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Vectoring
01/19/2012

A1 rüstet Festnetz auf - Problemzonen bleiben

A1 hat eine Erhöhung der Bandbreite im kupferbasierten Festnetz angekündigt. Als weltweit erstes Unternehmen wird der Konzern sogenannte Vectoring-Technologie einsetzen, die eine Verdopplung der Bandbreite auf kurzen Distanzen verspricht. Startschuss ist in Korneuburg, in weiterer Folge sollen zuerst Ballungsräume – mit Ausnahme von Wien – profitieren.

von Martin Stepanek

Durch den Einsatz der Technologie sollen die Kapazitäten des bestehenden Kupfernetzes optimal ausgeschöpft werden. Vectoring (die futurezone berichtete) erlaubt eine Verdopplung der Geschwindigkeit auf Distanzen bis 500 Meter und zumindest 50-prozentige Steigerungen bis 800 Meter, indem auftretende Signalinterferenzen ausgefiltert werden können. Als Kapazitätsobergrenzen gibt A1 rund 100 Mbit/s auf Leitungslängen bis 300 Meter und rund 50 Mbit/s bis 800 Meter an. Ist der Anschluss über 800 Meter vom Verteilerknoten entfernt, geht der Effekt allerdings verloren.

Wie A1-Technik-Vorstand Walter Goldenits bei der Präsentation des Konzepts in Wien mitteilte, werden zunächst Gigaspeed-Kunden in Korneuburg von den höheren Bandbreiten profitieren. Die Geschwindigkeitsverbesserung ist für bestehende Gigaspeed 16 und Gigaspeed 30 Kunden kostenlos. In den kommenden zwei bis drei Jahren will A1 die Technologie im gesamten Netz – wo sinnvoll und technisch umsetzbar – ausrollen. Nach Korneuburg sollen zunächst andere Städte angeschlossen werden, bei denen das Glasfasernetz bis wenige Hundert Meter an die Haushalte herangeführt wurde. Ab dem zweiten Halbjahr 2012 soll die Vectoring-Technologie auch in anderen Gebieten eingesetzt werden.

Ländlicher Raum als Problemzone

Zwei große Baustellen werden zunächst jedoch nicht in den Genuss des Geschwindigkeits-Turbos kommen. So seien in Wien, wo parallel vor allem am Ausbau des Glasfasernetzes gearbeitet wird noch umfangreiche Tests notwendig, in welchem Rahmen der Einsatz sinnvoll sei. Größtes Sorgenkind bleibt allerdings weiterhin der ländliche Raum bzw. entlegene Gebiete und Siedlungen, die schon jetzt mit geringen Bandbreiten zu kämpfen haben und von der Technologie aufgrund der hohen Entfernungen am wenigsten bis gar nicht profitieren.

"Der ländliche Raum ist und bleibt betriebswirtschaftlich eine Herausforderung", meint Goldenits. Beim Breitband-Ausbau dieser Gebiete setzt A1 auf die Kooperationen mit Kommunen und entsprechenden Förderungen von nationaler und EU-Seite. Als Alternative im ländlichen Raum setzt A1 zudem auf den Ausbau mobiler Technologien wie HSPA und LTE. Angesichts rund 800.000 Kunden in ländlichen Gebieten setze man alles daran, zur Erfüllung der EU-Richtlinien zur Digitalen Agenda beizutragen. Diese sehen einen Breitbandanschluss von mindestens 30 Mbit/s für alle europäischen Haushalte bis 2020 vor.

Kupfer-Netz kann weiter ausgereizt werden

Neben dem Einsatz von Vectoring soll das bestehende Kupfernetz zukünftig auch von anderen Technologien profitieren. So forscht A1 im Labor derzeit an der Umsetzung von Bonding und Pair Virtualization – auch bekannt als Phantom Mode. Bei Bonding kann die Leistung verdoppelt werden, in dem mehrere Kupfer-Doppelleitungen für einen Anschluss genutzt werden. Pair Virtualization setzt hingegen auf einen physikalischen Effekt, indem mithilfe zwier Kupferkabelpaar eine virtuelle dritte Leitung erzeugt wird. Der Einsatz dieser Technologie in der Praxis sei kurzfristig nicht zu erwarten.

Probleme mit regulatorischen Vorgaben, die durch den Einsatz von Vectoring auftreten könnte, erwartet Goldenits hingegen nicht. Experten hatten im Gespräch mit der futurezone davor gewarnt, dass die Technologie nicht mit regulatorischen Anforderungen hinsichtlich der Netzbereitstellung für andere Anbieter vereinbar sein könnten. Laut Goldenits habe man die Aufrüstung bei der Regulierungsbehörde angemeldet. Die Ansicht der Behörde sei, dass höhere Technologien gegenüber bestehenden veralteten bevorzugt werden. Netzstörungen im Betrieb alternativer Anbieter und Kunden seien durch die Einführung der Technologien derzeit nicht zu erwarten.

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