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10/29/2020

ZTE Axon 11 5G im Test: Wäre da nicht dieser eine Punkt

Das Mittelklasse-Handy kann in fast allen Belangen überzeugen. Bei einem Punkt lässt das Smartphone leider ordentlich aus.

von Florian Christof

Lange war es ruhig um die Smartphones von ZTE. Am europäischen Handy-Markt konnte sich das chinesische Unternehmen nie richtig durchsetzen. Doch vergangenes Jahr hat ZTE mit dem Axon 10 Pro für eine kleine Überraschung gesorgt. Mit einer High-End-Ausstattung zu einem vernünftigen Preis konnte es im futurezone-Test überzeugen.

Nun hat ZTE nachgelegt und das Axon 11 5G nach Österreich gebracht. Wir haben uns angesehen, ob das aktuelle Flaggschiff an die Erfolgsstory des Vorgängers anknüpfen kann.

Das Äußere

Das Gerät wirkt trotz seines 6,47 Zoll großen Displays klein, liegt bestens in der Hand und ist mit 168 Gramm ein Leichtgewicht. Auch an der Verarbeitung gibt es nichts auszusetzen.

Die Vorder- und Rückseite bestehen aus Glas, das sich allerdings mehr nach Kunststoff anfühlt. Eingefasst wird das Gerät von einem Aluminiumrahmen, der dem Smartphone zumindest das Gefühl von Robustheit verleiht.

Gutes Display, aber...

Beim Display setzt ZTE auf einen AMOLED-Screen samt kleinen Tropfennotch für die Selfie-Kamera. Der 6,47 Zoll Bildschirm ist ganz leicht über die Ränder gebogen. Dadurch kommt das rahmenlose Design besser zur Geltung, gleichzeitig besteht aber eben nicht die Gefahr eines ungewollten Touchscreen-Befehls, wenn man das Gerät in die Hand nimmt.

Die Qualität des Displays ist weitgehend in Ordnung, könnte aber etwas besser sein. Es ist nicht ganz so kontrastreich, wie man es von AMOLED-Screens kennt. Auch die Farbsättigung lässt ein wenig zu wünschen übrig. Daran kann die integrierte Bildschirmoptimierungsfunktion leider nichts ändern.

Die Auflösung des Screens beträgt 1.080 x 2.340 Pixel. Eine erhöhte Refresh-Rate gibt es leider nicht. Das ist besonders schade, weil sich Displays mit 90 Hz und mehr in dieser Preisklasse mittlerweile etabliert haben.

Kamera mit Luft nach oben

Beim Vorgänger sorgte vor allem die Kamera für eine positive Überraschung. Leider kann das Axon 11 5G hier nicht anschließen und zeigt deutliche Schwächen beim Weitwinkel und bei Nachtaufnahmen.

Die technischen Daten des Kamera-Setups: Hauptkamera mit 64 MP (f/1,9), Weitwinkelobjektiv mit 8 MP (f/2,2), Makrolinse mit 2 MP (f/2,4) und ein 2-MP-Tiefensensor (f/2,4). Eine optische Zoom-Funktion gibt es nicht.

Die Hauptkamera im Standardmodus liefert bei guten Lichtverhältnissen eine solide Bildqualität. Hier ist das fotografische Ergebnis gut ausbalanciert. Bei Kontrast, Sättigung und Schärfe gibt es kaum etwas auszusetzen. Auch den Bokeh-Effekt beherrscht die Hauptkamera im Standardmodus sehr gut.

Standard-Modus

Standard-Modus

Weitwinkel

Standard-Modus

Makro

Standard-Modus

Standard-Modus

Weitwinkel

Nachtmodus

Nachtmodus

Weitwinkel

Standard-Modus

Makro

Weitwinkel weitgehend unbrauchbar

Weitwinkelaufnahmen sind hingegen meist unscharf. Zoomt man nur ein bisschen in das Bild hinein, zeigt sich ein verschwommenes Foto. Auch farblich kann die Weitwinkelkamera nicht immer überzeugen.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Smartphones mit Makroobjektiv, liefert die Kamera des Axon 11 5G passable Nahaufnahmen. Zwar ist auch hier die Auflösung mit 2 MP niedrig, doch das Ergebnis kann sich dennoch meist sehen lassen. Schwierig ist allerdings den korrekten Fokuspunkt zu finden.

Schwacher Nachtmodus

Werden die Lichtverhältnisse schlechter, nimmt auch die Kameraqualität rapide ab. Spürbar wird das bereits in Innenräumen, wobei hier auch das Glück ein Wörtchen mitzureden hat. So konnte ich manchmal im Innenraum - vor allem bei Portraits - passable bis gute Ergebnisse erzielen. So manches Mal griff die Kamera-Software allerdings komplett daneben, sodass das Foto zum Kübeln war.

Wird es dann richtig dunkel, sind die Fotos nicht mehr zu gebrauchen. Zwar hat das Axon 11 5G einen eigenen Nachtmodus, dieser schafft es aber leider nicht, die Fotos entsprechend darzustellen. Die Bilder sind zu dunkel, unscharf und die Details gehen völlig verloren.

Alles in allem hinkt die Kamera für ein Smartphone dieser Preisklasse hinterher. Zwar liefern die Haupt- und Makro-Kamera zum Teil richtig gute Ergebnisse, sind aber bei etwas schlechteren Lichtverhältnissen zu unzuverlässig. Die Weitwinkelkamera eignet sich am ehesten, wenn man von einem Berggipfel in die Ferne fotografiert. Ansonsten sind die Weitwinkelaufnahmen nicht zu gebrauchen.

