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07.07.2016

Unu im Test: Geniales E-Moped mit Wechselakku

Das Elektro-Moped Unu erweist sich im Test als leichtes, wendiges und effizientes Gefährt im Retro-Look. Der wechselbare Akku macht das Stromtanken besonders leicht.

In der Stadt mit einem Motorrad oder einem Moped herumzufahren ist super. Man kann sich durch Staus schlängeln, ist ständig Erster bei Ampelstarts und braucht sich wenig Sorgen um Parkplätze machen. Wie ich aus persönlicher Erfahrung weiß, hat die Maschin' jedoch manchmal ihre Macken. Aus der Werkstatt hört man dann von wundersamen Komponenten und Flüssigkeiten, von denen man nie wusste, dass sie für den Betrieb notwendig sind. Es muss doch einfacher gehen, beispielsweise mit einem Elektro-Zweirad, dachte ich mir. Deshalb habe ich ein Wochenende lang einen Unu getestet.

Unu in Bildern

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Idee und Technik

Der Unu ist das Elektro-Moped des gleichnamigen deutschen Start-ups, das mit Retro-Look und wechselbarem Akku daherkommt. Dahinter steht ein unübliches Geschäftsmodell, das Zwischenhändler ausschaltet und so den Preis für den Endkunden niedrig hält. Der Unu wird auf der Homepage des Herstellers bestellt, konfiguriert und samt Versicherung und Nummernschild vor die Haustür geliefert.

Verfügbar ist der Unu mit drei Motorvarianten: 1000, 2000 und 3000 Watt. Dazu gibt es einen oder zwei Lithium-Ionen-Akkus. Bis zu zwei Akkus können unter dem Sitz verstaut werden. Jeder Akku sollte 50 Kilometer Reichweite bringen. Beim Bremsen wird mit Hilfe eines KERS Strom rückgewonnen. In Österreich erhält der Unu ein rotes Nummernschild. Maximal sollte man also 45 km/h erreichen. Von Null auf 45 km/h beschleunigt man je nach Motor in 17, 15 oder 12 Sekunden (3000 W)

Praxiserfahrungen

Mit dem Unu zu fahren, ist ein Kinderspiel. Man dreht den Zündschlüssel, hört nichts, dreht den Gashebel und fährt los. Mit der Geschwindigkeit verändert sich die Tonlage des Motors. Bei einer bestimmten Drehzahl summt der Motor gut hörbar, dazu spürt man Vibrationen, mit noch höherer Drehzahl verschwindet das Geräusch wieder. Im Vergleich zu Benzin-Motorrollern kommt man relativ langsam vom Fleck, aber schämen braucht man sich nicht.

Die erste Ausfahrt mit dem Unu führt zu zweit in den hügeligen Westen Wiens. Zwei Personen finden auf dem Sitz des Unu gerade mal Platz. Wer hinten sitzt, bekommt hie und da den Gepäckträger unangenehm zu spüren, aber wirklich lange ist man mit einem Akku im Unu ohnehin nicht unterwegs. Was bei der Ausfahrt sofort auffällt: Der Unu lädt zu Gemütlichkeit ein. Durch den leisen Motor nimmt man mehr von seiner Umgebung wahr. Völlig lautlos ist das Gefährt aber nicht. Immer wieder ist Knacken und Knistern zu hören.

Starke Bremse

Betätigt man die Bremse, greift das KERS sofort ein. Die Verzögerung ist ziemlich stark, dazu hört man ein dumpfes Summen. Um trotz KERS nicht völlig zum Stillstand zu kommen, muss man schon relativ steile Straßen hinabfahren. Beim Bergauffahren hat der Unu seine Grenzen. Je nach Motorisierung werden unterschiedliche maximale Steigungsgrade angegeben. Bei 1000 Watt sind es 17 Prozent, bei 2000 Watt 20 Prozent und bei 3000 Watt 24 Prozent. Die Werte gelten aber nur für die Solofahrt. Zu zweit sinkt das Klettervermögen.

Für ein Moped ist der Unu ziemlich leicht. Ohne Akku bringt er 58 Kilogramm auf die Waage, mit einem Akku sind es 67 Kilogramm. Das geringe Gewicht macht Zurückschieben oder gar seitliches Verschieben des Rollers am Parkplatz einfach. Für Moped-Unerfahrene ist das geringe Gewicht ideal. Mehrere Personen, die am Test-Wochenende eine Runde mit dem Unu drehen durften und noch nie zuvor auf einem motorisierten Zweirad unterwegs waren, waren von der einfachen Handhabung und Wendigkeit des Unu begeistert.

Daheim aufladen

Dass der Akku einfach aus dem Motorrad genommen und daheim aufgeladen werden kann, ist ein großer Vorteil des Unu. Während andere Elektro-Zweiräder abhängig von der Ladeinfrastruktur sind, funktioniert das Laden beim Unu ähnlich wie bei einem E-Bike. Mittels Ladegerät für die Haushaltssteckdose wird das rund neun Kilogramm schwere Teil in fünf bis sechs Stunden vollständig aufgeladen. Mit Tragegriff oder Tragegurt trägt man den Akku danach wieder zum Unu, stellt ihn in eines der zwei Fächer unter dem Sitz und steckt das Verbindungkabel zum Moped an.

Der Akku-Ladestand wird am Armaturenbrett des Unu lediglich mittels Tanknadel angezeigt.
Für Ausfahrten innerhalb der Stadt reicht ein Akku wohl in den meisten Fällen aus, selbst bei zwei Passagieren. Nach einer 32 Kilometer langen Ausfahrt zu zweit war der Ladestand um drei Viertel gesunken. Mit einem Zusatzakku kann man die Reichweitenangst minimieren.

Fazit

Der Unu ist hübsch, leicht, wendig, relativ leise und macht richtig viel Spaß. Das Elektro-Moped lädt zu gemütlicher Fahrweise ein, hat aber alle Vorteile im dichten Stadtverkehr - bis auf den garantierten ersten Platz beim Ampelstart. Mit der Reichweite von 50 Kilometer kommt man im urbanen Alltag aus. Mit Zusatzakku kann man 100 Kilometer erreichen. Der wechselbare Akku ist eine großartige Annehmlichkeit. Selbst wenn der Stromvorrat während einer Ausfahrt einmal komplett zur Neige geht, hat man wenig Aufwand. In dem Fall lässt man den Unu stehen und nimmt den Akku mit, anstatt das komplette Gefährt zur nächsten Stromladestelle zu befördern.

Verbesserungsbedarf gibt es freilich auch beim Unu. An erster Stelle stünde hier ein längerer Sitz, damit auch zwei Personen auf dem Elektro-Moped gemütlich Platz haben. Aber das Unternehmen Unu ist noch jung. Hat der Elektroflitzer Erfolg, könnte es bald mehr Ausstattungsoptionen und Dienstleistungen rund um das Produkt geben.

Preise

Der Unu ist ab einem Preis von 1.699 Euro (plus 79 Euro Versand nach Österreich) erhältlich. Darum erhält man die Motorisierung mit 1000 Watt Leistung, einen Akku sowie die Basisausstattung bei Lackierung und Sitzfarbe. Der 2000-Watt-Unu ist ab 2.199 Euro zu haben, die 3000-Watt-Variante ab 2.799 Euro. Ein Zusatzakku kommt auf 700 Euro.