Sommerhitze - Region Hannover

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Science
12/02/2019

"Die Menschheit wird sich zerstören, bevor die Sonne es tun kann"

Der Harvard-Astronom Abraham Loeb drängt darauf, dass die Menschheit in den Weltraum umzieht, bevor es zu spät ist.

In einigen Milliarden Jahren wird die Sonne alles Leben auf der Erde auslöschen. Als "Roter Riese" wird sie nach einer Phase der Ausdehnung unseren Planeten unter Umständen sogar verschlucken. Um diesem Schicksal zu entgehen, drängt Harvard-Astronom Abraham Loeb auf ein "sehr großes Upgrade der Internationalen Raumstation ISS". Die Menschheit müsse ein riesiges Raumschiff bauen, um sich von der heißer werdenden Sonne entfernen zu können bzw. näher hinzufliegen, wenn sie anschließend langsam erlischt.

Savanne - Manhatten - Weltraum

Dass es der Menschheit gelingen könnte, eine fliegende Riesenstruktur zu bauen, auf der es sich Jahrhunderte und Jahrtausende überleben lässt, steht für Loeb außer Frage: "Der moderne Mensch hat es innerhalb von 100.000 Jahren geschafft, sein Leben in den Savannen und Wäldern Afrikas so anzupassen, dass er sich in eine winzige Wohnung in Manhatten quetschen kann. Es ist anzunehmen, dass uns der Umzug von Manhatten ins Weltall innerhalb einer Zeitspanne, die zehntausend Mal länger ist, gelingen sollte."

Das ultimative Ziel für die Menschheit müsse aber sein, das eigene Sonnensystem zu verlassen. Dem Astronomen schwebt dabei vor, dass menschliches Genmaterial ebenso wie Flora und Fauna auf "zweite Erden" an verschiedene Orte im Weltall gesendet werden solle. Nur auf diese Art könne man verhindern, dass unsere Zivilisation durch ein katastrophales Ereignis ausgelöscht werde.

Menschliche Klone

Indem Menschen geklont und auf andere Planeten und Monde geschickt werden, verliere das jeweilige Individuum zwar an Bedeutung. Wer in Zeitspannen von Milliarden Jahren und die Zukunft der Menschheit denke, müsse sich aber am großen Ganzen orientieren, ist Loeb überzeugt. Die Chance, dass die Menschheit und die Erde mit seiner Flora und Fauna überhaupt so lange überleben wird, dass sie sich um die sterbende Sonne kümmern muss, ist dem Harvard-Astronomen allerdings ohnehin gering.

"Ich neige zu glauben, dass unsere Zivilisation aufgrund selbst zugefügter Wunden lange vorher verschwunden sein wird, bevor die Sonne eine echte Bedrohung darstellt. Warum ich das glaube? Weil die Totenstille, die wir von den zahlreichen bewohnbaren Exoplaneten hören, darauf hindeutet, dass entwickelte Zivilisationen eine weitaus kürzere Zeitsspanne haben als die Sterne, die sie beherbergen", schreibt Loeb.