Science 12.04.2018

Chinas smarte Solar-Autobahn soll fahrende Elektroautos aufladen

Zwei Fahrbahnen einer ein km langen Teststrecke sind mit Solarzellen ausgestattet © Bild: REUTERS / CHINA STRINGER NETWORK

Der stromerzeugende Highway soll zukünftig auch Daten mit selbstfahrenden Autos austauschen.

Ende Dezember wurde in China ein Teilstück einer Autobahn in Betrieb genommen, die mit Solarzellen ausgestattet ist. Jetzt zieht der Hersteller Qilu Transportation Development eine erste Bilanz, berichtet Bloomberg.

Die Solarzellen wurden auf zwei Fahrbahnen integriert, die 1.080 Meter lang sind. Die Teststrecke wird täglich von 45.000 Autos befahren. Über den Solarzellen ist ein durchsichtiger Belag, der dieselben Fahreigenschaften wie Asphalt aufweisen soll. Wie Asphalt soll die Lebensdauer bei 15 Jahren liegen.

Die Solarzellen darunter erzeugen laut Qilu genügend Energie, um 800 Wohnhäuser und die Straßenbeleuchtung zu versorgen. Auch Heizelemente werden damit gespeist, die die Straße im Winter schnee- und eisfrei hält.

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Laden während der Fahrt

Die künstliche Asphalt-Schicht ist vorbereitet, um Drähte für induktives Laden einziehen zu können. Zukünftig sollen so Elektroautos während der Fahrt aufgeladen werden können. Die Teststrecke jetzt sei laut Qilu aber noch zu kurz, damit dies Sinn machen würde. Auch gebe es noch keine serienreifen Elektroautos, die induktives Laden unterstützen. Man sei aber in Gesprächen mit Autoherstellern.

Der Solar-Highway hat Sensoren eigenbaut, die die Temperatur, das Verkehrsaufkommen und das Gewicht der Autos messen. Letzteres wird genutzt, um zu unterscheiden, ob ein Pkw, Lieferwagen oder Lkw über die Straße fährt. Diese Daten sollen zu den Bestrebungen der chinesischen Regierung beitragen, ein intelligentes Verkehrssystem zu erschaffen. Chinas Straßennetz ist mit dem ständig steigenden Individualverkehr bereits an der Grenze der Belastbarkeit, ein intelligentes System soll künftig Megastaus vermeiden.

Damit dies gelingt, sollen die Daten auch mit selbstfahrenden Autos ausgetauscht werden. Idealerweise würden die Daten des Solar-Highways und der autonomen Fahrzeuge zusammen ausgewertet werden, um die Routenplanung und verkehrskontrollierende Maßnahmen aufeinander abstimmen zu können.

Das Errichten der Teststrecke hat umgerechnet 5,2 Millionen Euro gekostet, was in etwa 900 Euro pro Quadratmeter entspricht. Wenn der Solar-Highway in die Massenproduktion geht, würden laut dem Hersteller die Kosten auf 387 Euro pro Quadratmeter sinken.

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Solar-Highway in Europa

Auch in Europa wird an Solar-Autobahnen gearbeitet. In Frankreich wird seit 2016 der Wattway getestet, mittlerweile an 20 verschiedenen Orten. Hier wird allerdings nur Energie gesammelt, ein Datenaustausch mit selbstfahrenden Autos oder das Aufladen von E-Autos während der Fahrt ist nicht vorgesehen.

Wattway soll 2019 serienreif sein. Der Solar-Belag soll kleinere Orte mit Energie versorgen, wie etwa E-Auto-Ladestationen oder Raststätten. Der Belag kann auch auf Parkplätzen installiert werden, sofern diese nicht häufig ausgelastet sind. Sonst würden die parkenden Autos das Sonnenlicht blockieren.

( futurezone ) Erstellt am 12.04.2018