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Science
06/09/2020

Corona-Übertragung ohne Symptome: WHO rudert zurück

Dass die Verbreitung des Virus durch asymptomatische Personen "sehr selten" ist, sei keinesfalls gesichert, gibt die WHO nun zu.

von Martin Stepanek

Nur wenige Stunden, nachdem die WHO-Epidemiologin Maria Van Kerkhove mit der Aussage aufhorchen ließ, dass die Übertragung des Coronavirus durch asymptomatische Personen "sehr selten" sei, ruderte sie am Dienstagnachmittag zurück. Ihre Aussage, über die viele Medien berichtet hatten, bezeichnete sie als "Missverständnis" und nicht als offiziellen Standpunkt der WHO. Sie habe sich bei ihrer Einschätzung nur auf ein bis zwei Studien bezogen und Daten mancher Staaten, die zu dieser Schlussfolgerung gekommen seien. 

Modell: Bis zu 40 Prozent infektiös

Keinesfalls könne man daraus schließen, dass Leute ohne Symptome nicht doch global gesehen signifikant zur Übertragung beitragen würden. "Wir wissen, dass asymptomatische Leute das Virus übertragen können. Wir wissen allerdings nicht, welche Rolle sie bei der Verbreitung spielen. Genau das müssen wir herausfinden", sagte Van Kerkhove. In der erneut im Internet übertragenen Konferenz zitierte sie dabei Schätzungen, wonach sechs bis 41 Prozent der Corona-Infizierten symptomfrei sein könnten.

Für zusätzliche Verwirrung sorgte die Epidemiologin damit, dass sie zudem Modellberechnungen erwähnte, welche den gestern präsentierten Erkenntnissen komplett widersprechen. Denn in diesen wird davon ausgegangen, dass bis zu 40 Prozent der asymptomatischen Corona-Infizierten infektiös sein könnten. Sie habe diese Zahlen aber nicht genannt, da es sich nur um Modellberechnungen handle, teilte Van Kerhove am Dienstag mit.

Die überraschende Klarstellung ist ein gefundenes Fressen für WHO-Kritiker wie Donald Trump, der der Gesundheitsbehörde - auch um von seinem eigenen politischen Versagen abzulenken - Inkompetenz vorwirft. Zuletzt war die Behörde auch dafür kritisiert worden, nun doch das Tragen von Masken zur Eindämmung der Verbreitung zu empfehlen, nachdem sie monatelang keinen wirklichen Sinn oder Mehrwert darin sah. Auch auf Twitter sorgte die heutige Korrektur für Kritik.