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Science
11/14/2020

Die Zukunft der NASA: Klimaschutz statt Mondspaziergang

Mit dem Flug der vierköpfigen Crew zur ISS und dem Ende der Trump-Ära beginnt ein neues Zeitalter der US-Raumfahrt.

von Martin Stepanek

Es ist der Beginn einer neuen Ära der US-Weltraumfahrt. In der Nacht von Sonntag auf Montag wird ein SpaceX-Shuttle die erste reguläre Crew von US-Boden zur Internationalen Raumstation ISS bringen. Nach dem erfolgreichen Testflug zweier Astronauten Ende Mai fliegt die NASA in Kooperation mit Elon Musks privater Firma nun gleich vier Weltraumfahrer ins All.

Die Mission ist in vielerlei Hinsicht historisch. Zum einen wird es mit einer Dauer von einem halben Jahr die längste Mission, die jemals von US-Boden aus gestartet ist. Die Crew steht für Diversität. Neben dem weißen Commander Mike Hopkins fliegen mit Victor Glover und Shannon Walker auch ein Afroamerikaner und eine Frau zur ISS. Der Japaner Soichi Noguchi komplettiert das Team, das sechs Monate lang auf der ISS forschen wird.

Private Raumfahrt

Die Mission, die unter dem Namen „Crew-1“ läuft, gilt auch als endgültiger Durchbruch der privaten Raumfahrt. Erst vor wenigen Tagen wurde SpaceX von der NASA für bemannte Flüge zertifiziert. In den kommenden 15 Monaten sind 7 Missionen geplant – ein enormer Erfolg für Tesla-Gründer Elon Musk, der allen Widrigkeiten zum Trotz seine Vision einer günstig operierenden, privaten Weltraumfirma realisieren konnte.

Für die USA wiederum bedeuten die Starts von US-Weltraumflughäfen aus ein unabhängiger Zugang zum All. Nach dem Ende der Space-Shuttle-Missionen der NASA im Juli 2011 waren sie beim Transport ihrer Astronauten stets auf russische Missionen angewiesen gewesen. Damit ist nun Schluss. Mit Boeing steht zudem eine zweite US-Firma für Weltraumflüge in den Startlöchern. Sie hatte zuletzt aber mit einigen Pannen zu kämpfen und wird wohl frühestens im kommenden Jahr Missionen durchführen können.

Flug zum Mond wackelt

Nach der Niederlage Donald Trumps brechen auch für die NASA neue Zeiten an. Der von Trump eingesetzte Jim Bridenstine hat seinen Rückzug schon angekündigt. Da er keinen beruflichen Hintergrund in der Weltraumindustrie hatte, sondern in erster Linie republikanischer Politiker war, galt seine Besetzung als umstritten. Zum Missfallen Trumps blieb Bridenstine jedoch unparteiisch, lobte die Arbeit seiner Vorgänger und der Obama-Regierung und unterstützte auch die Klimaschutzforschung der NASA, die Trump zurückfahren wollte.

"Bridenstine hat in seiner Amtszeit tatsächlich viel vorangebracht - entgegen aller politischen Widerstände und der limitierten Ressourcen, die die NASA zur Verfügung hat", analysiert Weltraumexperte Gernot Grömer vom Österreichischen Weltraum Forum im futurezone-Interview. "Die NASA steht als gesunde Organisation da, die unabhängig von Trump in den vergangenen vier Jahren ihre internationalen Beziehungen pflegen konnte. Deswegen finde ich es ein bisschen schade, dass er zurücktritt", sagt Grömer.

Klimaschutz statt Artemis-Mission

Unter Joe Biden dürfte sich die strategische Ausrichtung tatsächlich erneut ändern. Erklärte Trump die bemannte Landung auf Mond und Mars zu seiner Priorität, will Biden wie einst Barack Obama, dass die NASA mittels Satelliten mehr Klimaforschung und Erdbeobachtung betreibt. Damit dürfte allerdings das Artemis-Programm, das eine Mondlandung 2024 vorsah, endgültig zurückgestellt werden.

SpaceX Crew-1 Rollout

„Nachdem das Klimamonitoring-Programm deutlich hochgefahren werden soll, wackelt die finanziell ohnehin auf schwachen Füßen stehende Artemis-Planung noch mehr. Das Jahr 2024 als Landezeitpunkt auf dem Mond ist nicht zu halten“, sagt Grömer. Die Auswirkungen der Wahl will der Weltraumexperte dennoch nicht überbetonen. "Sowohl die Grundlagen für das Artemis-, als auch das Commercial Crew Program unter Einbindung von SpaceX und Boeing sind unter Obama initiiert worden, auch wenn Trump das jetzt sicherlich als politischen Erfolg verbucht hätte."

NASA bleibt politischer Spielball

Wie es mit der NASA strategisch weitergeht, hängt teilweise auch von der US-Senatsmehrheit ab, die im Jänner entschieden wird. Denn für mehr Budget für Klimaschutzmissionen brauchen die Demokraten eine Senatsmehrheit, die sie aktuell nicht besitzen. Der demokratisch dominierte Kongress hatte wiederum zusätzlichen Mitteln zur Finanzierung des Artemis-Programms und damit der Mondlandung eine Absage erteilt.

Der von Biden angestrebte Fokus auf mehr wissenschaftliche Forschung und internationale Zusammenarbeit dürfte allerdings eine gute Nachricht für die Internationale Raumstation bedeuten. Trump hatte bereits angekündigt, die Finanzierung der langsam in die Jahre kommende Station mit 2025 zu beenden und diese privaten Firmen zu überlassen. Biden hat bereits vor der Wahl angekündigt, die Finanzierung zumindest einige Jahre verlängern zu wollen.

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