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27.03.2013

Tolino: Kindle-Konkurrent mit Luft nach oben

Mit dem tolino shine haben große deutsche Buchhändler Anfang März ihren Kindle-Konkurrenten in Stellung gebracht. Während die Hardware im futurezone-Test überzeugen kann, gibt es bei der Software Verbesserungsbedarf. Mit einem Preis von 99 Euro ist der tolino shine billiger als die meisten Konkurrenten.

Mit dem tolino shine wollen die Buchhandelsketten Thalia, DBH (Weltbild, Hugendubel) und Bertelsmann (Donauland) gemeinsam mit der Deutschen Telekom dem Amazon Kindle Marktanteile abspenstig machen. Seit Anfang März ist das Lesegerät mit Infrarot-Touchscreen und WLAN-Anbindung für rund 100 Euro in Österreich, Deutschland und der Schweiz erhältlich. Der futurezone wurde von Thalia ein Gerät zu Testzwecken zur Verfügung gestellt.

Der tolino shine verfügt über ein 6 Zoll großes Pearl-E-Ink-Display (1024 x 758 Pixel) mit integrierter Beleuchtung. Mit einem Gewicht von 183 Gramm ist er vergleichsweise leicht (Kindle Paperwhite: 212 Gramm). Für Bücher und Texte stehen 2 GB Speicherplatz zur Verfügung. Mit einer Micro-SD-Karte kann der Speicher auf bis zu 32 GB erweitert werden. Die Akkulaufzeit wird vom Hersteller mit bis zu sieben Wochen angegeben. Im Test konnte dies nicht überprüft werden, da das Gerät der Redaktion nur drei Wochen lang zur Verfügung stand. Ausgeliefert wird der tolino shine mit einem Micro-USB-Kabel und kann so am Computer aufgeladen werden.

Integrierte Beleuchtung
Das Gerät ist solide verarbeitet, liegt gut in der Hand und lässt sich intuitiv bedienen. Neben einem Home-Button verfügt der E-Reader über einen Schieberegler am linken oberen Rand, mit dem er gestartet und aus dem Ruhezustand geweckt werden kann, sowie einen Lichtschalter am rechten oberen Rand. Nach dem Start erscheint eine Auswahlansicht der eigenen Bibliothek sowie Empfehlungen aus dem E-Book-Shop des Händlers, von dem das Gerät bezogen wurde.

Das E-Ink-Display ist kontrastreich, die eingebaute Beleuchtung sorgt dafür, dass auch im Dunklen gut gelesen werden kann. Der Bildschirm wird dabei von oben aus dem Rahmen heraus beleuchtet, die Helligkeit kann mit Touch-Schieberegler über das Menü reguliert werden. Bei voller Beleuchtung werden im Dunklen zwar ganz leicht Streifen mit Gelbstich sichtbar, wirklich abgelenkt wird man dadurch aber nicht. Die Beleuchtung des Kindle Paperwhite ist im Vergleich gleichmäßiger, kontrastreicher und weißer - sieht man von den bekannten kleinen Beleuchtungs-Unregelmäßigkeiten am unteren Displayrand ab. Das Leseerlebnis ist aber auch beim tolino shine durchaus zufriedenstellend.

Tolino shine

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tolino shine

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Flüssige Bedienung
Der Touchscreen des tolino shine funktionert weitgehend ohne Verzögerungen. Das Tippen auf ein Buch-Cover führt zum Inhalt. Durch das Antippen auf den linken oder rechten Seitenbereich, bzw. dem Wischen nach links und rechts kann vor- und zurückgeblättert werden. Mit dem Antippen auf den mittleren Seitenbereich wird das Menü aufgerufen, über das auf das Inhaltsverzeichnis zugegriffen und innerhalb des elektronischen Buchs navigiert werden kann. Daneben lassen sich Lesezeichen setzen und die Schriftgröße und -Art verstellen. Dazu stehen sieben Größen und sechs Schriftarten zur Verfügung. Daneben kann über das Menü die Helligkeit eingestellt und die Suche aufgerufen werden. Die Texteingabe auf der virtuellen Tastatur bei der Suche funktioniert ohne Verzögerungen. Über Facebook können Buchempfehlungen geteilt werden. Über einen Zurück-Pfeil oder das neuerliche Tippen im mittleren Seitenbereich kommt man zum Text zurück. Die Startseite kann über den Home-Button erreicht werden, der sich mittig am unteren Ende des Geräts befindet.

