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Mobilfunk
02/23/2011

"2011 wird das Jahr von NFC"

Nach jahrelangen Verzögerungen steht die Drahtlostechnologie Near Field Communication endgültig vor dem Durchbruch. Nach dem Vorpreschen von Google mit Android haben sich nun auch die führenden Mobilfunker auf eine gemeinsame Markteinführung verständigt. "Die Branche braucht derartige Innovationen", ist NFC-Experte Josef Langer im FUTUREZONE-Gespräch überzeugt.

von Martin Stepanek

Wie viel Interesse die Drahtlostechnologie derzeit hervorruft, zeigt sich aktuell auch beim gut besuchten NFC-Kongress in Hagenberg. "In den vergangenen Monaten hat sich enorm viel getan. 2011 wird das Jahr von Near Field Communication", ist sich Langer, Leiter des NFC Research Lab, sicher. Mit dem Vorpreschen der Smartphone-Hersteller sei das Henne-Ei-Problem nun endlich gelöst. "Die Gerätehersteller wollten nicht mehr länger auf die Infrastruktur warten und haben den ersten Schritt getan", so Langer.

Gerätehersteller wagen ersten Schritt

So stehen mit dem Google-Phone Nexus S und Samsungs Galaxy S II bereits zwei Smartphone-Schwergewichte mit NFC am Start. Wie aus gut informierten Kreisen der Deutschen Telekom zu vernehmen ist, soll aber auch Apples iPhone 5 fix mit NFC ausgestattet werden. NFC-Vorreiter Nokia und eine Reihe anderer Hersteller wollen ihre Geräte ebenfalls NFC-fit machen. Und auch das Kreditkartenunternehmen Visa bringt sich bereits in Stellung.

Zeigten sich NFC-Experten noch Ende vergangenen Jahres nur vorsichtig optimistisch, wurden spätestens mit der gemeinsamen Ankündigung der Mobilfunkbetreiber am Montag letzte Zweifel ausgeräumt. Betreiber wie die Telekom Austria Group, Orange, die Deutsche Telekom (inklusive deren T-Mobile-Töchter), aber auch Vodafone, Telenor und Telefonica verpflichteten sich in einer gemeinsamen Erklärung zu einer Umsetzung und Einführung von NFC-Diensten bis spätestens 2012.

GSMA will Marktfragmentierung verhindern

Um eine technische Fragmentierung des Marktes zu verhindern, hat die GSMA, der globale Branchenverband der Mobilfunkindustrie, zudem angekündigt, die notwendigen Zertifizierungs- und Prüfungsstandards auszuarbeiten. Dadurch soll die weltweite Interoperabilität von NFC-Services sichergestellt werden.

"Die Mobilfunkindustrie ist immer auf der Suche nach spektakulären Innovationen, mit denen sie Kunden aufs Neue begeistern kann. LTE - sprich schnellere Datenraten - wird den Smartphone-Verkauf ebenso wenig ankurbeln, wie bessere Handykameras. NFC hingegen bietet völlig neue Möglichkeiten, wie das Handy in Zukunft genutzt werden kann", erklärt Langer im FUTUREZONE-Interview.

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten

Denn neben der mobilen Zahlungsabwicklung kann das Handy über NFC zukünftig auch als Auto- oder Wohnungsschlüssel sowie als papierloser Ticketersatz fungieren. Aber auch der Einsatz bei Kunden-Bonusprogrammen anstelle von den derzeit mitgeführten Plastikkarten liegt auf der Hand. Für die sichere Übertragung garantiert zum einen die geringe Reichweite von wenigen Zentimetern. Darüber hinaus kann der Datenaustausch auch mittels PIN- oder sogar Fingerprint-Eingabe zusätzlich gesichert werden.

Dass NFC anders als noch vor einigen Jahren den Durchbruch feiern wird, ist laut Langer auch auf die geänderten Marktbedingungen zurückzuführen: "Apple und Google verfügen mit ihren App-Stores und den dazu gehörigen Services über ganz andere Geschäftsmodelle als die einstigen NFC-Vorreiter Nokia oder Siemens. Das Interesse an der Einbindung neuer lukrativer Services ist daher definitiv gegeben."

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