Science
25.04.2012

3D-Druck: Sorge vor Rechtsstreitigkeiten

Nachdem seit kurzem auch The Pirate Bay 3D-Druckvorlagen im Angebot hat, ist es für Beobachter nur eine Frage der Zeit, bis die nächste Runde im Streit um geistige Eigentumsrechte beginnt. In den USA machen Interessensgruppen bereits vorbeugend mobil, um Rufen nach Verschärfungen von Urheber-, Patent- und Markenrechten das Wasser abzugraben.

"Wir glauben, dass der nächste Schritt der Kopie die Umwandlung digitaler Daten in physische Objekte ist", hieß es Ende Jänner im Blog von The Pirate Bay. Seit rund zwei Wochen listet die Torrent-Tracker-Site auch digitale Designvorlagen auf, aus denen sich mit Hilfe von 3D-Druckern reale Gegenstände herstellen lassen. Das Angebot reicht von Nippes aller Art (Piratenschiffe, Robotermodelle) bis hin zu pornografischen Motiven und einem - wohl provokant gemeinten - dreidimensionalen Porträt des US-Filmindustrielobbyisten Chris Dodd, der unlängst wegen seiner Ansichten zu Wahlkampfspenden ins Gerede kam.

"Sehen wir uns einmal an, wie sich The Pirate Bay auf die Debatte zu geistigen Eigentumsrechten und 3D-Druck auswirkt", war dazu im Blog von Shapeways zu lesen, einem in New York und dem niederländischen Eindhoven ansässigen Start-up, das wie eine Reihe anderer Dienste auch, bereits seit Jahren Platz zum Austausch von 3D-Druckvorlagen bietet.

Rechtsstreitigkeiten vorprogrammiert
Zwar ist 3D-Druck bislang alles andere als ein Massenphänomen, Streitigkeiten mit Rechteinhabern sind aber vorprogrammiert. "Wir haben in den vergangenen Jahren Auseinandersetzungen zwischen Internet-Nutzern und der Film- Unterhaltungs- und Games-Industrie gesehen", sagt Shapeways-Sprecher Duann Scott zur futurezone. "Wenn erst einmal 3D-Modelle von großen Unternehmen ihren Weg in Filesahring-Netzwerke finden, werden wir ähnliche Kämpfe bei digitalen Designvorlagen erleben."

"Es wird großartig, wenn sie es nicht vermasseln"
Damit dies nicht passiert, arbeitet die um digitale Bürgerrechte bemühte US-Interessensgruppe Public Knowledge an der Bewusstseinsbildung in der Öffentlichkeit und in der Politik . Bereits im November 2010 veröffentlichte Public Knowledge ein Papier mit dem Titel "It Will Be Awesome if They Don`t Screw it Up: 3D Printing, Intellectual Property, and the Fight Over the Next Great Disruptive Technology" ("Es wird großartig, wenn sie es nicht vermasseln: 3D-Druck, geistiges Eigentum und der Kampf um die nächste disruptive Technologie"). Darin werden rechtliche Bestimmungen rund um digitale Designvorlagen und 3D-Druck diskutiert und auch die Gefahren von Gesetzesverschärfungen erörtert.

"Die Möglichkeit Objekte zu entwerfen, zu kopieren, zu verändern und zu produzieren hat potenziell auf eine Reihe von Branchen und Industrien Auswirkungen", so Michael Weinberg, der Autor der Studie und rechtlicher Berater bei Public Knowledge: Für viele Unternehmen würden sich dadurch große Chancen bieten. Es werde jedoch auch Industrien geben, die beim Gesetzgeber dagegen Sturm laufen und schärfere Gesetze fordern: "Sie werden 3D-Drucker Pirateriewerkzeuge und ihre Nutzer Diebe nennen."

"Demokratisierung der Produktion"

"Wir sind besorgt, dass die Verbreitung von 3D-Druckern durch die Ausweitung von geistigen Eigentumsrechten gedrosselt wird", meint Weinberg auf Anfrage der futurezone. Anders als Musik oder Filme seien viele physische Objekte im Moment ihres Entstehens nicht von Rechten des geistigen Eigentums berührt. "Das hat sich seit Jahrhunderten bewährt, die Gesellschaft hat davon profitiert." 3D-Druck führe zur Demokratisierung der Produktion des Designs von phyischen Objekten, so Weinberg: "Leute rund um die Welt können gemeinsam Gegenstände produzieren und verbessern.