Notizen, Markieren oder Wörterbuch fehlen
Das Lesen funktioniert auf dem Gerät tadellos. Das war`s dann aber auch schon. Denn anders als vergleichbare Konkurrenzprodukte verfügt die tolino-Software weder über Wörterbuch- noch über Notizfunktionen. Auch Textstellen können nicht markiert werden. Ob die entsprechenden Funktionen über Software-Updates nachgereicht werden, ist nicht bekannt. Zu wünschen wäre es, ebenso wie die Option, Titel auch im Querformat lesen zu können, die im Test ebenfalls vermisst wurde.

Auch die Möglichkeit, Bücher in selbstbenannten Ordnern abzuspeichern, fehlt. E-Books können chronologisch (zuletzt hinzugefügt) sowie nach Autor, Titel und Erscheinungsdatum (Aktualität) geordnet werden.

Formate
Unterstützt werden die Formate EPUB und PDF mit und ohne Kopierschutz (Digital Rights Management, DRM) und TXT. Das hat den Vorteil, dass auch elektronische Bücher aus öffentlichen Bibliotheken ausgeliehen werden können, die ebenfalls mit EPUB und Adobe-DRM arbeiten. Zwar lässt sich der voreingestellte E-Book-Händler am Gerät selbst nicht ändern - wer sein Gerät bei Thalia kauft, wird über den tolino auch an den Thalia-Shop verwiesen - aber Bücher können auch von anderen Händlern, die das EPUB-Format und/oder Adobe DRM unterstützen, bezogen und über die Adobe Software Digital Editions oder über Micro-SD-Karten auf den E-Reader transferiert werden.

"Offen für Adobe DRM"
Mit dem von Amazon verwendeten hauseigenen Kindle-Format (.azw) und mit .mobi, auf dem das Kindle-Format aufbaut, ist das Gerät nicht kompatibel. Das ist aber umgekehrt genauso. In diesem Zusammenhang ist bemerkenswert, dass Thalia mit dem Slogan "Offen für Adobe DRM" wirbt. Die Kopierschutztragödie am E-Book-Markt lässt sich wahrscheinlich nicht besser auf den Punkt bringen.

PDFs können auch auf Textanzeige umgestellt werden, beim Umblättern kommt es dabei aber immer wieder zu Verzögerungen. Ansonsten funktioniert die Bedienung aber recht flüssig, das Wartesymbol sieht man bei der reinen Lektüre selten.

Buch-Download über WLAN
Der einfachste Weg zu E-Books zu kommen führt über die WLAN-Verbindung. Nach der Einrichtung des WLAN über das Hauptmenü heißt es kurz "bitte warten", danach kann - im Fall des Testgeräts der futurezone -  aus rund 300.000 Titeln im E-Book-Shop von Thalia gewählt werden, darunter auch zahlreiche kostenlos verfügbare Titel. Zu vielen E-Books sind auch kostenlose Leseproben verfügbar.

Zum Kauf und zur Lektüre müssen noch ein Konto beim jeweiligen Buchhändler sowie eine Adobe-ID eingerichtet und auf dem Gerät aktiviert werden. Im Vergleich zu Amazon sind bei der Einrichtung der Accounts zwar einige Clicks mehr und das Ausfüllen zusätzlicher Formulare erforderlich, dafür ist man aber nicht nur an einen Anbieter gebunden. Beim Kauf von E-Books ist die neuerliche Passwort-Eingabe erforderlich. Das muss nicht unbedingt ein Nachteil sein, da irrtümliche Käufe auf diese Art ausgeschlossen werden. Bei Amazon, wo dies nicht notwendig ist, kann im Vergleich dazu beim irrtümlichen Kauf eines Titels die Transaktion rückgängig gemacht werden.

