere, sondern Bekanntes, das zu einer 15-stündigen Best-Of-Folge versponnen wurde. Die futurezone hat South Park: Stick of Truth getestet.

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Willkommen in South Park Neuer

Der Spieler schlüpft in die Rolle des schweigsamen Neuen, der mit seinen Eltern nach South Park gezogen ist. Schon die Musik, die Stimmen und der Grafikstil ziehen einen als alten South-Park-Fan direkt in den Bann des Spiels. Die ersten Schritte sind bereits ein Wow-Effekt. Nicht, weil die Grafik überwältigend ist, sondern weil sie genauso gut/schlecht wie in der Zeichentrick-Serie ist. Es ist das Erlebnis, wirklich in South Park herumspazieren zu können.

Bevor man den ganzen Ort erkundet und aus der Serie bekannte Orte besucht und Häuser durchwühlt, wird man in das eigentliche Spiel eingeweiht. In South Park herrscht Krieg zwischen den Menschen und Elfen, der von den Schulkindern ausgetragen wird. Diese spielen nämlich LARP (Live Action Rollenspiel), verkleiden sich als Ritter, Bogenschützen und Magier. Cartman ist der König der Menschen und der erste Questgeber des Neuen.

Vier Klassen

Das LARP-Spiel im South-Park-Spiel ist das eigentliche Spiel (Meta!). Zuerst wird eine von vier Klassen gewählt: Krieger, Zauberer, Dieb oder Jude (entspricht der Klasse Mönch/Priester). Die meisten Gegner sind bei den Streifzügen durch South Park sichtbar und können umgangen oder angegriffen werden. Wichtig ist, dass man sie in der frei erkundbaren Spielewelt als Erster angreift, um beim eigentlichen Kampf den ersten Zug zu haben.

Denn die Kämpfe werden RPG-klassisch rundenbasierend ausgetragen. Der Spieler hat einen Begleiter, der im Kampf ausgetauscht werden kann. Gegnergruppen können auch schon mal aus sechs Feinden bestehen.

Solide RPG-Basis

Trotz des schrägen South-Park-Humors ist das Kampfsystem solide und tiefgehend. Das ist wenig überraschend, wenn man bedenkt, dass Obsidian das Spiel entwickelt hat, die unter anderem Neverwinter Nights 2 und Fallout: Las Vegas gemacht haben.

Dem Spieler stehen eine Nah- und Fernkampfwaffe zur Verfügung, Spezialattacken die Kraftpunkte benötigen und im weiteren Spielverlauf Magie, wofür Mana zuständig ist. Die Gegner beherrschen verschiedene Konter- und Abwehrhaltungen, Buffs sind ebenso mit dabei wie Status-Veränderungen. Etwas ungewöhnlich ist, dass immer vor einem Angriffs-Move ein Gegenstand oder eine Spezial-Fähigkeit des Begleiters eingesetzt werden kann.

Scheiße werfen

Einer dieser Gegenstände ist Scheiße, die man zuvor auf einer Toilette selbst „produziert“ hat. Wirft man diese auf einen Gegner, ist er angewidert und muss in jeder Runde kotzen und ist dadurch geschwächt. Im späteren Spielverlauf kann man Gegner auch mit Upgrades oder Spezialattacken anwidern.

Anwidern entspricht dem Vergiften von normalen RPGs. Es gibt auch klassische Schadenstypen, die Statusänderungen hervorrufen, wie Feuer (setzt das Ziel in Brand), Eis (verlangsamt das Ziel), Bluten und Elektrizität.

Das komplexe RPG-System weitet sich auch auf die Gegenstände aus. Zwar kann man keine Waffen und Rüstungen schmieden, jedoch diese mit maximal zwei Flicken ausstatten, die verschiedene Boni geben. Diese sind jederzeit außerhalb eines Kampfes tauschbar und sollten für die jeweiligen Gegnertypen angepasst werden. So sind manche Feinde etwa immun gegen anwidern, während Aliens bei Strom viel und Eis gar keinen Schaden nehmen.

Timing ist alles

Durch das recht komplexe Grundgerüst ist der Schwierigkeitsgrad für unerfahrene RPG-Spieler relativ hoch. Dieser kann jedoch in den Einstellungen von Normal auf Leicht gesenkt, bzw. auf Schwer erhöht werden.

Reaktionsschnelle Spieler haben in den Kämpfen, obwohl diese rundenbasierend sind, Vorteile. Denn blockt man im richtigen Moment, nimmt man weniger Schaden. Drückt man bei eigenen Angriffen die richtige Taste im richtigen Moment, ist die Attacke stärker. Auch Spezialattacken können so verstärkt werden. Manche erfordern das Hämmern auf eine Taste, andere das richtige Timing.

Da das Spiel vorrangig für Konsolen gemacht wurde, empfiehlt es sich die PC-Version mit einem Xbox 360 Controller zu spielen. Die Timing-Mini-Games werden dadurch einfacher.

