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Arecibo-Teleskop ist zerstört: Was der Verlust bedeutet

Das zweitgrößte Teleskop der Welt ist zerstört. Nachdem 2 Stahlseile gerissen waren, stürzte in der Nacht zum 1. Dezember auch noch die 800 Tonnen schwere Empfängerplattform ein. Eigentlich war geplant, die Plattform vorsichtig abzusenken.

Zu diesem Zeitpunkt befand sich der Empfänger gerade in der Reparatur. 2017 hatte es durch den Hurrikan Maria millionenschwere Schäden davongetragen, die noch nicht alle beseitigt wurden. 

Lebensgefahr

Die Anfang der 1960er Jahre installierten Kabel wurden zwar regelmäßig gewartet, trotzdem waren bereits einige der 160 Drähte in den 9 cm dicken Kabeln gerissen. Beide Kabel führten zu einem Turm, der wiederum durch weitere Kabel gestützt wurde. Die übrigen Kabel konnten das Gewicht nicht mehr tragen und die Plattform stürzte ein.

Zuvor hatte bereits eine ausgiebige Prüfung ergeben, dass Bauarbeiter sich in Lebensgefahr begeben würden, würde man das Teleskop reparieren. Die National Science Foundation, die das Teleskop zusammen mit der University of Central Florida betreibt, teilte daher mit, dass es nicht mehr zu retten ist und abgebaut wird.

Geldmangel

Auch wenn die NSF beteuert, die Schließung sei aus baulichen Gründen beschlossen worden, wird vermutet, man habe bereits länger nach einem Grund gesucht, das Teleskop in den Ruhestand zu schicken. "Arecibo war schon alt. Dass es nun geschlossen wird, ist keine Überraschung", sagt Luca Fossati, Leiter der Forschungsgruppe "Exoplaneten" des ÖAW-Instituts für Weltraumforschung der futurezone.

Für das Teleskop fehlte es an Zuschüssen. Über die Jahre reduzierten sich die Zuzahlung, etwa von der NASA, stetig. Das Observatorium stand immer wieder kurz vor seiner Schließung. Trotzdem ist der Einsturz ein harter Schlag für die Astronomie-Gemeinschaft weltweit.

Beobachtung von Asteroiden

Arecibo wurde nicht nur als Radioteleskop, sondern auch als Radarschüssel genützt, um Asteroiden ausfindig zu machen. Mit der gigantischen Reflektorfläche war es möglich, auch schwache Signale aufzuspüren. So sparte man vor allem Zeit, zumal andere Teleskope nicht die gleiche Leistungsfähigkeit haben. Einige Experten fürchten daher, dass das künftig erdnahe Asteroiden nicht rechtzeitig entdeckt werden könnten.

Goldstone Antenne

Goldstone Deep als Ersatz

Ein ähnliches Instrument ist etwa das Goldstone Deep Space Communications Center der NASA. Hier konzentriert man sich nicht nur auf Asteroiden, sondern auf zahlreiche zusätzliche Aufgaben, etwa auf die Kommunikation mit Raumfahrzeugen im All.

"Die Goldstone Antenne ist kleiner, so dass man nur Objekte sehen kann die nahe vorbei fliegen“, erklärt Detlef Koschny, Co-Manager des „Near Earth Object“-Segments der ESA und befasst sich daher täglich mit Asteroiden, die der Erde besonders Nahe kommen.

Weltraumsicherheit

Dabei sendete die Goldstone Antenne meist das Signal aus, empfangen wurde es vom Arecibo-Teleskop. "Ich denke, dass die Zahl der mit Radar beobachteten Asteroiden nun deutlich zurück gehen wird", so Koschny. Derzeit werden monatlich etwa 2 bis 10 Asteroiden gefunden.

Das sei etwa für das „Space Safety“-Programm der ESA wichtig. "Damit kann die Bahn deutlich genauer bestimmt werden als mit optischen Teleskopen. Wir können besser vorhersagen, wo das Objekt hinfliegt und ob es eventuell die Erde trifft. Außerdem kann man die Größe bestimmen und Rückschlüsse auf das Material ziehen", erklärt Koschny.

Verlorenes Symbol

Fossati sieht das nicht ganz so dramatisch: "Wissenschaftlich gesehen war das Arecibo-Teleskop nicht mehr sehr wichtig. Aber natürlich haben wir ein Teleskop weniger, um Asteroiden und ihre Umlaufbahnen zu studieren. Das macht es komplizierter".

Arecibo sei als ehemals größtes Teleskop der Welt vor allem ein bedeutendes Symbol, das verloren geht, so Fossati. Auch in der Popkultur hatte das Teleskop einige berühmte Auftritte. Vielen ist es vermutlich aus Filmen wie Contact (1997), James Bond: GoldenEye (1995) und Species (1995) bekannt.

Das Arecibo-Radioteleskop war bis 2016 mit 305 Metern Durchmesser das größte weltweit. Eine wichtige Entdeckung war der Doppelpulsar PSR 1913+16. 1989 konnte man mit den von Arecibo gesammelten Daten das erste 3D-Modell eines Asteroiden, 4769 Castalia, mithilfe von Radar erstellen. Zudem war es an der Entdeckung des Asteroiden Bennu beteiligt, von dem die NASA Gesteinsproben entnahm.

Nachricht an Außerirdische

1974 sendet Arecibo zudem ein 450.000 Watt starkes Signal, die Arecibo-Botschaft, in Richtung eines Kugelsternhaufen aus. Die gesendeten 1679 Bits lassen sich in 23 Spalten mit 73 Zeilen zu einem Bild anordnen. Diese könnte von einer entsprechend entwickelten Zivilisation empfangen und gelesen werden.

So sieht die "übersetzte" Arecibo-Botschaft aus

Zu erkennen sind (mit ein bisschen Fantasie) Zahlen in Binärdarstellung, die Ordnungszahlen der Elemente Wasserstoff, Kohlenstoff, Stickstoff und Phosphor, ein DNS-Abschnitt und die Doppelhelixstruktur eines DNS-Strangs, sowie die Skizze eines Menschen und eine Größenangabe, die sich in 175,756 cm umrechnen lässt. Darunter wurde das Sonnensystem mit damals noch 9 Planeten und eine Skizze des Teleskops.

Zukunftsprojekte

Obwohl man langfristig mit dem Ausfall von Aricebo hätte rechnen können, reißt es eine Lücke in die Asteroidenbeobachtung. "Bei uns in Europa gibt es zwar auch Radar- und Radioantennen (z.B. Effelsberg mit 100 m Durchmesser), die sind aber im Moment nicht gut geeignet, um Asteroiden zu beobachten", so Koschny. Er hoffe aber, dass zukünftig auch in Europa entsprechende Antennen aufgebaut würden. 

Auch das kürzlich vollständig in Betrieb genommene Australian Square Kilometre Array Pathfinder (ASKAP) könnte für die Entdeckung von Asteroiden eingesetzt werden. Allerdings ist dessen Hauptfunktion, sich mit der Evolution des Universums zu beschäftigen.

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Franziska Bechtold

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