Das E-Book-Angebot ist mit rund 300.000 Titeln relativ breit. Mittlerweile erscheint das Gros der deutschsprachigen Neuerscheinungen auch als E-Book. Das Angebot an fremdsprachigen Titeln ist schütter. Zeitungen und Zeitschriften sucht man vergebens.

In Deutschland können tolino-Nutzer kostenlos die Hotspots der Deutschen Telekom nutzen, die als Partner fungiert. Österreichischen Kunden hilft das wenig, weil ein vergleichbares Angebot hierzulande nicht existiert. Warum von dem E-Reader keine 3G-Version angeboten wird, obwohl ein namhafter Telekom-Konzern mit an Bord ist, bleibt ein Rätsel.

Cloud-Speicher
Tolino-Nutzern wird ein 25 GB großer Cloud-Speicher zur Verfügung gestellt, in dem auch Texte in den Formaten EPUB und PDF gespeichert und mit anderern Geräten synchronisiert werden können, die nicht beim standardmäßig eingestellten Händler bezogen wurden. Leider lassen sich die Dokumente aber nicht auf allen Geräten öffnen. Der Versuch ein E-Book im PDF-Format am Notebook zu lesen, führte beim Test etwa zu dem Hinweis: "Leider kann noch kein PDF aus Ihrer eigenen Sammlung geöffnet werden."

Apps
Im Falle von Thalia werden auch ansprechende Apps für Smartphones und Tablets (iOS und Android) angeboten. Um kopiergeschützte EPUB- oder PDF-Dateien lesen zu können, müssen die entsprechenden Geräte in den Apps für die eigene Adobe-ID autorisiert werden. Das gilt auch für kostenlose E-Book-Titel, von denen einige - aus welchen Gründne auch immer - mit Digital Rights Management ausgeliefert werden.

Der tolino kommt auch mit einem Web-Browser. Das Surf-Erlebnis ist aber, wie auch bei vergleichbaren Geräten anderer Hersteller, eher bescheiden.

Fazit
Der tolino shine muss sich in Bezug auf die Hardware nicht vor vergleichbaren Geräten der Konkurrenz verstecken und ist mit einem Preis von rund 100 Euro günstiger als etwa der Kindle Paperwhite (rund 129 Euro) oder der Kobo Glo (rund 120 Euro). Bei der Software gibt es hingegen noch viel Luft nach oben. Zwar werden die Grundfunktionen akzeptabel abgedeckt, Notizen, Markierungen oder Wörterbücher - die für viele Nutzer unverzichtbar sind - sucht man hingegen vergebens. Wer auf solche Funktionen Wert legt, ist bei der Konkurrenz besser aufgehoben oder muss auf ein Software-Update hoffen.

Pluspunkte sind neben dem vergleichsweise günstigen Preis die Möglichkeit, E-Books von verschiedenen Anbietern beziehen zu können, so diese Adobe DRM unterstützen. Nutzer sind nicht an einen Händler gebunden. Das gilt aber für alle gängigen E-Reader, mit Ausnahme von Amazons Kindle. Alles in allem ist der tolino shine in vielen Punkten sicherlich nicht besser, aber auch nicht schlechter als gängige Konkurrenten - günstiger, guter Durchschnitt.

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Tolino shine

Display
6-Zoll, E-Ink Display (16 Graustufen)

Speicher
2 GB

Abmessungen
175 x 116 x 9,7 mm

Gewicht
183 Gramm

Unterstützte Formate
EPUB (mit und ohne Adobe DRM), PDF (mit und ohne Adobe DRM, TXT

Zubehör
Micro USB-Kabel

Konnektivität
WLAN (802.11 b/g/n)

Preis
99 Euro