Passable Selfie-Kamera

Die Selfie-Kamera löst mit 20 MP (f/2,0) auf und bietet keine Weitwinkelfunktion. Die Ergebnisse können sich aber sehen lassen - auch bei nicht optimalen Lichtverhältnissen. Der Portrait-Modus erkennt das Gesicht im Vordergrund nur manchmal richtig gut. Manchmal tut sich die Software schwer, die Kontur des Gesichts samt Haube zu definieren. Hier empfielt es sich den Standard-Modus zu verwenden. 

Portrait-Modus

Standard-Modus

Innenleben, Konnektivität und Sound

Angetrieben wird das Axon 11 5G von einem Snapdragon 765G, dem 6 GB Arbeitsspeicher und 128 GB Speicherplatz zur Seite stehen. Der Qualcomm-Chip hat keinerlei Probleme mit den alltäglichen und populären Apps. Auch bei ressourcenintensiven Anwendungen sind weder längere Ladezeiten noch sonstige Verzögerungen aufgetreten.

Wer mit den 128 GB kein Auslangen findet, kann den Speicherplatz mittels microSD-Karte erweitern. Allerdings wird dann dafür ein SIM-Kartenslot in Anspruch genommen. Bluetooth 5.0 und WiFi 802.11 a/b/g/n/ac/6 sind an Bord. Und wie die Bezeichnung des Smartphones schon verrät, ist das ZTE-Handy auch 5G-fähig.

Einen herkömmlichen 3,5mm-Kopfhöreranschluss gibt es nicht. Die integrierten Lautsprecher können recht laut aufgedreht werden. Allerdings ist der Sound dann hohl und klingt nicht mehr gut. Zum Ansehen von kurzen Videoclips reicht es.

Fingerprint und Gesichtserkennung

Der Fingerprintsensor befindet sich im Display und funktioniert rasch und zuverlässig. Wer will, kann das Smartphone mittels Gesichtserkennung entsperren. Dabei greift das Axon 11 5G auf ein Selfie zurück. Einmal eingerichtet, funktioniert die Gesichtserkennung ebenso rasch und zuverlässig. Als Passwortersatz kann die Gesichtserkennung jedoch nicht verwendet werden.

Akku

Positiv aufgefallen ist der Akku. Dieser hat eine Kapazität von 4.000 mAh und kann mit maximal 18 Watt geladen werden. Damit liegt das Axon 11 5G im Mittelfeld, wenn man die Ladeleistung mit anderen Herstellern vergleicht. Kabellos laden lässt sich das Smartphone nicht.

Das Axon 11 5G dürfte ein intelligentes Energiemanagement haben, denn der Akku hält besonders lange durch. Am Ende eines Tages mit durchschnittlicher Handy-Nutzung waren meist noch etwas mehr als 30, manchmal sogar 40 Prozent übrig.

Software

Das Axon 11 5G kommt Android 10 und der ZTE-Oberfläche MiFavor 10, die sehr nahe an Stock-Android dran ist. Bloatware ist kaum zu finden und die meisten vorinstallierten Apps können auch deinstalliert werden. Ansonsten wirkt MiFavor 10 schön aufgeräumt ohne zu viel sinnlosem Schnickschnack.

Wie lange ZTE das Axon 11 5G mit Updates und Sicherheitspatches versorgen will, ist nicht bekannt. Bleibt zu hoffen, dass es vom Hersteller lange mit Aktualisierungen gepflegt wird.

Pro

  • Bestens verarbeitet und makellose Haptik
  • Hauptkamera liefert bei gutem Licht schöne Fotos
  • Lange Akkulaufzeit
  • Sauberes, nicht überladenes Android

Contra

  • Weitwinkelkamera und Nachtmodus liefern keine guten Ergebnisse
  • Kein 90-Hz-Display
  • Keine 3,5mm-Kopfhöreranschluss
  • Kein wirklich gutes Preis-Leistungs-Verhältnis

Fazit

Herausragend beim Axon 11 5G sind Formfaktor, Haptik, Leistung, Akku und die Software. Hier können nur wenige Geräte mithalten. Allerdings zeigen sich zum Teil beim Display Schwächen, über die man - angesichts des Preis - noch hinwegsehen könnte. Aber für ein Gerät, das mehr als 500 Euro kostet, sollte eine bessere Kamera eigentlich Standard sein.

Das ZTE Axon 11 5G mit 128 GB Speicherplatz wird bei Amazon ab einem Preis von 552 Euro angeboten und ist auch bei den heimischen Mobilfunkern Drei und A1 zu haben. Um sich in diesem Preissegment durchsetzen zu können, reicht es leider nicht ganz. Für rund 550 Euro bekommt man Smartphones, die vielleicht nicht über 5G verfügen, dafür aber eine bessere Kameraausstattung haben.

Es ist schade, dass die Kamera nicht an den Vorgänger anschließen kann. Beim Axon 10 Pro hat der Hersteller gezeigt, dass auch ZTE-Handys mit einer sehr guten Kamera möglich sind. Vielleicht wird noch ein Pro-Model des Axon 11 aufgelegt. Ansonsten bleibt zu hoffen, dass beim Nachfolger die Makel bei der Kamera ausgebügelt werden. Denn dann hätte das Axon das Potenzial ZTE in die Spitzenliga zu katapultieren.

Eine Alternative von ZTE bietet das Axon 11 4G. Dieses ist mit einem anderen Prozessor ausgestattet und es ist nicht 5G-fähig. Außerdem löst die Hauptkamera mit 48 MP etwas niedriger auf als jene der 5G-Variante. Doch mit einem Preis von 304 Euro auf Amazon bietet das Axon 11 4G ein deutlich besseres Preis-Leistungs-Verhältnis.

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