Reger Austausch
Es sind vorwiegend Privatpersonen und Enthusiasten, die ihre digitalen Entwürfe auf Plattformen wie Thingiverse, Google 3D Warehouse oder eben Shapeways anderen zur Verfügung stellen. Damit sie die Vorlagen verändern und ihren persönlichen Bedürfnissen angepassen können. "Das Teilen von Designs ermöglicht auch vielen Nutzern den Einstieg in den 3D-Druck", so Shapeways-Sprecher Scott: "Die Leute tauschen sich auch in den Foren rege aus, wenn es etwa um Ratschläge zum Erstellen der Files gibt."

"Frühe Phase"
Die Technologie sei noch in einer frühen Phase, sagt  Weinberg. "Für Privatnutzer leistbare Hardware ist noch nicht wirklich ausgereift." Auch Programme zum Erstellen digitaler Designvorlagen seien für Laien noch schwer zu bedienen. In den vergangenen Jahren habe es zwar sowohl bei 3D-Druckern als auch bei der Software markante Verbesserungen gegeben, wann 3D-Druck die breite Masse erreiche, sei schwer einzuschätzen.

Preise gesunken
Nicht zuletzt unter dem Einfluss von Open-Source-Projekten wie RepRap oder Fab@Home sind die Preise für die Geräte zuletzt stark gesunken. Das US-Start-up Makerbot bietet etwa Bausätze für Drucker bereits für knapp 800 Euro an. Zahlreiche Online-Plattformen - darunter neben Shapeways etwa auch Ponoko und i.materialise - bieten einen 3D-Druck-Service an und stellen ihren Nutzern auch einfach zu bedienende Online-Tools zur Erstellung und Bearbeitung von Designvorlagen zur Verfügung.

Open Design
"Auch einige namhafte Designer, wie etwa Ronen Kadushin, geben ihre Vorlagen frei", sagt der Wiener Industrial Designer Gerin Trautenberger von microgiants, der auch im European Design Innovation Leadership Board sitzt, das die EU-Kommission bei Fragen zur Designbranche berät. Diese Entwicklung ist in den vergangenen Jahren unter dem Schlagwort "Open Design" bekannt geworden.

"Mit Open Design können auch Ideen von Nutzern in die Produkte einfließen", erläutert Trautenberger: "Der Designer wird zum Moderator eines Prozesses." Die den individuellen Vorstellungen angepassten Produkte können von den Nutzern mittels 3D-Druck gleich selbst hergestellt werden.

"Bewusstsein schaffen"
Heute gehe es darum, Bewusstsein für die Technologie zu schaffen, sagt Weinberg. Den Leuten wurde über Jahre hinweg eingebläut, dass alles was online passiert von Copyrights kontrolliert werde: "Wenn man an 3D-Druck denkt, ist das aber einfach nicht wahr."

Das bestätigt auch die 2010 im Fachjournal scripted veröffentlichte britische Studie  "The Intellectual Property Implications of Low-Cost 3D Printing", die vom Rechtswissenschaftler Simon Bradshaw und Adrian Bowyer, dem Gründer des RepRap-Projekts, verfasst wurde. 3D-Druck habe zwar Implikationen auf Urheber-, Design-, Marken- und Patentrechte. Die private Nutzung von 3D-Druckern und Druckvorlagen sei davon jedoch so gut wie nicht betroffen.

Langfristig könnte sich dies aber durchaus ändern, geben die Autoren zu bedenken. Mit der Verbesserung der technischen Möglichkeiten würden 3D-Drucker radikale Änderungen bei der Herstellung von Produkten mit sich bringen, heißt es weiter: "Die Auswirkungen solcher elaborierter Geräte wurden bisher nur in der Science Fiction thematisiert."

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White Paper von Public Knowledge: "Es wird großartig, wenn sie es nicht vermasseln."

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CIS.doc #4: Open Design