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05.02.2018

Warum Windows Vista zum Desaster wurde

Elf Jahre ist es her, dass Microsofts ungeliebtes Betriebssystem Windows Vista nach jahrelanger Verzögerung veröffentlicht wurde. Ein Manager gibt nun Einblick in die Fehler.

Kaum ein Betriebssystem war von so viel Pleiten, Pech und Pannen begleitet wie Windows Vista. Fast sechs Jahre dauerte die Entwicklung inklusive eines Projektneustarts nach mehreren Jahren Programmierarbeit. Das Endergebnis sorgte für Frustration bei Nutzern, aber auch Software-Partnern. Überforderte PCs, Abstürze und pausenlose Rückfragen des Systems, ob der nächste Klick auch tatsächlich so intendiert war, machten Windows Vista zum verhassten Nachfolger des beliebten Vorgängers Windows XP.

Die Probleme von Windows Vista

Einen überaus interessanten Blick hinter die Kulissen bietet der Blogeintrag des ehemaligen Windows-Managers Ben Fathi, der von 1998 bis zur Fertigstellung von Windows 7 bei Microsoft beschäftigt war. In diesem zählt er detailliert auf, woran Vista letztlich scheitern musste. Fathi zufolge sorgte die jahrzehntelang gewachsene Konzernstruktur mit drei Haupt-Entwicklungsabteilungen für Windows und unzähligen Entwicklerteams für Chaos.

Programmcode sei parallel von Teams zum Kern hinzugefügt und teils halbfertig implementiert worden und habe so zahlreiche Flaschenhälse erzeugt, was die Fertigstellung und den Feinschliff des Betriebssystems betraf. Die Nutzerfreundlichkeit von Windows XP, die Microsoft aber mit imageschädigenden Sicherheitsattacken zu bezahlen hatte, wurde zwangsläufig geopfert, um Vista sicherer zu gestalten.

Neben den bereits erwähnten ständigen Rückfragen und Bestätigungsanforderungen des Betriebssystems habe die geänderte Architektur aber auch dazu geführt, dass zahlreiche Programme von Drittherstellern nicht mehr funktionierten oder Abstürze verursachten, fasst Fathi zusammen.

Windows XP als Bumerang

Nach einigen Fehlentscheidungen, die das Team mehrere Jahre zurückwarfen, hätten auch die gesteckten Ziele und Annahmen längst nicht mehr gestimmt. "Alles in allem brauchten wir drei Jahre, um eine große Windows-Version herauszubringen, und das war einfach zu langsam in diesem schnelllebigen Markt", schreibt Fathi. "Vieles, was wir drei bis vier Jahre zuvor gewusst und geplant hatten, war lachhaft veraltet, als das Produkt schließlich ausgeliefert wurde."

Der ungeahnte und anhaltende Erfolg von XP sollte sich für Vista als Bumerang erweisen. Ungeachtet dessen, dass das Betriebssystem über ein Jahrzehnt für Milliarden Kunden und Millionen Unternehmen weiter serviciert werden musste - vor allem das Windows XP Service Pack 2 habe enorme Ressourcen verschlungen - habe der Erfolg in unterschiedlichsten Kundensegmenten dazu geführt, dass diverse Teams intern in unterschiedliche Richtungen zogen.

"Irren ist menschlich"

Dazu seien die seismischen Veränderungen der Branche gekommen - vom Aufstieg von Internetunternehmen inklusive neuer Werbemodelle, Open-Source, von Mobiltelefonen und Social Media und nicht zuletzt Apple, das wie aus dem Nichts zu wiedererstarken begann. Auf die Zeit und die damals gemachten Fehler blickt Fathi aber weder in Zorn noch Wehmütigkeit zurück.

"Ich ziehe es vor, auf die gelernten Lektionen zu schauen. Keiner von uns hat die selben Fehler bei nachfolgenden Projekte gemacht. Wir haben von der Erfahrung gelernt, was bedeutet, dass wir ganz andere Fehler beim nächsten Mal gemacht haben. Irren ist menschlich"