Zahm anstößig

Der einzigartige South-Park-Humor zieht sich durch das ganze Spiel: Von den Dialogen, über Gegenstände und Rüstungen, bis zu Gegnern, Dialogen, Orten, Charakteren und Ereignissen. Als South-Park-Fan ist man zwar voll in seinem Element, wird aber auch bemerken, dass der derbe Humor ein Level niedriger als bei einigen Folgen ist.

So wird etwa, von der "Klasse Jude" abgesehen, im Gegensatz zur TV-Serie fast vollständig auf Religionswitze verzichtet. In den Konsolen-Versionen wurden zudem ein Analsonden- und Abtreibungs-Mini-Game entfernt, die in der PC-Version noch vorhanden sind. Hakenkreuze auf Armbinden (auch bei Nazi-Kätzchen), „Sieg Heil“-Rufe und Hitler-Grüße wurden in allen deutschen Versionen (englische Sprachausgabe mit deutschen Untertiteln) ausgeblendet oder geschwärzt. Bei einigen Stellen scheint jedoch der schwarze Balken verrutscht zu sein, weshalb der für den 6. März geplante Verkaufsstart verzögert wurde.

Facebook und Twitter

Wie es in der Zeichentrick-Serie üblich ist, macht man sich im Spiel auch über Aktuelles lustig. So nutzen die Kinder etwa Twitter für ihre LARP-Kommunikation. Hier ist es witzig zu sehen, wie die Kinder die aktuelle Technologie „tarnen“, damit sie in das Mittelalter-Setting passen.

Auch die selbstgebastelten Waffen, Rüstungen und Kulissen, damit der Garten wie eine Festung aussieht oder das Wohnzimmer wie eine Taverne, erzeugen ein authentischste South Park Gefühl. Es ist hervorragend umgesetzt: Die Entwickler hätten auch die South-Park-Charaktere in eine richtige Mittelalter-Welt klatschen und es als „Traum“ tarnen können, aber stattdessen wurde das Spiel im Spiel geschaffen. Angelegte Rüstungen, Perücken, Make-Up, Bärte und Brillen werden auch in den Zwischensequenzen korrekt angezeigt, wodurch das gesamte Spiel wie aus einem Guss wirkt.

Eine wichtigere Rolle als Twitter spielt Facebook. Ab einer bestimmten Anzahl an Freunden schaltet man eine neue passive Fähigkeit frei, die im Kampf hilft. Mit Facebook kommen die üblichen Probleme: Spam-Nachrichten von unerwünschten Personen und Kinder, die nur Freundschaft mit einem schließen wollen, wenn man selbst viele Freunde hat. Schließlich will man ja nicht als Freund von unpopulären Personen gelten.

Level Up Light

So umfangreich das Kampfsystem ist, so ausgemistet ist das Level-Up-System. Bei einem Level Up vergibt man keine Werte auf einzelne Parameter, sondern wählt lediglich, welche Spezialattacke besser werden soll. Will man den Charakter in eine bestimmte Richtung trimmen, muss man mit den Flicken- und Waffenupgrades arbeiten.

Setzt man etwa auf einen Juden, der hauptsächlich Spezialattacken nutzt, sollte man Rüstungen oder Kostümflicken anbringen, die Kraftpunkte regenerieren oder die maximale Anzahl an Kraftpunkten erhöhen.

Der Vorteil dieses Level-Up-Light-Systems ist, dass man sich nicht „verleveln“ kann. Kommt man mit der aktuellen Kombination nicht weiter, tauscht man Waffen, Rüstungsgegenstände, Flicken und eventuell den Begleiter aus und versucht es erneut. Das automatische Speichersystem ist fehlerverzeihend. Scheitert man in einem Kampf, kann man es meistens kurz vor Kampfbeginn neu versuchen.

Fazit

South Park: Stick of Truth ist wie eine 14,5-stündige South-Park-Folge zum Mitmachen. Es gibt keinen Moment, an dem man sich als South-Park-Fan langweilt oder dem schrägen Humor überdrüssig wird. Vom ersten wohlbekannten South-Park-Jingle bis zum ebenso bekannten Abspann ist man völlig in der South-Park-Welt.

Der Nachteil des intensiven Spielerlebnis ist, dass es, trotz halboffener Spielewelt, recht linear ist. Zwar gibt es an einigen wenigen Punkten Entscheidungen, die den Spielverlauf minimal verändern, jedoch weiß man bereits, welche bekannten Charaktere als nächstes auftauchen werden. Deshalb wurde auch in diesem Test bewusst auf eine Nennung bekannter Charaktere und Ereignisse verzichtet – South Park: Stick of Truth sollte man nicht spoilern.

South Park ist für Fans der Serie auf jeden Fall sein Geld wert. Allerdings sollte man RPG-affin, oder zumindest dem Genre nicht abgeneigt sein, um es richtig genießen zu können.