Science 03.05.2018

Boeing macht sich über "zu kleine" Falcon Heavy lustig

© Bild: AP / ap

Um Konkurrent SpaceX zu provozieren, bringt Boeing einen Größenvergleich zwischen seiner SLS-Rakete und der Falcon Heavy.

Auf der von Boeing betriebenen Webseite Watch U.S. Fly wurde ein Beitrag veröffentlicht, in dem die Falcon-Heavy-Rakete von SpaceX lächerlich gemacht wird. Die Falcon Heavy konnte die Raumflug-Abteilung bei NASA "nicht überzeugen", heißt es darin. "Bill Gerstenmaier, Raumflug-Leiter bei der NASA, sagte, die Falcon Heavy sei 'zu klein' für die Bedürfnisse der NASA. Ouch." Mit einer Bildmontage wird verkündet: "SpaceX Falcon Heavy kann nicht mithalten mit der von Boeing gebauten Space Launch System (SLS) Rakete."

Nur die SLS erlaube es der NASA, Missionen in die Tiefen des Alls durchzuführen. "Sobald sie einsatzfähig ist, wird die SLS die stärkste jemals gebaute Rakete sein", schließt der Text.

Boeing-Bildmontage seiner SLS-Rakete mit Werbebotschaft, die gegen Konkurrent SpaceX gerichtet ist © Bild: Boeing

Irreführende Botschaft

Wie Ars Technica berichtet, sind die Behauptungen in vielerlei Hinsicht irreführend bzw. unvollständig. Boeing erwecke den Eindruck, als stehe der Start der SLS unmittelbar bevor, dabei wird die Rakete noch mindestens zwei Jahre Entwicklungszeit benötigen. Die Falcon Heavy hat dagegen ihren ersten Testflug erfolgreich absolviert.

In ihrer ersten Ausbaustufe wird die SLS nur gerinfügig mehr Transportkapazität (70 Tonnen gegenüber 64 Tonnen bis zum Low Earth Orbit) als die Falcon Heavy aufweisen. In einer zweiten Ausbaustufe sollen 105 Tonnen erreicht werden. Erst in einer dritten Version soll die SLS 130 Tonnen transportieren können und somit mehr als die Saturn-V der Apollo-Missionen in den 1960er- und 70er-Jahren (118 Tonnen). Erst dann könne die SLS als "stärkste jemals gebaute Rakete" bezeichnet werden.

Erst in rund zehn Jahren soll dies soweit sein. Bis dahin hat SpaceX möglicherweise bereits seine BFR (Big Falcon Rocket a.k.a. Big Fucking Rocket) fertiggestellt. Auch Blue Origin könnte dann bereits eine Rakete mit ähnlicher Transportkapazität im Angebot haben.

Kein Wort zu Kosten

Was in dem Boeing-Artikel unterschlagen wird, sind die massiven Entwicklungs- und Betriebskosten der Rakete, sowie die im Gegensatz zur Falcon Heavy fehlende Wiederverwertbarkeit. Besonders pikant ist die Entdeckung, dass Boeing das Gerstenmaier-Zitat von einem Artikel des London Evening Standard hat. Dessen Autor wiederum hat Gerstenmaier nicht persönlich gesprochen, sondern seine Zitate von Ars Technica übernommen.

( futurezone ) Erstellt am 03.05.2018