© NASA/JPL-Caltech

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7 Minuten Terror: Wie Perseverance auf dem Mars landet

Über 200 Tage war der Mars-Rover „Perseverance“ der NASA im All unterwegs. Er ist die große Hoffnung für Wissenschaftler auf der ganzen Welt, um auf dem Roten Planeten nach Hinweisen auf Leben zu suchen. Heute wird er den Mars erreichen und seinen gefährlichen Landeanflug starten.

Für die Wissenschaftler und Ingenieure der NASA ist dies als „7 Minuten des Terrors“ bekannt. So lange dauert das Landemanöver, bei dem der 1.025 Kilogramm schwere Rover von 20.000 km/h auf 0 gebremst wird.

Da der Mars 203,3 Millionen Kilometer von der Erde entfernt ist, benötigt das Funksignal entsprechend lang: Man erfährt mit ungefähr 11 Minuten Verzögerung, ob dieses Manöver gelungen ist. Wegen dieser Verzögerung kann die Landung nicht „live“ gesteuert werden und läuft deshalb völlig autonom, auf die Sekunde genau geplant, ab.

Fallschirm bremst den Fall

Beim Eintritt in die Atmosphäre des Mars wird die Landekapsel des Rovers auf 1.600 km/h gebremst. Mithilfe kleiner Raketentriebwerke muss das Raumschiff immer wieder selbstständig seinen Kurs korrigieren. Ansonsten könnten Luftlöcher es zum Schwanken bringen und aus der Bahn werfen. In einer Höhe von 9 bis 13 Kilometern öffnet sich dann ein 21,5 Meter großer Fallschirm. Dieser reicht für eine sanfte Landung nicht aus, er kann Perseverance nur auf 320 km/h runterbremsen.

20 Sekunden nachdem der Fallschirm aufgegangen ist, wird das Wärmeschutzschild abgestoßen, das den Rover vor der heißen Atmosphäre geschützt hat. Dann wird das erste Mal in der Geschichte der Raumfahrt eine Kamera Bilder des Landeanfluges auf den Mars aufzeichnen.

Die Kameras haben auch eine technische Funktion: Sie helfen dem Rover dabei herauszufinden, wo er sich genau befindet. So kann er seine exakte Landestelle identifizieren. Diese wird mit einer auf dem System des Rovers gespeicherten Karte verglichen. Darauf haben Wissenschaftler vermerkt, welche Stellen sich für eine sichere Landung eignen. Perseverance kann dann darauf zu steuern.

"Jetpack" aus 8 Mini-Triebwerken

Dafür kommen ab einer Höhe von 2.100 Metern 8 kleine Triebwerke zum Einsatz, die wie ein Jetpack funktionieren. Sie sind zum Boden gerichtet, bremsen den Rover weiter ab und navigieren ihn zur ausgewählten Landestelle. Der Fallschirm wird abgeworfen und der Rover weicht ihm aus, um sich nicht zu verheddern.

Etwa 12 Sekunden bevor der Rover aufsetzt (ungefähr 20 Meter über dem Boden) wird er mit dem "Skycrane"-Manöver mithilfe von Kabeln herabgelassen. Sobald der Rover den Boden berührt, löst er die Kabel und der "Skycrane" fliegt selbstständig außer Reichweite um woanders zu landen.

Im Jezero Krater wird Perseverance landen

Suche nach Leben

Hat der Rover erfolgreich in der Landeregion, dem Jerzero Krater, aufgesetzt, begibt er sich auf seine große Suche. Seine Kameras können die Umgebung besonders hochauflösend dokumentieren (siehe unten). Zudem wird er an geeigneten Orten Bodenproben entnehmen. Der Bereich ist ein von Wasser geformtes Delta mit vielen Mineralvorkommen.

Die große Hoffnung ist es, dass Perseverance dort Fossilien, und damit Spuren von Leben, finden wird. Ein verbesserter Bohrer sorgt deshalb dafür, dass Steine nur aufgebrochen und nicht pulverisiert werden, wie es beim Mars-Rover "Curiosity" der Fall ist, der seit 2012 am Mars forscht.

Wir werden die Landung mit Live-Ticker und Live-Stream heute ab 20:15 begleiten.

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Franziska Bechtold

frau_grete

Liebt virtuelle Spielewelten, Gadgets, Wissenschaft und den Weltraum. Solange sie nicht selbst ins Weltall kann, flüchtet sie eben in Science Fiction.

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