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21.02.2011

Universal-Ladegerät für Handys kommt

Bereits 2009 von der EU angeregt, wird das normierte Ladegerät für Smartphones nun Realität. Die von den führenden Handy-Herstellern entwickelte Lösung auf Micro-USB-Basis wird am Dienstag der EU-Kommission in Brüssel präsentiert. In welchem Ausmaß Kunden von dem Universalstecker profitieren, bleibt abzuwarten.

Die gute Nachricht ist, dass zukünftig Smartphones auch mit Ladegeräten anderer Hersteller aufgeladen werden können. Sämtliche große Smartphone-Hersteller wie Nokia, Sony Ericsson, Samsung, HTC, LG aber auch Apple haben sich freiwillig auf den neuen Standard verpflichtet, der eine Stromversorgung mittels Micro-USB-Eingang vorsieht.

Um eine optimale Energieversorgung zu gewährleisten und auch leistungsstarke Akkus schneller aufladen zu können, wird die vom Computer bekannte USB-Ladebegrenzung von 500 mA auf 1500 mA angehoben. Dies ist insofern interessant, da der universale Ladestecker zukünftig auch bei anderen mobilen Geräten zum Einsatz kommen könnte. Für das Aufladen von Smartphones, Tablets, MP3-Player, Navis und Kameras könnte nur mehr ein Ladegerät notwendig sein.

Gegen Elektroschrott

Von der EU wurde die Maßnahme ins Auge gefasst, um dem Problem des wachsenden Elektroschrotts entgegenzutreten und Kunden zudem mehr Freiheit bei der Benutzung ihrer mobilen Geräte zu geben. In der Praxis bedeutet dies aber, dass Hersteller zukünftig auf beigelegte Ladegeräte verzichten könnten und der Kunde sich das entsprechende Teil selbst im Laden kaufen muss. Ob die dann mit weniger Zubehör verkauften Geräte auch entsprechend günstiger werden, ist allerdings zweifelhaft.

Auch bleibt abzuwarten, wie die Hersteller die Norm in ihren Geräten umsetzen. Das größte Fragezeichen steht diesbezüglich wie so oft hinter Apple. Denn während viele Smartphone-Hersteller heute schon einen Micro-USB-Anschluss in ihren Geräten verbaut haben, setzt Apple seit Jahren auf einen 30-Pin-Anschluss bei iPods, iPhones und nun auch beim iPad. Da zahlloses Zubehör darauf abgestimmt ist, wird Apple sein eigenes System aber kaum torpedieren und den Mehrfach-Pin-Ausgang ersetzen.

Apple-Umsetzung fraglich

Apple könnte folglich zukünftige Geräte mit einem zusätzlichen Micro-USB-Anschluss versehen. Eine weitere, aber kaum kundenfreundliche Alternative wäre, dem iPhone einen Adapter beizulegen, der wiederum mit dem Einheitsnetzteil kompatibel ist. In der Praxis würde dies aber bedeuten, dass der Adapter separat mitgeführt werden muss, um das iPhone mit einem fremden Ladegerät aufladen zu können. Da Apple sich zu einer konformen Lösung verpflichtet hat, darf man auf die Umsetzung gespannt sein.

Ungeachtet vieler Vorteile wie der Kompatibilität zwischen Geräteherstellern und der Schonung für die Umwelt wird das Streichen des beigelegten Netzteils unter Konsumenten noch für Diskussionen sorgen. Angesichts vieler Null-Euro-Handy-Angebote von Mobilfunkern werden die Käufer wohl oder übel für die Zusatzausgaben von einigen Euros selber aufkommen müssen. 2011 sollen die Konsumenten aber noch geschont werden. Hersteller wie Sony Ericsson kündigten auf Nachfrage der FUTUREZONE an, in den kommenden Monaten weiterhin ein Netzteil standardmäßig beilegen zu wollen.

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( Martin Stepanek)